AN EVE AND AN ADAM von Palle Granhøj

Uraufführung Mikolaj Karczewski und Sofia Pintzou heutigten Adam & Eva im Berliner Theater im Delphi
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Juden, Christen und Muslime hatten sich - laut ihrem jeweiligen Glaubensregelwerk - beinahe übereinstimmend auf Adam & Eva als dem allerersten Menschenpaar auf Erden verständigt; lt. Genesis (Altes Testament) hauchte der Herrgott seinem Erdensohn, welchen er prompt aus Erde schuf, den Lebensatem ein, zunächst verfügte er für Adam allerdings dann erst mal eine Soloexistenz bis er ihn schlafen legte und ihm währenddessen eine Rippe seines Rippenkorbs entnahm, um daraus wiederum sein "Gegenüber" zu kreieren, das er Eva nannte - - als das Paar, noch völlig aneinander unschuldig (also nicht wissend, wer ist Mann und wer ist Frau und wie begattet es sich und warum), unter dem Baume der Erkenntnis weilte, half die böse Schlange mit dem Apfel nach, und von der Stunde an wurde es zwischen Mann & Frau urplötzlich sexuell, ja und das wurde dann im christlich-abschreckenden Ton als "Sündenfall" geprangert und gepriesen = so die kurze Variante der geläufigen Geschichte.

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In der leicht verallgemeinernden Betrachtungsart des dänischen Theaterregisseurs und Choreografen Palle Granhøj und dem seine Tanz-Performance An Eve and an Adam ausführenden Tanz-Paar Sofia Pintzou & Mikolaj Karczewski braucht es nicht viel mehr als ein paar Taschenlampen, etwas hingestreutes Laub einschl. der die Schamhaare bedecken sollenden zwei Feigenblätter und die lebenspure Nacktheit der das allererste Menschenpaar verKÖRPERnden ProtagonistInnen:

Lichtspots, Geraschel und Geflüster...

Erst- und Zweitbegegnungen...

Herrlich, wie er den wie für ihn bereitliegenden Frauenkörper "unwissend" erkundet, wie er hie und da auf ihrem Leib die Haut knetet und knautscht.

Noch herrlicher, wie sie ihn sich dann greift und packt, ihn hebt und trägt, um ihn sogleich wieder von sich hinweg zu werfen.

Und am allerherrlichsten natürlich, wie der Apfel zur das Paar einzig verbindenden Materie wird und wie sich beide gleichzeitig und gleichsam in ihm festbeißen, um möglichst nicht mehr zweierlei statt einerlei zu sein.

Das war'n bloß drei der insgesamt gefühlten dreißig Einzel-Highlights dieses schwebend-leichtfüßigen und humorig-klugen Tanzstücks, dessen Uraufführung gestern Abend im Berliner Stummfilmtheater Delphi einhellige Freude und Begeisterung beim Publikum auslöste!

Bitte wiederkommen!!

[Erstveröffentlicht auf KULTURA-EXTRA am 29.03.2019.]

AN EVE AND AN ADAM (Theater im Delphi, 28.03.2019)
Eine Performance von Palle Granhøj
Mit Sofia Pintzou und Mikolaj Karczewski
Musikaufnahmen von Maria Eshpay (Klavier) und Peter Hudler (Violoncello)
Uraufführung war am 28. März 2019.
Weiterer Termin (in Berlin): 29.03.2019
Ko-Produktion / Residenz: SPAM (Porcari, Italy), Nordic Theatre Laboratory (Odin Holstebro, Denmark), Teaterøen (Copenhagen, Denmark), Delphi (Berlin, Germany)

"Die Produktionen der 1989 gegründeten dänischen Company Granhøj Dans entstehen unter der Leitung des Choreographen Palle Granhøj in enger Zusammenarbeit mit den Tänzer*innen. Besonders ist dabei die durch Palle Granhøj entwickelte Obstruction Technique, mit der jede neue Arbeit beginnt."(Quelle: theater-im-delphi.de)

01:08 29.03.2019
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Geschrieben von

Andre Sokolowski

Andre Sokolowski ist Herausgeber und verantwortlicher Redakteur von KULTURA-EXTRA, das online-magazin
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