360°-PANORAMA von Yadegar Asisi

Kunst Pergamonmuseum. Das Panorama - ein grandioses Ausflugsziel für die Familie
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Eigentlich sollte ja das weltberühmte Pergamonmuseum, Herzstück der Museumsinsel, März 2019 vollständig saniert sein. Doch es wird - wie bei Berliner Großbaustellen (s. BER und Staatsoper) gewohnt - natürlich viel, viel länger eingezäunt bleiben als ursprünglich geplant; nun ist 2023 seine neue Zielmarkierung... falls da alles reibungslos verlaufen sollte, was nicht mal der liebe Herrgott vorher weiß. Und sowieso waren und sind die Baukosten bereits über das Doppelte hinaus nach oben explodiert.

Den Hauptstädtern und ihren Gästen werden derweil wenigstens 80 Werke der Antikensammlung aus Pergamon (natürlich nicht ihr Hauptstück, der Altar; der steckt bis zur Wiedereröffnung des Museums in einer metallenen"Einhausung"an einem nicht näher bezeichneten Ort) zur Besichtigung gezeigt. Eigens hierzu errichtete man gegenüber vom Bode-Museum ein neues, temporäres Ausstellungsgebäude - offiziell heißt's Pergamonmuseum. Das Panorama.

Eingebetteter Medieninhalt

Zu sehen ist dort auch - oder vor allem - das 360-Grad-Stadtpanorama des Künstlers Yadegar Asisi. Sein 30 Meter hohes Rundbild zeigt den Alltag in der antiken Stadt Pergamon:

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"PERGAMON führt in das Jahr 129 n.Chr. in die griechisch-antike Stadt Pergamon in Kleinasien. Dargestellt ist die römische Zeit unter Kaiser Hadrian, dessen Besuch für die Zeit belegt ist. Eingebettet in die Terrassen der Akropolis auf dem 300 Meter hohen Burgberg fügen sich die monumentalen Bauwerke mit ihren Tempeln und dem Theater in die hügelige Landschaft nahe der Westküste in der heutigen Türkei ein. Am Fuße des Burgbergs erstreckt sich die römische Stadtanlage, am Horizont ist das Mittelmeer zu erahnen. Neben dem Kaiser sind die Pergamenen in verschiedenen Szenen zu entdecken, die das pulsierende Leben vor 2000 Jahren verkörpern.

In einer international einzigartigen Zusammenarbeit mit den Staatlichen Museen zu Berlin ist ein Kunstwerk entstanden, das die Ergebnisse langjähriger Forschungen mit der Arbeit des zeitgenössischen Künstlers Yadegar Asisi zu einem außergewöhnlichen Erlebnis verbindet. Präsentiert werden die renommierten Fundstücke der klassisch-archäologischen Sammlungen im Pergamonmuseum auf eine Weise, dass die Besucher sie wie in der antiken Lebenswelt entdecken können. So ist es möglich, den Pergamonaltar an seinem Originalschauplatz auf der Akropolis zu erleben. Als Projekt im Projekt ist der nur in Versatzstücken erhaltene Fries rekonstruiert worden, den Asisi aufwändig zeichnerisch wiederherstellte und dann farbig fasste.

Das Panorama war 2011/2012 im Rahmen einer Sonderausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin zu sehen und
[wurde] 2018 wieder in Berlin eröffnet [...]. 2016 zeigte das Metropolitan Museum of Art, New York, eine Videoinstallation zum Panorama."

(Quelle: asisi.de)

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Die Installation ist atemberaubend!

Man fühlt sich wie in einem gigantischen Hollywoodfilm à la Ben Hur oder Der Untergang des römischen Reiches - nur dass halt die Handlung "dieses Filmes" hier noch weitaus früher stattgefunden haben muss; zwischen den Anfängen der griechischen und den der jüdischen bzw. römischen Antike lagen immerhin 300 Jahre oder mehr.

Tausende Menschen gibt es ringsum zu entdecken - sie bevölkern die gesamte Szenerie; es gibt ein Dionysisches Spektakel im Amphitheater, es ereignen sich Tieropferungen auf besagtem Pergamonaltar, man sieht Handwerker oder Steinmetzen bei ihrer Arbeit, auch ein Sklavenmarkt wird sichtbar. Und das Alles eingetaucht in ein terrassengleiches "Hochgebirge" voller Lust und Leben. Alles friedlich, keine oder keiner hegt hier irgendeine böse Absicht - eine Art von Idealgemeinschaft menschlichen Zusammenseins (trotz Sklavenmarkt; was als Idee an sich absurd erscheint). Die Einzelszenen wurden vorher mit Statisten aufwändig in einem Fotoshooting "hergestellt" und später sozusagen "eingescannt".

Die wunderbare Mittelmeerlandschaft und der teils wolkenverhangene Himmel implizieren sehnsuchtsvolle Hingezogenheit nach hier... Im Zeitraffer erfolgt der Wechsel zwischen Tag und Nacht und wieder Tag und wieder Nacht; das Interim zwischen Morgen- und Abenddämmerung wird zudem aufs akustisch Wohlgefälligste durch lautes oder leises Miteinanderleben (Menschenstimmen, Lachen, Schritte, fernes Hundebellen, Ziegenmeckern, Schafeblöken, echo'nes Zikadensurren) vorgeführt - - das Alles angereichert mit arg kitschiger Musik aus zig Kanälen neben, über, unter dir. Und dennoch und trotz allem Übermaßes:

Es gefällt!

Grandioses Ausflugsziel für die Familie.

[Erstveröffentlicht auf KULTURA-EXTRA am 07.02.2019.]

12:45 07.02.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Andre Sokolowski

Andre Sokolowski ist Herausgeber und verantwortlicher Redakteur von KULTURA-EXTRA, das online-magazin
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