Beethovens GROSSE FUGE 3-fach vertanzt

TANZ IM AUGUST Ballet de l´Opéra de Lyon im Haus der Berliner Festspiele
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Der Jubiläums-Jahrgang TANZ IM AUGUST (30 Jahre gibt es dieses Festival bereits!) eröffnete sich mit dem dreitägigen Gastspiel des Ballet de l´Opéra de Lyon.

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Beethovens Große Fuge op. 133 B-Dur - wahrlich keines von den herkömmlichen Klassikradiohits (mehr wohl etwas für Liebhaber und ausgewies'ne Kenner Beethoven'scher Kammermusik) - stand gleich 3-fach zur Debatte; sozusagen zum Vergleich gedacht und was dann also 3 diverse Choreografinnen mit ihr so alles machten:

Und Lucinda Childs' Herangehensweise (Grande fugue) war dann schon ernüchternd. Eigentlich gilt sie ja als 'ne Postmoderne des modernen Tanzes; legendär sind ihre Mitwirkungen bei Bob Wilson/Philip Glass (in Einstein on the Beach); beim TiA war sie dann auch schon zwei- bis dreimal (Available Light z.B.) Blödsinniger Weise tat sie sich für eine superkitschige Orchesterfassung nach dem Beethoven'schen Streichquartett "interessieren" - das allein schon machte ihr Projekt für/mit 12 TänzerInnen völlig unverheißungsvoll. Ein tunlichst altmodisches Unterfangen. Krampfartiger und gleichsam ermüdender Ästhetizismus pur. Sehr, sehr befremdlich; muss schon sagen.

Aber die zwei andern Teile waren gottlob besser:

Bei Die Große Fuge von Anne Teresa De Keersmaeker (einem Stück für 8 TänzerInnen aus dem Jahre 1992) geht es viel, viel ausgelassener und "ungruppiger" Weise auch viel individueller zu. Vier Männer und vier Frauen treten anfangs ordentlich im schwarzen Anzug und mit weißem Hemd darunter auf; allmählich wird ihnen die Kluft zu zwangig, und sie lockern nach und nach ihr Outfit. Hinten/vorn sind Holz-Laufstege - diese werden allerdings dann nicht und nie betreten; komisch aber wahr.

Ja und bei Maguy Marin´s Grosse Fugue fokussiert sich feminine Individualität auf ein in Rot agierendes Quartett mit Jacqueline Baby, Coralie Levieux, Marissa Parzei und Elsa Monguillot de Mirman. Was treibt diese Vier zusammen? und welche Geschichten tragen sie vor sich/vor uns konkret dann aus?? Ich hätte die Sitznachbarinnen links und rechts von mir mal fragen sollen, was sie davon hielten.

[Erstveröffentlicht auf KULTURA-EXTRA am 12.08.2018.]

BALLET DE´L OPÉRA DE LYON (Haus der Berliner Festspiele, 11.08.2018)

Grande fugue

Choreografie: Lucinda Childs
Assistenz: Caitlin Scranton
Musik: Beethoven, Die Große Fuge, Op. 133 (in der Aufnahme des Orchestre de l'Opéra de Lyon, Dirigent: Bernhard Kontarsky, 2016)
Bühne, Licht und Kostüme: Dominique Drillot
Stück für 12 TänzerInnen, kreiert durch das Ballet de l'Opéra de Lyon am 17. November 2016.

Die Große Fuge
Choreografie: Anne Teresa De Keersmaeker
Musik: Beethoven, Die Große Fuge, Op. 133 (in der Aufnahme des Debussy Quartet, 2006)
Bühne & Licht: Jan Joris Lamers
Kostüme: Rosas
Regie: Jean-Luc Ducourt
Stück für 8 TänzerInnen, kreiert durch die Kompanie Rosas in den Halles de Schaerbeek im Jahr 1992. Aufgenommen in das Repertoire des Ballet de l'Opéra de Lyon am 12. Februar 2006.

Grosse Fugue
Choreografie: Maguy Marin
Musik: Beethoven, Die Große Fuge, Op. 133 (in der Aufnahme des Italiano Quartet ℗ 1968, 1969 © 1996, Philips Classics)
Licht: François Renard
Stück für 4 Tänzerinnen, kreiert durch die Cie. Maguy Marin im Espace Jean Properen de Meyzieu am 17. März 2001.

08:28 12.08.2018
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Andre Sokolowski

Andre Sokolowski ist Herausgeber und verantwortlicher Redakteur von KULTURA-EXTRA, das online-magazin
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