CELUI QUI TOMBE von Yoann Bourgeois

Tanz im August Aufsehenerregendes Gastspiel des Centre chorégraphique national de Grenoble im Haus der Berliner Festspiele
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Nein, hat man so was schon gesehen?!

Eine überdimensionale quadratische Platte (Bühne: Nicolas Picot, Pierre Robelin, Cénic Constructions / technische Leitung: David Hanse), die aus Holz zu seien scheint und einesteils, wegen ihrer Überdimensionalität, sehr wuchtig, aber andernteils, sobald Mathieu Bleton, Julien Cramillet, Marie Fonte, Dimitri Jourde, Elise Legros und Vania Vaneau (3 Frauen und 3 Männer) diese physisch okkupieren, irgendwie doch "federnd" wirkt, behauptet sich als Quasi-Hauptstar von Celui qui tombe, einer ca. 1stündigen Ausnahmeperformance; inszeniert und ausgedacht hat sich das Yoann Bourgeois - der kommt "vom Zirkus" (Akrobat, Jongleur, Schauspieler, Tänzer usf.)

Der Regisseur sitzt weit im Hintergrund an einer Art von Pult, von dem aus er die Platte - dieses Riesenschreckding - manövriert; ganz nebenbei mischt er Musik hinzu, laut und/oder verhalten gibt's da beispielsweise paar Motive aus der Schicksalssinfonie von Beethoven, den Frank-Sinatra-Song "My Way" oder Maria Callas' Norma fetzenhaft zu hören; und dann tut er außerdem 4 Karabinerhaken an den Plattenecken-Halterungen festmachen oder sie von ihr lösen, je nachdem, in welcher jeweiligen Position er dieses Riesenschreckding haben will: waagerecht also zu ebener Erde, schräg nach oben anhebend von vorn oder von hinten, rechts bzw. links beginnend oder endend usw.

Und die mit der Platte Dies & Das anstellenden AkteurInnen: sie torkeln Halt suchend auf ihr herum, sie stehen schief in oder gegen Windrichtung, sie klettern auf, sie fallen runter... Schließlich wird das Riesenschreckding gar zu einem Pendel, wovor "auszuweichen" das Gebot der Stunde ist - doch nein! sie setzen sich dem Rückstoß aus und: ÜBERLEBEN (in realo) - - simulieren allerdings den kollektiven Unfalltod - - - und vorher sangen sie zu sechst noch Madrigal; zum Heulen, wunderschön...

Ja, hält man es für möglich??!!

* * *

Alles ohne Netz und doppelten Boden.

Was hatten wir für eine (Überlebens-) Angst um sie!

Der Jubel - nach dem Horror-Trip - wollte kein Ende nehmen.

[Erstveröffentlicht auf KULTURA-EXTRA am 28.08.2016.]

Tanz im August

Celui qui tombe (Haus der Berliner Festspiele, 27.08.2016)
Konzept, Regie und Szenografie: Yoann Bourgeois
Assistenz: Marie Fonte
Mit: Mathieu Bleton, Julien Cramillet, Marie Fonte, Dimitri Jourde, Elise Legros und Vania Vaneau
Licht: Adèle Grépinet
Ton: Antoine Garry
Kostüm: Ginette
Bühne: Nicolas Picot, Pierre Robelin and Cénic Constructions
Technische Leitung: David Hanse
Bühnenmeister: Alexis Rostain / Pierre Robelin
Beleuchtungsmeister: Magali Larché / Julien Louisgrand
Produktion und Vertrieb: Maud Rattaggi
Produktion von Centre chorégraphique national de Grenoble – Leitung Yoann Bourgeois und Rachid Ouramdane

00:35 28.08.2016
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Geschrieben von

Andre Sokolowski

Andre Sokolowski ist Herausgeber und verantwortlicher Redakteur von KULTURA-EXTRA, das online-magazin
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