Andre Boine

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RE: Die DDR war kein Rechtsstaat! | 25.03.2012 | 17:38

Ich entlehne mal 2 Zitate:
"-Grundrechte als Abwehrrechte, effektiv über Gerichte durchsetzbar
-Schutz vor staatlicher Willkür"

und

"In der Tat, die DDR als Rechtsstaat mit funktionierender Rechtsordnung zu beschreiben, ist gelinde gesagt, abenteuerlich und wirkt den DDR-Nostalgikern anbiedernd."

Letzteres wandele ich ab:
In der Tat, die BRD als Rechtsstaat mit funktionierender Rechtsordnung die Recht herstellt zu beschreiben, ist gelinde gesagt, abenteuerlich und wirkt den BRD-Nostalgikern anbiedernd.

Warum sehe ich das so?

An einem Beispiel: Es nützt mir und dem alten Mann, den man in Stuttgart21 hat erblinden lassen nichts, wenn ein Gericht hinterher sagt, dass es Unrecht war, dass man ihm die Augen weggeschossen hat.

Als ergänzendes Beispiel sei nochmal folgender Fall genannt:
www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,822276,00.html

Sich staatlich repressiv verhaltende Organe der BRD werden nicht oder seltenst deswegen eine Ahnung bzw. Strafe erfahren. Man sagt ggf. zwar hinterher, (wenn auch häufig Jahre später, da ist das Kind längst in den Brunnen gefallen): das war Unrecht. Eine Korrektur dafür ist jedoch nicht vorgesehen. Auch fehlerhafte Verwaltungsbescheide bspw. die Verweigerung rechtlich zustehender Hilfe zum Lebensunterhalt wie Hartz4, die tw. massiv in das Leben der Betroffenen eingreifen, führen hinterher in keinster Weise zur Ahndung oder Bestrafung der staatlichen Organe die Unrecht ausgeübt haben. Ergo: weiter wie bisher.

Gerade im Hartz4-Umfeld kann ich ein Lied davon singen, selbst ein durch meinen Rechtsanwalt gestellter Eilantrag bei Gericht führte zu Nichts. Kann ich jetzt den Behördenmitarbeiter und den Richter dafür haftbar machen, dass die mich verhungern lassen wollten? Wer hat mich da beschützt? Niemand. Am Ende blieb ich selbst, der diese Rechtsordnung verlassen hat.

Irgendwo vor Gericht zu ziehen, nützt mir da wenig. Das ist süß gemeint. Und jetzt komme mir niemand mit subjektiven Eindrücken. Solche Fälle gibt es zuhauf. Die Würde des Menschen ist hier nicht unantastbar, sie wird täglich mit Füßen getreten.

Und hier kommen wir zu einer anderen Rechtsfigur, die der DDR zu eigen war. Mein Menschenleben hing nicht davon ab, ob ich ökonomisch einen Wert habe. Meiner Gesundheit konnte es egal sein, ob viel oder wenig verdiene; meinen Bildungschancen ebenso.

Das sind zwar keine allg. anerkannten Menschenrechte. Der moralische Zeigefinger des BRD-geprägten ziemt sich da aber nicht. Denn in der DDR war man auch frei: frei von Existenzangst.

Die Diskussion, ob die DDR ein Rechtsstaat war, ist daher für Leute wie mich unerheblich. Ich weiß, dass dieses Land kein Rechtsstaat ist, nicht in dem Sinne, indem es dies gern selbst verstanden wissen will. Denn dieses Land hält die dafür erforderlichen selbst gestellten Prämissen nicht ein. Und genau aus dieser Perspektive werden diese DDR-Diskussionen i.d.R. geführt.

RE: Prost! | 23.09.2011 | 09:02

Nö, ich bin nicht in der Geschlossenen. Dafür tragen Sie Uniform.

"Ganz einfach: Wenn man zu ostentativ die Tassen hochhält UND DAZU Leute belästigt, ruft man die Bullen, richtig, und diese rücken dann mit dem Bahnpersonal an. Bzw. die Kotzbrocken werden sehr viel wahrscheinlicher die Bahnstrecke so schnell wie möglich hinter sich lassen und die 40,- eher in ein Taxi investieren o.ä..
Und DAS ist der gewünschte Effekt dieses Verbots."

Sie haben leider keine Ahnung. Alkoholverbot heißt Alkoholverbot, das Bierchen reicht für die 40,- €, egal ob Sie sich daneben benehmen oder nicht. Sinnvoller wäre ein Alkoholverbot, so wie Sie es beschreiben: wenn sich jemand daneben benimmt -> Klingelknopf drücken, Sicherheitspersonal kommt, Bewertung, Herausführen, 40,-€ bitte schön.

Im übrigen bin ich verwundert über Sie: als Förderin der Radikallösung Alkoholverbot (und zwar absolutes) scheinen Sie sich doch zu sehr über meine Teilzeit Law-and-Order-Attitüde zu echaufieren. Fällt Ihnen etwas auf? Sie wollen eigentlich Law-and-Order gegen jeden, ich will es gegen den Deliquenten. Also bitte: Ihre an mich gerichtete Aufforderung zum Lesen sollten Sie nachkommen, und zwar eben hinsichtlich des Alkoholverbotes, das so gar nicht Ihren Vorstellungen entspricht.

RE: Prost! | 03.09.2011 | 08:12

Soso, weil also die Idioten immer mehr werden, darf ich kein Feierabend-Bier trinken. Ich kenne die Situation in Hamburg nicht, muss ja wirklich schlimm sein. Meine Gedanken dazu sind ganz praktischer Natur:

1.) Der Fahrkartenkontroleur normale Fahrgast erkennt künftig den Live-Säufer und macht dann was? Die Bullen rufen? Den roten Klingel-Knopf drücken? Auf das an der nächsten Station das SEK einsteigt und den Säufer entfernt? Oder will der Kontrolleur das selber machen: "Einmal 40,- € bitte, werter Sturz-besoffener Fahrgast."; "Ähm, ja, lall, lall, Alter, Digger, habsch nich bei, aber hier bitte meinen Perso, schick mir ne Rechnung."

2.) Plötzlich hat also Hamburg in Zukunft in U- und S-Bahnen das Personal, um quasi auf Zuruf für Sicherheit Ordnung durchzusetzen. Aha, ging das bisher nicht?

3.) Die besoffenen Idioten bleiben, der Wodka ist im Rucksack und wenns zwischendurch mal ein Schluck sein muss, dann aus der Pepsi-Mix-Flache.

4.) Ich bin es leid, wegen irgendwelcher Idioten ständig die Einschränkung von Freiheiten hinzunehmen, wie wär's Jene einfach mal so zu umsorgen oder es Jenen eben so ordentlich zu besorgen, dass sie künftig Ihren Quark unterlassen? Aber, nee, man greift ja wieder in die Freiheit eines bescheuerten Kindes nebst seiner bescheuerten Eltern ein, das geht ja gar nicht.

5.) Daneben benehmen heißt Ausnüchterungszelle, mehrmals Fahrgästen auf den Schoß springen heißt künftig ein paar Stunden Sozialarbeit. Fürs Erste bei sinnloser Handy-Musik in Top-Lautstärke zu hören genügt aber auch ein Rauswurf, um die paar Stationen zu Fuß zu laufen, das klärt den Kopf und das Hirn.

6.) Wenn die einst so stolze Hafenstadt nur noch Idioten groß zieht, wär's sinnvoll mal darüber nachzudenken, das Geld nicht in großkotzige HafenCitys zu versenken, sondern damit ein paar offenbar schon 11-jährigen besoffenen Idioten den Kopf zu waschen.

RE: Finanzkrise bizarr | 31.08.2011 | 19:49

Alexander Schimmelbusch hat Recht: hier in Deutschland ist schon lange bekannt, dass US-Amerikaner überschuldete, Frittiertes in sich hinein schaufelnde, die Todesstrafe bejubelnde, keine Zeitung lesende Waffenliebhaber, Pornisten und sogar die ersten Nazis vor den Deutschen sind, weil sie mal eben die Indianer (fast) ausgerottet haben.

Die Frage ist nur: warum braucht Michael Lewis einen sooo langen Text, um die deutsche Seele zu erklären. Wusste gar nicht, dass wir so komplex sind. Danke für das Kompliment.

RE: Alkohol, Rauchen, Pommes | 27.08.2011 | 04:49

Schmusen ist schon völlig in Ordnung, es gibt theoretisch dem Ganzen sogar Charme. Aber eben nicht so. Wie gesagt: ich glaube, da musste zu kurz zusammengeschnippelt werden. Ich glaube das vor allem deshalb, weil ich Dominik Graf zwar nicht besonders gut kenne, - eigentlich gar nicht - aber ich jetzt des Nächtens feststellen musste, dass er "Die Sieger" gedreht hat. Ein Film, der auf mich einen tiefen Eindruck hinterlassen hat. Insofern komme ich mir gerade so vor, als hätte ich Tarantino kritisiert, nur weil er mal was verkackt hat.

RE: Alkohol, Rauchen, Pommes | 27.08.2011 | 04:49

Schmusen ist schon völlig in Ordnung, es gibt theoretisch dem Ganzen sogar Charme. Aber eben nicht so. Wie gesagt: ich glaube, da musste zu kurz zusammengeschnippelt werden. Ich glaube das vor allem deshalb, weil ich Dominik Graf zwar nicht besonders gut kenne, - eigentlich gar nicht - aber ich jetzt des Nächtens feststellen musste, dass er "Die Sieger" gedreht hat. Ein Film, der auf mich einen tiefen Eindruck hinterlassen hat. Insofern komme ich mir gerade so vor, als hätte ich Tarantino kritisiert, nur weil er mal - theoretisch - was verkackt hat.

RE: Die Grenze des Wachstums | 26.08.2011 | 23:12

Ich kann da Matto nur zustimmen. Hinzu kommt mein Eindruck, dass die Grünen immer mehr zur rein bürgerlichen Partei werden, der es herzlich egal ist, wie es den unteren sozialen Schichten geht. Grün wählen, Kaffee Late trinken, und beim Tanken nicht auf die Rechnung schauen müssen, weil man es sich eh leisten kann.

Nun haben wir die Öko-Wende und Aller-Orten schallt dem Bürger vor Allem eines entgegen: wir ziehen Dir das Geld aus der Tasche und machen ökologisch den sinnlosesten Quark, Hauptsache wir haben ein ruhiges Bio-Gewissen.

Wie die Öko-Wende sinnvoll geschafft werden will, dazu keine Aussagen, bei sozialen Themen gibt's ein regelmäßiges Rumhacken auf der Linkspartei, auch wenn dazu alte SED-Kamellen ausgepackt werden müssen.

Wenn gar nichts mehr geht, packt dann Renate Künast mit dem Alice-Schwarzer-Gesicht (ok, der ist unfair, macht mir aber Spass) die Tempo-30-Kujonierung des Bürgers aus.

RE: Alkohol, Rauchen, Pommes | 23.08.2011 | 08:04

Das war definitiv der schlechteste Krimi des Jahres, nicht wegen seiner Schauspieler, sondern wegen seiner völlig hektischen Regie.

Während der eine Bulle im Film dauernd kifft, muss der Regisseur auf Speed/Koks gewesen sein. Im übrigen bin ich gewohnt Filme in solchen Zuständen zu gucken: aber DAS war unerträglich.

Der Film hatte keinen roten Faden, er hatte mehrere, die völlig abgehackt "irgendwie" aneinandergestöpselt waren. Eine derart bescheidene Regie habe ich seit langem nicht gesehen. Aber vielleicht wollte Dominik Graf mal was Neues ausprobieren.

Hier wurde auch nicht mit angeblich innovativen Stil-Mitteln gespielt, der Film lässt sich am Besten beschreiben mit "Panik Konfus an allen Orten".

Zur Hektik des Regisseurs gesellte sich dann die gewollte Hektik der Schauspieler, alles Zacki, Zacki, Ermitteln, kurz 3-Sekunden-Trauern beim Todesfall der Kollegin, der Hauptkommisar muss ruhig sein, und weiter geht's, a bissl Tanzen...

Hinzu kommt noch, dass man offenbar zur Einführung der neuen Reihe - ebenfalls schnell, schnell, hektisch - sämtliche München-Klischees durchnudeln muss: nach der Beerdigung mit geschminkter, Maskerade-Trauer, auf auf auf zum Tanz in die Szenekneipe, hier nun keine Trauer, nirgends, alle Polizisten schmusen miteinander (hippes 68er Gehabe transformiert in die Neu-Zeit) und möchtegern coole, hippe Szene-Kommissare begrüßen Ihre Frauen Standard-mäßig mit "Arschloch" und danach gibt's a Bussi. München als Scheiß-Stadt, vielleicht ist's ja wirklich so.

Das ganze war DÜNN, aber äußerst DICK aufgetragen.

Als Ehrenrettung hätte ich ja einen anderen Verdacht: gedreht wurde mit Material für 2einhalbStunden Film, und am Ende musste leider alles zu knackig zusammengeschnitten werden.

RE: Blaues Auge statt Kopf ab | 21.08.2011 | 01:26

@Daniel Meister:

Nun, Sie stellten hier ganz allgemein folgende Fragen:

"WER (und WIE) hat Sie in der Bundesrepublik je:
1. Enteignet
2. Entrechtet
3. Gezüchtigt
4. Schikaniert/Drangsaliert
5. Zugerichtet?"

Darauf gebe ich Ihnen gern Antwort:
1.) Enteignet wurde ich von einem Richter der Bundesrepublik Deutschland weiland im Jahre 2005, ich verlor alles (meine Firma) und zwar entschädigungslos. Auf meine Frage an meinen Anwalt, ob ich hier wegen Amtsmißbrauch, Rechtsbeugung oder ähnlichem Strafanzeige erstatten sollte, erntete ich ein müdes Lächeln, man machte mir klar, dass das nichts bringt.

2.) Entrechtet und 3.) Schikaniert/Drangsaliert wurde ich danach, als ich Hartz4 beantragen musste und man mir den Lebensunterhalt verweigerte, indem neben der ablehnenden Behörde der zugehörige Sozial-Richter meinen Hartz4-Antrag mit der Begründung ablehnte, ich sei ja selbstständig und würde sicher fiktiv! ein hohes Einkommen erzielen (Anmerkung: nachdem man mich zuvor enteignet hatte). Ohne Hilfe von Anderen wäre ich verhungert oder hätte eine Bank überfallen müssen.

Wissen Sie, was das schöne an der DDR war? Die Grenzlinien waren eindeutiger, hier labert man viel von Menschenrechten, Demokratie, etc.. und kriegt dann schön "Rechtsstaatlich" einen aufs Maul.

Im übrigen helfe ich Ihnen gern mit einigen Ihrer Aussagen aus Ihrem o.g. Dialog:

"..., die aber bald gemerkt haben, dass im Westen auch nur mit Wasser gekocht wird."

Daniel Meister sagt: Soll wohl heißen, dass die Leute gemerkt haben, dass Wohlstand erarbeitet werden muss und nicht vom Himmel fällt. Richtig!"

Ähm, nö, die Ossis haben schnell gemerkt, dass Wessis häufig ne große Schnauze haben, aber fachlich nüscht oder nicht mehr dahinter steckt, zumindest bei den Importierten.

"Der Westen blendete mit seinen vielen Dingen, wo wir nach der Wende feststellen mussten, dass es der größte Dreck war, der eventuell vom Morgen bis zum Mittag hielt."

Daniel meister sagt: Natürlich sind viele Produkte eine Mogelpackung. Aber jedes einzelne davon war wohl besser, als ein DDR-Produkt."

Ähm, nö, eben weil man mit Ressourcen nicht so rumschlampern konnte, wurde im Osten viele Dinge gebaut, die auch nach 20 Jahren noch funktionieren mussten.

Vielleicht mal als kleine Gedankenstütze:
Die NASA und auch die ESA loben noch heute russische Raumfahrttechnik, weil diese in Bezug auf den Aufbau Versorgung einer Raumstation fortgeschrittener als im Westen war. Ohne Russen gäbe es keine ISS, zumindest nicht in der heutigen Form.

Ihr arrogantes DDR = alles Scheiße ist eine Haltung, die auch in 100 Jahren noch zu einer Trennung analog der Nord- und Südstaaten in den USA führen wird, die den Menschen dort noch heute in den Köpfen steckt.

Und jetzt: weitermachen.