Wenn es stimmt, ist es Verrat

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Al-Jazeerah veröffentlichte Unterlagen aus den Verhandlungen der Palestinan Authority (PA) mit den Israelis. Diese zeigen, wenn sie echt sind – was kaum bezweifelt wird – dass die PA Zugeständnisse machen wollte, die die angeblich von ihr vertretenen Palästinenser niemals mitgetragen hätten.

Dazu gehören neben der Aufgabe von Staatsgebiet, auch in Jerusalem, vor allem das Recht auf Rückkehr. Über die Grenzziehungen wird viel geschrieben, auch beim Freitag ist ein lesenswerter Artikel dazu erschienen, aber das Recht auf Rückkehr, das ich hier im blog bereits vor einiger Zeit kurz ansprach, wird meist wenig geredet und noch weniger verstanden, wie mir scheint.

Vielleicht auch, weil Hintergründe und Tatsachen zu wenig bekannt sind.

Bereits 1948 flohen viele Palästinenser aus ihren Häusern, in der Annahme, in wenigen Tagen oder Wochen zurückkommen zu dürfen. Weitere Kriege lösten weitere Flüchtlingswellen aus. Ein Großteil dieser Menschen und ihrer Familien lebt noch heute in Provisorien – auch, z.B., in Deutschland, wo sehr viele nicht einmal eine Aufenthaltserlaubnis bekommen, das heißt, oft keine Arbeitserlaubnis, selbst wenn, oft keine Arbeit – weil der Papierkrieg Arbeitgeber abschreckt. Das gilt auch für Ausbildungsstellen. Selbst die Schulpflicht für Flüchtlingskinder war lange strittig.

In Nachbarländern Palästinas gibt es vielfach verfestigte Flüchtlingslager – die libanesischen sind berüchtigt. Integriert werden die Palästinenser nur in den wenigsten Fällen – glücklich sind die, die einen Pass eines Einwanderungslandes wie Kanada, Australien etc. erhalten haben, deren Kinder haben eine gesicherte Zukunft. Die arabischen Ländern jedoch haben keinen Grund, die Palästinenser zu integrieren – sie sind keine Einwanderungsländer. Gerade im Libanon und in Jordanien würde eine solch große Gruppe als Wahlberechtigte den Charakter des Landes völlig verändern können – in Jordanien ist daher der Zorn über die Handlungsweise der PA besonders groß. Abbas wird in Zukunft wohl nicht mehr auf Unterstützung aus Jordanien rechnen können – auch wenn er derzeit die Echtheit bestreitet und man gestern in Ramallah den Boten köpfen wollte – es gab einen Angriff auf Al-Jazeerah, eines ihrer Fahrzeuge wurde in Brand gesetzt.

Ein Alleingang der PA bei der fast kompletten Aufgabe des Rechts auf Rückkehr isoliert sie von sämtlichen arabischen Staaten – die nämlich eben aus dem Grund, dass sie durch die Flüchtlinge in ihren Ländern mitbetroffen sind, auch mit entscheiden wollen.

Die Hamas hat gestern ausdrücklich der PA die Vollmacht für Verhandlungen entzogen.

Die verstreut lebenden Palästinenser sind noch weitaus wütender. Sie fühlen sich verkauft – zu recht. Sich – und vor allem ihre Kinder, für die sie eine Zukunft, ein Leben, fordern. Nur als Hohn kann man Äußerungen wie die von Condolezza Rice verstehen, vielleicht würden ja Chile oder Argentinien Land für die Palästinenser zur Verfügung stellen. Warum nicht gleich Uganda oder Madagaskar?

Verraten und verkauft. Und wütend.

Linkliste:

If it’s true, it is treason – ich habe mir erlaubt, diesen Titel in Deutsch für meinen Artikel zu wählen

PA selling short the rights of the refugees – AJ

The Price of Jerusalem - von Jody McIntyre, Independent, UK

Dieser Artikel erschien zuerst auf meinem Blog: "News from Palestine"

07:55 26.01.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Alien59

Nächster Versuch. Statt PN: alien59(at)live.at
Alien59

Kommentare 29

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