DER RING AN EINEM ABEND an der Oper Leipzig

Stream Wagners Tetralogie, verkürzt und verengt - und mit der "Stückeinführung" von Loriot
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Aktuell sollten jetzt an der Oper Leipzig zwei Zyklen von Wagners Der Ring des Nibelungen - zwischen 2013 und 2016 von der Choreografin Rosamund Gilmore inszeniert - zur Aufführung gelangen; ging und geht derzeit aufgrund des Allbekannten nicht.

Das Personal hierfür war/ ist natürlich hoffnungsvoll vor Ort gewesen, denn es hätte ja auch ("Wunder gibt es immer wieder") sein können, dass doch zu guter Letzt geöffnet werden könnte oder was man sich in dieser Richtung da auch immer hätte optimistisch denken wollen...

Langer Rede kurzer Sinn:

Ulf Schirmer, seines Zeichens (noch bis Juli nächsten Jahres) Intendant und GMD des Hauses am Augustusplatz, verkürzte und verengte das Projekt nunmehr - in einem für die webaffine Wagnergemeinde zugänglichen Stream - als Ring an einem Abend, und der Fersehmoderator Axel Bulthaupt kommentierte das Geschehen mit der putzigen Loriot'schen Stückerzählung. Nicht die schlechteste Verlegenheitsidee in dieser leidgeprüften Zeit, könnte man meinen; wenn der Bulthaupt sich dann nur nicht dauernd beim Zitieren so verhaspelt hätte.

Eingebetteter Medieninhalt

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Über Gilmores dilettantische Regien hinsichtlich Die Walküre, Siegfried und Götterdämmerung hatten wir uns an dieser Stelle dreifach schnappatmig längst echauffiert; allein "ihr" Rheingold fehlte uns noch zur abschließenden Gesamtsicht auf die Dinge, die da in den letzten Jahren liefen, und vielleicht holen wir es dann nach der Pandemie (dann sicher viel, viel frohgemuter und versöhnlicher gestimmt) irgendwann nach.

Jetzt also ausschließlich Musikausschnitte aus dem Ring - und die zu hören, war dann schon ernüchternd und ermüdend:

Schirmers Dirigat erwies sich dem mit Leidenschaft, ja Exzessivität durchspickten Mega-Vollglut-Opus nicht gerade angemessen. Seine Tempi nervten schon insofern, als dass man sie sich kaum - wie an diesem Abend hörbar - bräsiger und angestemmter hätte vorstell'n mögen. Was die Kamera, die sein Gesicht mitunter einfing, zeigte, war vor allem dieser generelle Ausdruck eines scheinbar vollgeordneten Beherrschtseins - und man wollte es womöglich auch als Anzeichen von irgendeiner "Tiefenanalyse" (hinsichtlich des Werkes) nehmen können, was es aber schlussendlich nicht war. Professorale Langeweile pur.

Vom Sängerischen her fielen dann allenthalben die Brünnhilde von Daniela Köhler und der Hagen von Sebastian Pilgrim außerordentlicher aus dem Rahmen als die anderen um sie herum.

Ich war erleichtert, als es aus war.

[Erstveröffentlicht auf KULTURA-EXTRA am 18.04.2021.]

DER RING AN EINEM ABEND (Oper Leipzig, 17.04.2021)
mit den Texten von Loriot

Besetzung:
Woglinde ... Olga Jelínková
Wellgunde / Siegrune ... Sandra Maxheimer
Flosshilde / Schwertleite ... Sandra Janke
Fricka ... Karin Lovelius
Wotan (Das Rheingold) / Gunther ... Tuomas Pursio
Loge ... Thomas Mohr
Alberich ... Kay Stiefermann
Sieglinde ... Elisabet Strid
Siegmund ... Magnus Vigilius
Wotan (Die Walküre) / Wanderer ... Iain Paterson
Brünnhilde (Die Walküre) ... Lise Lindstrom
Gerhilde ... Ines Lex
Ortlinde / Gutrune ... Magdalena Hinterdobler
Waltraute ... Sylvia Rena Ziegler
Helmwiege ... Jessey-Joy Spronk
Grimgerde ... Marta Herman
Rossweisse ... Christiane Döcker
Siegfried ... Michael Weinius
Mime ... Dan Karlström
Brünnhilde (Siegfried) ... Daniela Köhler
Hagen ... Sebastian Pilgrim
Siegfried (Götterdämmerung) ... Jonathan Stoughton
Brünnhilde (Götterdämmerung) ... Iréne Theorin
Axel Bulthaupt, Sprecher
Gewandhausorchester Leipzig
Dirigent: Ulf Schirmer
Stream auf oper-leipzig.de v. 17.04.2021

16:39 18.04.2021
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Geschrieben von

Andre Sokolowski

Andre Sokolowski ist Herausgeber und verantwortlicher Redakteur von KULTURA-EXTRA, das online-magazin
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