Tag 3 - Mein Lieblingsbuch

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Wie für ja fast alle hier ist das eine zu schwere Entscheidung. Fast. Aber auch ich hätte mich gefreut, diese Frage als letzte gestellt zu sehen.

Lange Zeit hätte ich als mein Lieblingsbuch Harper Lee's "To Kill a Mocking-Bird" (auf Deutsch schwach übersetzt: "Wer die Nachtigall stört" - To kill ist töten, nicht stören, und eine Spottdrossel ist keine Nachtigall) genannt.

Ein Buch, dass ich mir als junges Mädchen schenken lies, weil mich der Film fasziniert hatte - eine der besseren Verfilmungen, aber nach der Lektüre des Buches mochte ich auch diese nicht mehr.

Ein nachdenkliches, aber teilweise auch spannendes Buch über eine Kindheit in den amerikanischen Südstaaten der dreißiger Jahre, erzählt aus der Perspektive eines kleinen Mädchens. Sie wächst auf mit den Unterschieden zwischen schwarz und weiß, reich und arm, während ihr Vater, ein Kleinstadtanwalt, versucht, sie und ihren Bruder zu lehren, was Gleichheit ist, und Gerechtigkeit. Alleinerziehend ist der die maßgebliche Person in diesem Kinderleben - abgesehen vom geliebten großen Bruder.

Ein Strafverfahren wegen angeblicher Vergewaltigung einer armen jungen weißen Frau durch einen schwarzen Arbeiter lässt die Gefühle in der Stadt hochkochen.

Es ist ein vielschichtiges Buch, ich mag es noch heute.

Aber nicht nur dieses.

Gerade vor ein, zwei Wochen las ich ein anderes Buch, mal wieder. Ich habe es, ebenso wie das obige, mehr als einmal verliehen und nicht zurückbekommen, dann war es vergriffen, und auch dieses habe ich mir dann auf Englisch kaufen können. Inzwischen gibt es eine deutsche Neuauflage.

Es ist ein Teilautobiographie eines Mannes, der, Sohn aus einer jüdischen Familie, Anfang der zwanziger Jahre nach Jerusalem geht, nicht als Zionist, sondern als angehender Journalist zu Besuch bei einem Onkel, da es im Deutschland der Inflationszeit nichts zu verdienen gibt. Seine Reisen und die Artikel, die er darüber in deutschsprachigen Zeitungen veröffentlicht, lassen ihn in den nächsten Jahren zu einem Fachmann für die arabische Welt werden. Um so mehr, als er auf diesen Reisen nicht nur die Sprache lernt, sondern auch die Bekanntschaft der damaligen führenden Männer macht, des saudischen, des jordanischen Königs, des Amir der Sanussi, und viele andere. Über sie schreibt er, aber auch über die einfachen Menschen, denen er auf seinen Reisen begegnet. Über die Wüste, die ihn für Jahre fesselt - und darüber, wie er über die Welt und die Lebensweise auch den Islam kennen und lieben lernt.

Leopold Weiß wurde zu Muhammad Asad. Sein späterer Weg führte ihn über den indischen Subkontinent, wo er von den Briten als Angehöriger einer feindlichen Nation (Österreich) interniert wurde, ins spätere Pakistan, wo er an der Verfassung mitarbeitete. Er vertrat den neuen Staat Pakistan als erster Botschafter bei der UN. Später zog er sich nach Spanien zurück, schrieb Bücher, die nur noch teilweise zu kaufen sind, auch eine Übersetzung mit Anmerkungen des Koran.

Seine Autobiographie, die leider mit dem Ende seines Aufenthalts in Saudi-Arabien endet, heißt: "Der Weg nach Mekka" (The Road to Mekka).

Keines dieser Bücher wäre jedoch das berühmte einzelne, das ich mit auf die sprichwörtliche Insel nehmen würde. Das wäre ein anderes, vielgelesenes, bei mir in verschiedenen Sprachen ein halbes Regal füllendes. Ich wählte die Ausgabe, die den Text in drei Spalten zeigt: Arabisch, Englisch und in Lautschrift. Vor zehn Jahren schenkte mir jemand dieses Exemplar, auf das ich nicht würde verzichten wollen.

09:14 21.10.2010
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Geschrieben von

Alien59

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Alien59

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