Nachrichten aus Ägypten - diverses

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Tatsächlich gibt es noch immer Menschen, die es schaffen, direkt aus Kairo oder Suez zu twittern. Andere geben ihre Nachrichten per Telefon durch. Sie alle haben meinen Respekt und meine Bewunderung.

Vor allem aber sind dies die Tage für Al-Jazeerah. Der Sender aus Qatar - der mich noch dazu mit Werbeunterbrechungen verschont - hat mehrere gute Journalisten in verschiedenen Städten, sendete fast von Anfang an immer wieder live-Bilder, Kommentare, Analysen.

Gestern dann entzog der - entlassene - Innenminister Ägyptens die Sendelizenz, aber irgendwie senden sie trotzdem weiter. Aus Doha, natürlich, nachdem das Büro in Kairo geschlossen wurde, oft mit dem Hinweis, dass sie den Namen des kommentierenden Korrespondenten aus Sicherheitsgründen nicht nennen wollen. Die, die das jetzt noch tun, arbeiten ohne Akkreditierung, nicht ganz ungefährlich.

Aber so viel Erfolg hat natürlich auch seine Neider, und hat mir das widerlichste Stück Journalismus eines Sesselkorrespondenten zu Augen gebracht, das ich seit langem gesehen habe. Passt aber sehr gut hierzu.

Na ja, wo kämen wir denn auch hin, wenn diese Araber einfach ihre Presse selbst machen und statt FoxNews eigene Programme gucken! Ist ja schlimm, die haben ihre eigene Meinung! Sowas aber auch!

Im Ernst, das ist Hofjournalismus für die Mächtigen. Die Schelte über die Veröffentlichung der Palestina Dokumente gabs noch gratis dazu. Abbas hat ja Glück, dass in Ägypten die Revolution losbrach, so kann er sich überlegen, was er noch dazu zu sagen hat. Aber vielleicht sucht er schon nach einer passenden Villa im Tessin. Wäre vielleicht klug.

Aber natürlich, die Berichterstattung Al-Jazeerahs konnte Mubarak nicht gefallen. Es wurden die Opfer des Freitags gezeigt, noch in blutige Tücher gewickelt. Teilweise wurde auf dem Bildschirm in einer Hälfte die Demonstrationen gezeigt, auf der anderen die gleichzeitig laufenden Bilder des Staatsfernsehens: leere Straßen, freundlich lächelnde, Händeschüttelnde Regierungsmitglieder, Sonnenuntergang.

Heute morgen scheint es in Ägypten wieder etwas ruhig zu sein - nicht, weil die Protestierenden aufgegeben hätten, sondern weil viele mal geschlafen haben und auf den neuen Tag warten. Auf dem Tahrir-Platz in Kairo haben etliche übernachtet, auch die Armee, in den Wohnvierteln wurde Wache gegangen, es gab wohl erheblich weniger Plünderungsversuche. Vielleicht auch, weil angeblich die Polizei ab heute wieder arbeiten soll, da hatten die keine Zeit mehr dafür.

El-Baradei war gestern abend auf dem Tahrir-Platz, hielt eine wohl recht gute Rede, aber von Beifallsstürmen konnte ich in den Berichten nichts sehen. Er ist keinesfalls DER Anführer der Revolution - allenfalls könnte er der Kompromisskandidat der gesamten Opposition werden. In der arabischen Welt hängt ihm seine Tätigkeit vor dem Irak-Krieg an - viele halten ihn sogar für den Mann der USA und trauen ihm nicht.

Für heute ist zu Streiks aufgerufen worden, die Armee verstärkt Barrikaden um den Tahrir-Platz - ob sie heute eine weitere Großdemo verhindern wollen? Was braucht es, um Mubarak loszuwerden?

Ein Journalist und Blogger reiste gestern abend nach Kairo, ich werde seinen blog verfolgen. Wäre auch gerne dort. So verfolge ich, was ich finde.

Trotz aller Behinderungen wird ja berichtet, was ich noch verlinken möchte, sind zwei Photostrecken - Bilder sagen ja auch viel:

Al-Jazeerahs Photos

Egypt Protests

Egpyt Protests

06:51 31.01.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Alien59

Nächster Versuch. Statt PN: alien59(at)live.at
Alien59

Kommentare 53

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monsieur-rainer | Community
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forenboy | Community
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