Nakba day

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Nakba day? Was soll das sein? – So fragen sicher etliche Leser, beim Freitag möglicherweise eher weniger als im Durchschnitt.

Nakba day ist der Tag, an dem die Palästinenser in aller Welt der Besetzung ihres Landes, der Tötung und Vertreibung von ca. 80% der im später israelischen Teil Palästinas lebenden Muslime und Christen gedenken.

Ein Versuch, bereits die Erinnerung daran unter Strafe zu stellen, kam im israelischen Parlament nicht durch, lediglich müssen Organisationen, die an Nakba-Veranstaltungen beteiligt sind, mit Mittelkürzungen rechnen. Wobei das in der Realität noch ganz andere Folgen haben kann.

Am Sonntag, dem 15. Mai, ist Nakba day.

Was war in Palästina eigentlich vorher? Oft ist ja zu lesen, dass dort ein Land ohne Volk war, eine Wüste, die erst durch die Gründung des Staates Israel zu einem grünen Garten wurde. Das stimmt so gar nicht:

(Hier sollte ein Video stehen - leider musste es aus technischen Gründen in den ersten Kommentar eingebunden werden - sorry)

Hunderttausende Palästinenser dürfen sich dieses Land bis heute nur von außen oder aus der Luft ansehen. Vertreibungen gehen weiter, vor allem in Jerusalem und auf der Westbank. Ein Recht auf Rückkehr gibt es nur für Juden – selbst wenn sie konvertiert sind und niemals irgendwelche ihrer Vorfahren dort gelebt haben. Für 1948 und später vertriebene Palästinenser soll dieses Recht jedoch um jeden Preis verhindert werden.

Jahrelang wurde immer wieder gekämpft, mit Gewalt von beiden Seiten. Seit einigen Jahren gibt es immer mehr Versuche seitens palästinensischer, z.T. internationaler Gruppen, gewaltlose Proteste zu organisieren. Das ist für die Beteiligten alles andere als ungefährlich – aus Bil’in liest man immer wieder von Verletzten und Toten unter den unbewaffneten Demonstranten. Auf der Mavi Marmara starben im letzten Mai 9 Menschen – unbewaffnet und in internationalen Gewässern.

Und trotzdem wollen am Sonntag, dem diesjährigen Gedenktag, Palästinenser einen Marsch nach Palästina starten. Waffenlos. Aus dem Libanon, aus Ägypten, aus Jordanien, aber auch aus der Westbank an die Mauer. Heute wurden die ersten Treffpunkte bekannt. Es soll ein Marsch à la Gandhi werden. Hoffen wir, dass es keine Toten gibt.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Alien59

Nächster Versuch. Statt PN: alien59(at)live.at
Alien59

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