BUNDESJUGENDORCHESTER wird schon 50

Konzertkritik Kirill Petrenko (Dirigent) und Wieland Welzel (Pauker) feierten mit ihren jugendlichen MusikerInnenkollegen ein Jubiläum der besondern Art
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In diesem Jahr hat das Bundesjugendorchester seinen 50. Geburtstag. Damit ist es mindestens zweimal so "alt" wie seine temporär dort spielenden Musikerinnen und Musiker und wird sodurch zwangsläufig wie ein Elternteil von seinen Kindern wahrnehmbar, ja und die Eltern - sprich der BJO-Träger Deutscher Musikrat - meinen freilich (vollkommen zurecht), dass sich die langjährigen Mühen für die Kinder lohnten! Jedenfalls: Was jene elitäre Förderung heranwachsender Ausnahmetalente anbelangte, war und ist die Bundesrepublik wahrscheinlich immer noch ganz respektabel aufgestellt.

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Gleichsam ist dieser Nachwuchskörper auch das "Patenorchester der Berliner Philharmoniker", weswegen es auch regelmäßig im Sharoun-Bau auftritt und mit kollegialem Rat und kollegialer Tat (und viel, viel Geld selbstredend) permanente Unterstützung kriegt. Kirill Petrenko - designierter Chefdirigent und künstlerischer Leiter der Berliner Philharmoniker ab 2019/20 - ließ es sich daher jetzt auch nicht nehmen, höchstpersönlich, und als "Pate" sozusagen, bei den jungen Leuten anlässlich ihrer Wintertournee 2019 mitzutun. Auf seinem Dirigentenpult lagen neben den Partituren solcher Wunschkonzert-Kracher wie Bernsteins Symphonischen Tänzen aus der West Side Story oder dem Strawinsky'schen Le Sacre du printemps auch das Konzert für Pauken und Orchester Nr. 1 des amerikanischen Komponisten William Kraft (95)!

[Als ich meinen texanischen Musikerfreund am Telefon nach Kraft befragte, fiel dem ganz spontan der Hardcore-Horror Psychic Killer aus dem Jahre 1975 ein; zu diesem Splatter lieferte der Kraft zu seiner Zeit die Filmmusik.]

Der Pauker Wieland Welzel (seit 1997 bei den Philharmonikern) absolvierte den Solopart des dreisätzigen, halbstündigen Werks; und Kraft, ganz nebenbei bemerkt, war ebenfalls Percussionist, als welcher er fast dreißig Jahre beim Los Angeles Philharmonic Orchestra arbeitete.

Außer den vier Solo-Kesselpauken - in der Mitte des Orchesters - ist noch weiteres sie "sekundierendes" Schlagwerk im Hintergrund positioniert, hinzu kommen Klavier, Celesta, Harfe und ein üppig aufgestellter Bläser-/ Streicherapparat. Die klanglichen Übergänge vom Weich zum Hart erfolgen zunächst fließend;" beginnend mit stoffbedeckten Fingern wechselt der Pauker zu Lederhandschuhen, dann zur ganzen Hand und schließlich zu Schlägeln mit steigendem Härtegrad, bis man beim unverkleideten Holz anlangt" (Kraft). Hör- als wie begreifbar sind auch "Trommelfeuer", "Tontrauben" [wie Malte Krasting sie in seinem lesbaren Programmhefttext treffend beschreibt]. Sich gegenseitig "unterhakende" Glissandi werden in dem imposanten zweiten Satz, den Kraft als ein Poem betitelte, vernehmbar. Und ein abschließendes Rondo mit Fanfaren-Highlight kulminiert das Stück zum Schluss.

Frenetische Begeisterung; und Welzel gab als Zugabe noch eine Kesselpauken-Etüde von sich Preis; grandioser Typ!!!

Tolles Orchester!!!!!

[Erstveröffentlicht auf KULTURA-EXTRA am 10.01.2019.]

BUNDESJUGENDORCHESTER (Philharmonie Berlin, 09.01.2019)
Leonard Bernstein: Symphonische Tänze aus West Side Story
William Kraft: Konzert für Pauken und Orchester Nr. 1
Igor Strawinsky: Le Sacre du printemps
Wieland Welzel, Pauke
Bundesjugendorchester
Dirigent: Kirill Petrenko

14:10 10.01.2019
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Geschrieben von

Andre Sokolowski

Andre Sokolowski ist Herausgeber und verantwortlicher Redakteur von KULTURA-EXTRA, das online-magazin
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