ANJA HARTEROS in der Kölner Philharmonie

Liederabend Mit "Morgen!" von Richard Strauss kam ihr Bestes ganz zum Schluss
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Die das italienische wie deutsche Fach gleichsam vorzüglich abdeckende Sopranistin Anja Harteros ist schon seit Langem in der absoluten Premierleague verortet. Dass sie Griechisches (von ihrem Vater her) im Blut hat, sieht man auf der Stelle. Als ich mich noch nicht "was näher" über ihre Vita informierte, meinte ich, dass sie partout mediterrane Wurzeln haben müsste (die sie ja auch hat); kurzum: Für mich war immer schon vollkommen klar, dass sie die "Ideale" für so Rollen wie z.B. Tosca und Aida sein müsste, obwohl ich sie bis dahin nie in den Partien live erlebte; erstmals sah und hörte ich sie an der Seite von Domingo als Amelia in Verdis Simon Boccanegra... Und das Deutsche an und in ihr konstatierte ich zuallererst bei ihrer Elsa an der Seite Waltraud Meiers, die die DOB mit ihr veranstaltete; in der Rolle debütierte sie im letzten Jahr dann endlich auch in Bayreuth!

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Gestern Abend nun bestritt sie einen kräftezehrenden und anspruchsvollen Liederabend in der Kölner Philharmonie. Mit Wolfram Rieger am Klavier gab es sage und schreibe 21 (!) deutsche Kunstlieder zu hören! Solche Recitals zählen wohl zum Verschleißendsten, was sich dann SängerInnen antun könnten - sie belegen freilich auch, auf welchem sängerischen als wie künstlerischen (und auch intelektuellen) Leistungsstand sie sich bewegen; was und wie sie dieses Was de facto können und beherrschen:

Harteros erzeugte - und das sollte hier bei aller Sympathie für sie nicht unerwähnt bleiben - einen zunächst doch zwiespältigen Eindruck. Gleich am Anfang tat sie Beethovens Lied An die Hoffnung unterbrechen, um es nochmal anzufangen; irgendwie kam sie, was selbstverständlich voll verzeihlich ist, nicht richtig in den Takt... Befremdlicher jedoch, dass sie dann bei der nachfolgenden Auswahl "ihrer" je vier Schubert- sowie Schumannlieder einfach so querbeet befand, aus welchem jeweiligen Zyklus welches jeweilige Lied (rein zufällig oder aus aktueller Laune?) rauszupicken sie sich da entschloss; konzeptionell und dramaturgisch war das wenig nachvollziehbar - mit dem Schumann'schen Hidalgo setzte sie dann allerdings dem ersten der zwei Liederabend-Teile ein pikantes Sahnehäubchen auf.

Johannes Brahms und Hugo Wolf standen dann nach der Pause im Programmheft. Die von spätromantischer Melancholie durchwachsten Lieder (7 + 5) lagen ihr ungleich mehr. Beim Brahms gibt es ja immer diese "instinktive" Schwere; und die Stimme Harteros', die auch mit einem schönen satten Fundamentton aufzuwarten in der Lage ist, vermag sich insbesondere bei Brahms recht wohl zu fühlen. Noch viel idealischer schien das bei Wolf (besonders bei den vier Kompositionen nach Texten von Mörike!) zu funktionieren.

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Highlights waren unbestritten die zwei Strauss-Zugaben: Zueignung und Morgen! (der in allererster Linie!!!)

[Erstveröffentlicht auf KULTURA-EXTRA am 26.02.2019.]

LIEDERABEND ANJA HARTEROS (Kölner Philharmonie, 25.02.2019)
Ludwig van Beethoven: An die Hoffnungop. 32
Franz Schubert: Rastlose Liebeop. 5,1 D 138
-Am Tage Aller SeelenD 343
-Der Jüngling an der QuelleD 300
-Im Frühlingop. 101,1 D 882
Robert Schumann: Stille Tränenop. 35,10
-"Was will die einsame Thräne"op. 25,21
-"Ich wandelte unter den Bäumen"op. 24,3
-Der Hidalgoop. 30,3
Johannes Brahms: "Der Strom, der neben mir verrauschte"
-Liebestreuop. 3,1.
-Auf dem Kirchhofeop. 105,4
-"Wie rafft ich mich auf in der Nacht"op. 32, 1
-"Am Sonntag Morgen"op. 49,1.
-Der Gang zum Liebchenop. 48,1.
-Junge Lieder Iop. 63,5.
Hugo Wolf: Gesang Weylas
-Verschwiegene Liebe
-Verborgenheit
-Storchenbotschaft
-Er ist's!
Anja Harteros, Sopran
Wolfram Rieger, Klavier

18:12 26.02.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Andre Sokolowski

Andre Sokolowski ist Herausgeber und verantwortlicher Redakteur von KULTURA-EXTRA, das online-magazin
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