DANCE ON ENSEMBLE mit Uraufführung

Tanz im August "Those specks of dust" (UA) und "7 Dialogues" im Berliner HAU Hebbel am Ufer
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Beim Festival TANZ IM AUGUST gibt es mitunter sogar Uraufführungen - also "nicht nur" so Unter-ferner-liefen-Zwischenstops von 'rumtourenden internationalen Produktionen. Gestern Abend im HAU1, zum Beispiel, mit Those specks of dust von Kat Válastur:

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Hier wären "die Tänzer*innen aufgefordert" gewesen, "sich an den Prozess des Tänzerwerdens zu erinnern. Die Form des Aufführens wird umgekehrt, 'das Auge des Betrachters' den Tänzer*innen selbst gegeben und ihr Blick auf ihren Körper und ihre eigenen Bewegungen gerichtet. Die Choreografie bietet den (...) Tänzer*innen somit die Möglichkeit, ihre Faszination und ihre Überraschung über ihre tanzenden Körper wieder zu erfahren, wieder zu entdecken und auszudrücken."
(Quelle: tanzimaugust.de)

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Wir sahen das - ganz im Vergleich zum Obigen [s. Zitat] - natürlich etwas anders... Ty Boomershine, Amancio Gonzalez, Brit Rodemund, Jone San Martin und Ami Shulman, die fünf AkteurInnen dieser erstaunlichen Performance, wirken wie als wären sie von Prometheus geradewegs, vor paar Minuten oder so, geschaff'ne Menschlein, die sich peu à peu ihrer an sich so mit-geschaff'nen Gliedmaßen bewusst würden; ja und so staunen sie daher nicht schlecht, was sie so Alles mit den Armen und den Beinen und den Händen und den Füßen und den Fingern und den Zehen usw. anzustellen in der Lage sind - man tut das allerfreudigst so Entdeckte mit hervorartikulierten "Wow's" quittieren, und obwohl die jeweiligen Sprachansätze (Stichwort Prometheus erbastelt sich den Menschen) irgendwie ja noch verschütt sein dürften oder so. Freilich verweisen dann die hölzerne Ballettstange im Hintergrund sowie der Puderkasten mit Magnesiumcarbonat im Vordergrund an das Balletthinzugehörige - - dennoch... Unsere Freundinnen und Freunde spielten schlicht und einfach: Zombies im Erweckungszustand. Das war schräg und stellenweise lustig.

Von den nachfolgenden 7 Dialogues - d.h. sechs Einzelauftritten der in Those specks of dust bereits erlebten KünstlerInnen (plus Christopher Roman!) - fielen dann die zwei Performances mit dem sehr obsessiv an Louis de Funès "gemahnenden" Tanzkomiker Amancio Gonzalez (Choreografie: Hetain Patel) und dem einen glutrotlippigen und auf spitzen Sohlen dahertrippelnden wie herumjammernden Gay im Quasi-Dauerleidzustand travestierenden Christopher Roman (Choreografie: Ivo Dimchev) deutlich aus dem Rahmen. Komponist und Pianist Matteo Fargion sang/spielte zu den Stücken am Klavier.

Nun ja.

[Erstveröffentlicht auf KULTURA-EXTRA am 20.08.2016.]

Tanz im August

Those specks of dust (HAU1, 19.08.2016)
Uraufführung

Konzept und Choreografie: Kat Válastur
In künstlerischer Zusammenarbeit mit Ty Boomershine, Amancio Gonzalez, Brit Rodemund, Christopher Roman, Jone San Martin und Ami Shulman
Künstlerische Leitung DANCE ON ENSEMBLE: Christopher Roman
Licht: Martin Beeretz
Bühne und Installation: Filippos Kavakas
Sound: Kat Válastur/ Stephan Wöhrmann
Kostüm: Lydia Sonderegger
Koproduktion Tanz im August, tanzhaus nrw

7 Dialogues (HAU1, 19.08.2016)
Künstlerische Leitung/Komposition: Matteo Fargion
In künstlerischer Zusammenarbeit mit und von Ty Boomershine und Beth Gill, Amancio Gonzalez und Hetain Patel, Brit Rodemund und Lucy Suggate, Christopher Roman und Ivo Dimchev, Jone San Martin und Tim Etchells, Ami Shulman und Étienne Guilloteau
Künstlerische Leitung DANCE ON ENSEMBLE: Christopher Roman
Licht: Benjamin Schälike
Sound: Florian Fischer
Kostüm: Claudia Hill
Koproduktion Holland Dance Festival, Theater im Pfalzbau, tanzhaus nrw

Tanz im August

10:09 20.08.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Andre Sokolowski

Andre Sokolowski ist Herausgeber und verantwortlicher Redakteur von KULTURA-EXTRA, das online-magazin
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