Für eine göttliche Linke

Islam Die Anthropologie des Quran wird im Westen kaum verstanden - und auch der traditionelle Islam hat oft vergessen worum es Muhammad in seiner Offenbarung wirklich ging
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Nach traditioneller islamischer Auffassung begannen die Quran-Offenbarungen an Muhammad im Jahre 610, als offizielles Gründungsjahr des Islam wird das Jahr 620 angesehen. Gründungsort war Mekka.

Die römisch-katholische Kirche reagierte auf diese Entwicklungen beispielsweise mit der Lehre vom Fegefeuer (ca. 604) und einer Verstärkung der Marienverehrung (650).

Arabischsprachige Juden und Christen nennen Gott "Allah"; ebenso wird in arabischen Bibelübersetzungen verfahren. Im Okzident sind es lediglich die Malteser, die zu Gott Allah sagen.

Das II. Vatikanischen Konzil (1962-1965) erkärte Allah als identisch mit dem Gott der Christen („Nostra aetate“ und „Lumen gentium“). So muss es auch nicht wundern, wenn Papst Johannes Paul II und Benedikt XVI den Quran küssten.

Im Gegensatz zu weit verbreiteten Ansichten ist die Stellung von Maria im Islam sehr hoch, und der ursprüngliche Islam, wie Allah ihn wollte und Muhammad ihn lehrte, war sehr frauenfreundlich.

Nirgendwo im Quran ist die Rede von Hijab oder gar Burka, sondern von Jalabib (33:59).

Was das genau war, weiß heute niemand mehr (allen sturen und unwissenschaftlichen Behauptungen zum Trotz). Der Begriff scheint äthiopischen Ursprungs zu sein und meinte wohl eine den ganzen Körper bedeckende Kleidung.

Um den Sinn dieser Verhaltensregel zu verstehen, sollte man wissen, dass es damals durchaus nicht üblich war als Frau allzeit bekleidet zu sein. Insbesondere die Prozessionen um die Kabas herum, denn davon gab es zu Muhammads Zeit nicht nur eine, fanden oft nackt statt.

Es ist schlüssig anzunehmen, dass die Art der "Jalabib" abhängig von klimatischen Bedingungen, regionalen Traditionen und weiblichen Stimmungslagen war.

Warum sollte das heute anders sein?

Auch verbietet der Quran selbst nicht einmal den Genuss von Alkohol. Schnaps gab es damals noch nicht, Wein wird erwähnt. Bier dagegen nicht. Das Bierbrauen war im alten ägyptischen Kulturraum so selbstverständlich, dass wahrscheinlich niemand auf die Idee kam, Bier überhaupt zu erwähnen.

Nirgendwo im Quran wird Allah als "Herr" oder "Lord" bezeichnet, auch wenn die schlechten Übersetzungen das unabsichtlich - oder absichtlich - weismachen wollen. Eine direkte Übersetzung des Anfangs der ersten Sura liest sich so:

(1:1:1) Im Namen Allahs, dem Barmherzigsten, dem Gnädigsten. Alles Lob und aller Dank gebührt Allah, Meister des Universums.

Rabbi (Meister) des Universums.

Allah hat immer gesagt, dass er die "Herren" und "Lords" akzeptiert, so lange sie seine Geschöpfe (einschließlich der Dschinns) und seine Schöpfung nicht missbrauchen. Und damit ist insbesondere das Wasser gemeint, aus dem nach quranischer Auffassung alle "lebendigen Dinge" gemacht wurden - und nicht aus Schatten und metaphysischem Nichts.

Der Quran ist konsequent antifaschistisch und gibt dem Wahrnehmungsakt Vorrang vor überlieferter Erkenntnis, Tradition und der Deduktion durch einen spekulativen metaphysischen Herrgott augustinisch-lutherscher Prägung.

Dieser "Herrgott", der Kriege bis hin zu Hitler und danach inszenierte, ist kein anderer als der, den Allah als Osiris, den "bösen Pharao", geißelte, der in vielen Formen, von den römischen Cäsaren bis hin zu Politik, Management und dem gegenwärtigen Sozialfaschismus, immer wieder auftauchte - es ist die Hybris und der "faschistoide Charakter" derjenigen, die sich für Gott halten und meinen, Schöpfung und Evolution durch ihre theoretischen Konstrukte und Modelleisenbahnen ersetzen zu können.

Ich leite den Begriff "Sozialfaschismus" nicht aus der kommunistischen Theorienbildung ab, sondern er entwickete sich aus meiner "sozialen" Erfahrung heraus anthropologisch und empirisch.

Dennoch ist folgendes Zitat, das ich erst später entdeckte, bemerkenswert:

„Der Faschismus ist eine Kampforganisation der Bourgeoisie, die sich auf die aktive Unterstützung der Sozialdemokratie stützt. Die Sozialdemokratie ist objektiv der gemäßigte Flügel des Faschismus. […] Diese Organisationen schließen einander nicht aus, sondern ergänzen einander. Das sind keine Antipoden, sondern Zwillingsbrüder", Grigori Sinowjew (1924)

Heute ist dieser "gemäßigte Faschismus" allen "Blockparteien" vorzuwerfen, eine Entwicklung, die sich seit der Wiedervereinigung noch verstärkt hat, da sich auf der Verwaltungsebene beider Staaten keine wesensfremden Strukturen vereinigten, sondern auch im Westen und dem "Weg durch die Instanzen" seit den 1970er Jahren sich ein allgemeiner und sozialfaschistoider "Linksruck" in Staat und Bildungssystem durchgesetzt hatte.

12:10 01.12.2013
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Geschrieben von

Alienne Laval

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Alienne Laval

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