CATAMORPHOSIS von Anna Thorvaldsdóttir

Uraufführung Kirill Petrenko und die Berliner Philharmoniker begannen ihren aktuellen Live-Stream mit neuer isländischer Musik
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Gestern Abend war die Uraufführung der Catamorphosis von Anna Thorvaldsdóttir (44). Die isländische Komponistin wurde sowohl von den Berliner Philharmonikern als auch dem Iceland Symphony Orchestra, den New York Philharmonics und dem City of Birmingham Symphony Orchestra mit einem gemeinschaftlichen Kompositionsauftrag bestellt; als erstes spielten also die Berliner dieses Werk:

Es dauert ca. 22 Minuten, wird von einer ausufernden medidativen Inbrunst getragen und verführt (nicht nur daher) zum Yogamachen; in Coronazeiten sicher nicht die schlechteste Idee, um Geist & Körper in gesundende Balance zu bringen - aber Spaß beiseite. Man hört ihm ganz einfach gerne zu, ja und das liegt vielleicht nicht nur an seiner größtmöglichen Atonal-Verweigerung und seiner ruhepoligen Verweil-Bereitschaft. Es strahlt eine urgesunde Ruhe aus, und es besorgt uns jede Menge Eindrücke und Bilder, je nachdem, wie wir sie uns dann vorstellten; ich tat mich gleich am Anfang an die lediglich mit einem einsam-fernen Vogelzwitscherer be-tonte filmeröffnende Natur- und Landschaftseinstellung in 2001 - Odyssee im Weltraum 'rückbesinnen, und ich dachte mir da so, dass Annas eigentlich doch "botschaftslose" Klänge optimal auf diese erste Szene hätten passen können. Die Komponistin und ihr Urauführungsdirigent vermeinten zwar, dass sich das Stück um unsre Erde und das auf ihr bedrohte Ökosystem (lt. Petrenko) drehen würde, also um Zerbrechlichkeit und Kraft und dass es auch ein Kampf der Harmonien wäre inkl. luftig als wie perkussiv bedienender Textur-Elemente oder so (lt. Thorvaldsdóttir); mag schon alles sein.

Alles in allem freilich:

Wundervoll und einlullend.

Man könnte es sich noch und noch und also immer wieder anhören...

Eingebetteter Medieninhalt

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Zudem gab es das erste Klavierkonzert von Prokofjew (Solist: Daniil Trifonov) und Pohádka léta (Ein Sommermärchen), womit sich Kirill Petrenko erneut einem von seinen Lieblingskomponisten, Josef Suk, eindringlich widmete; wir wollten uns in dem Zusammenhang sofort auch an die unvergessliche Aufführung von Suks Asrael-Sinfonie vor zirka einem Jahr (MIT PUBLIKUM) erinnern, wurden also plötzlich furchtbar traurig.

[Erstveröffentlicht auf KULTURA-EXTRA am 30.01.2021.]

BERLINER PHILHARMONIKER (Philharmonie Berlin, 29.01.2021)
Anna Thorvaldsdóttir: Catamorphosis (UA)
Sergej Prokofjew: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 Des-Dur op. 10
Josef Suk: Pohádka léta (Ein Sommermärchen), Symphonische Dichtung op. 29
Daniil Trifonov, Klavier
Berliner Philharmoniker
Dirigent: Kirill Petrenko
Live-Stream auf DIGITAL CONCERT HALL v. 29.01.2021

10:44 30.01.2021
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Geschrieben von

Andre Sokolowski

Andre Sokolowski ist Herausgeber und verantwortlicher Redakteur von KULTURA-EXTRA, das online-magazin
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