9 TAGE WACH in der Neuköllner Oper

Uraufführung Christopher Verworner / Claas Krause haben Eric Stehfests Bestseller "vertont"
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Heranwachsende jeden jungen Alters wüssten gern, wie andere Heranwachsende also Gleichaltrige, die vielleicht genauso jung wie sie sind, ihr heranwachsendes Leben so verleben. Und indem sie sich mit diesen Anderen vergleichen, bringen sie sich selbst (zwar nicht direkt aber vergleichsweise) in ein Beziehungs- oder Spannungsfeld zu ihrer mitmenschlichen Umwelt, was sie wiederum dann für den Anfangsrest ihres heranwachsenden Lebens etwas orientierte. Ganz besonders wissbegierig würden sie womöglich, wenn es sich bei diesen Anderen mehr oder weniger um prominente Andere und ihre ähnlichen Heranwachsungsgeschichten handelte - der Griff zu einem Büchlein, einer wahren Selbstfindungsgeschichte (eines prominenten Anderen) z.B. gilt bei solchen Selbsterfahrungsfällen von Heranwachsenden als durchaus willkommen; Eric Stehfest, ein vor seiner Zeit als Bestsellerautor bekannter Serienstar in TV-Soaps, fasste sein zwischenstationäres Drogen-Doppelleben-Dasein auf 230 Prosaseiten als 9 Tage wach zusammen. Sowas zu erfahren fänden also die Heranwachsenden gleichen Alters ziemlich nützlich.

Eingebetteter Medieninhalt

Jetzt gibt's eine musikalisch aufgemotzte Variante des besagten Fallbeispiels. Christopher Verworner / Claas Krause komponierten hierzu ein paar schöne Songs und sampelten auch einen ziemlich fetzig anhörbaren Sound, ja und der Dichter John von Düffel (seines Zeichens übrigens ein echter Dichter!) tat dem vorliegenden Buch dann so viel Buchstaben wie nötig absaugen, um es für eine Spieldauer von 1 Stunde 10 Minuten zu vertauglichen. Als ungefähre Quintessenz des so entstand'nen Plots könnte das Folgende bezeichnet sein:

"Die Droge stellt Erics Leben auf die Probe: Dealen, Verkehrsdelikte, Raub, eine Freiheitsstrafe auf Bewährung und die Trennung von seiner großen Liebe Anja, die das gemeinsame Kind abtreibt." (Quelle: neukoellneroper.de)

Die singenden und sprechenden und tanzenden Akteure Christian Claus, Sophia Euskirchen, Linda Podszus, Jochen Weichenthal und Armin Wahedi Yeganeh multiplizieren und zeitraffern "ihren" gleichaltrigen Helden und sein jeweiliges Menschenumfeld; Fabian Gerhardt hat sie flott und fröhlich inszeniert.

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Unmissverständlich-hörbare Begeisterung nach der Premiere, so wie's sich gehört.

[Erstveröffentlicht auf KULTURA-EXTRA am 12.04.2019.]

9 TAGE WACH (Neuköllner Oper, 11.04.2019)
von John von Düffel nach dem Bestseller von Eric Stehfest und Michael J. Stephan

Musik und musikalische Leitung: Christopher Verworner und Claas Krause
Regie: Fabian Gerhardt
Choreographie: Lilit Hakobyan
Bühne: Michael Graessner
Kostüm: Laura Kirst
Videos: Vincent Stefan
Dramaturgie: Bernhard Glocksin
Mit: Christian Clauß, Sophia Euskirchen, Linda Podszus, Armin Wahedi Yeganeh, Jochen Weichenthal und den MusikerInnen des VKKO Berlin
Uraufführung war am 11. April 2019.
Weitere Termine: 13., 14., 17.-19., 23., 25.-27.04. / 01., 03.-05., 10.-12., 16.-19.05.2019

14:57 12.04.2019
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Geschrieben von

Andre Sokolowski

Andre Sokolowski ist Herausgeber und verantwortlicher Redakteur von KULTURA-EXTRA, das online-magazin
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