Spanisches Personal rettet Unternehmen

300 000 Spanier haben in den letzten Jahren die Jobsuche aufgegeben und sind ausgewandert.
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Die derzeitige Wirtschaftskrise in Spanien begann im Jahr 2008 und ist die größte seit Eintritt Spaniens in die Europäische Union im Jahr 1985 und zeigt, wie sehr das Land durch die Arbeitslosigkeit gekennzeichnet ist, die deutlich über der 25%-Marke liegt und damit die höchste innerhalb der Europäischen Union ist. Bereits vor der Krise war ein Drittel aller Arbeitsverträge im Land auf maximal sechs Monate befristet und die Anzahl der Arbeitslosen war schon vor der Finanzkrise sehr hoch. Heute befinden sich mehr als die Hälfte aller Personen unter 25 Jahren in Spanien ohne Job. Wenn sich die junge Generation nicht ihre Chancen auf eine Zukunft in Arbeit verspielen möchte, muss sie sich Gedanken über Alternativen machen. Es ist bereits die Rede der verlorenen Generation, die in Zeiten der Rezession trotz einer exzellenten Ausbildung keine Perspektiven auf dem heimischen Arbeitsmarkt besitzt. Das Anhalten der hohen Arbeitslosigkeit zwingt diese hoch qualifizierte Generation, ins Ausland zu ziehen. Mehr als 300 000 Spanier haben in den letzten Jahren die Jobsuche aufgegeben und sind ausgewandert. Drunter nicht nur junge, sondern auch Personen mittleren Alters, die sich eine Zukunft auf der iberischen Halbinsel nicht mehr vorstellen können. Das Vertrauen in eine Wende am heimischen Arbeitsmarkt ist verspielt, auch wenn die letzten Prognosen etwas positiver ausgefallen sind. So hält die Auswanderung an qualifizierten Fachkräften an. Neben Südamerika, das wegen der Sprache ein attraktives Ziel ist, sind es vor allem die nordeuropäischen Länder, in denen die Auswanderer ihr Glück suchen.

Spanier kommen nach Deutschland

Länder wie Deutschland und die Schweiz repräsentieren für ausgebildete spanischen Führungs- und Fachkräfte meist die einzige Alternative, um den erlernten Beruf ausüben zu können. Denn in den deutschsprachigen Ländern herrscht häufig eine entgegengesetzte Situation. Die Arbeitslosigkeit ist hier nicht nur sehr gering, in vielen Regionen herrscht Vollbeschäftigung, sondern es besteht seit vielen Jahren ein akuter Fachkräftemangel. Der demographische Wandel und ein veränderter Arbeitsmarkt machen vielen Unternehmen zu schaffen. Gerade in ländlichen Regionen gelingt es vielen Betrieben nicht mehr, ihre offenen Stellen zu besetzen. Besonders groß ist die Nachfrage nach qualifiziertem Personal im Ingenieurwesen, in der Medizin und im Transportwesen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hat mit seinen spanischen Partnern Programme zur Anwerbung von spanischen Facharbeitern aufgelegt, um jungen Spaniern ein Praktikum mit der Aussicht auf eine Stelle anzubieten oder direkt einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz in Festanstellung. Voraussetzung ist neben der Anerkennung ihrer Ausbildung eine gute Kenntnis der deutschen Sprache.

Mittlerweile gibt es Unternehmen, die sich auf internationale Personalvermittlungen spezialisiert haben. Auf die Dienste eines Personaldienstleister verließ sich auch das Transportunternehmen ÖPNV aus Sömmerda. Der Geschäftsführer Kunz stellte im Februar sechs spanische Busfahrer ein, die ab sofort das deutsche Team verstärken werden. Aller Anfang ist schwer, jedoch haben die Fahrer gezeigt, dass sie nicht nur den nötigen Mut mitbringen, sondern auch die Fähigkeiten besitzen, sich den neuen Herausforderungen zu stellen. Herr Kunz ist zuversichtlich und erleichtert, da es ihm praktisch nicht mehr möglich war, auf dem lokalen Arbeitsmarkt fündig zu werden. Seine Erfahrungen waren immer die gleichen: Stellenausschreibungen blieben unbeantwortet und die wenigen Bewerber, die sich vorstellten, wollten lediglich einen Stempel für das örtliche Jobcenter oder waren einfach nicht geeignet. Anders dagegen stellt sich die Situation für die spanischen Fahrer dar. Hier haben sich laut Kunz zwei Bedürfnisse gefunden, die in ein Beschäftigungsverhältnis für sechs neue Busfahrer mündeten.

14:32 26.02.2015
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