EIGHT SONGS FOR A MAD KING mit Holger Falk

Stream Peter Maxwell Davies' Monodram über den verrückten englischen König George III.
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Der Sänger Holger Falk (48) ist ein Star, nicht nur im zeitgenössischen Musikumfeld. Spektakulär zu nennen ist, als Beispiel nur, die Einspielung sämtlicher Lieder von Hanns Eisler (155 an der Zahl!) auf vier CDs; wir rezensierten diese mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik geadelte Gesamtaufnahme und befanden sie im Nachhinein als untoppbar...

Jetzt (gestern Abend) hörten und sahen wir ihn in einer im Nationaltheater München von der Bayerischen Staatsoper gestreamten Aufführung von Peter Maxwell Davies' halbstündigem Monodram Eight Songs for a Mad King; die Produktion lief letzten Juni noch vor jeweils 50 Live-Zuschauern, nunmehr wurden selbige (wegen des anhaltenden "Publikumsverbots") durch eine gleiche Anzahl lebensgroßer Schaufensterpuppen ersetzt.

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"Die Situation ist beklemmend: Den eigenen Vögeln das Singen beibringen zu wollen ist ein unmögliches Unterfangen. Und dann ist es auch noch der König, der mit seinen Tieren spricht. Man erlebt eine Welt in Brüchen, die Wahrheiten hervorbringt, die den Menschen tief treffen."

Der Komponist hatte 1969 "das Wagnis unternommen, eine Charakterstudie des verrückten englischen Königs George III. in Klänge zu bannen und [...] acht Gedichte vertont, die der australische Autor Randolph Stow nach originalen Texten des Königs verfasste. Doch der Wahnsinn des Königs erweist sich als erstaunlich hellsichtig, auch wenn seine Worte und sein Tun provozieren – so wie die Partitur von Peter Maxwell Davies, die die Zerstörung einer Geige auf der Bühne vorsieht…" (Quelle: staatsoper.tv)

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Das mit der Geige [s.o.] war zum Schluss, ja und wir Stream-Nutzer erschreckten überhaupt nicht schlecht, als Holger Falk als Irrsinnsgeorge zu Markus Kern gestürzt kam, um ihm seine Violine zu entreißen, die er dann tatsächlich auf dem Bühnenboden tollwütig zerschmetterte - klar war das, wie wir sofort schlossen, ein abgekartetes Spiel; das war natürlich eine Violinattrappe und mehr nicht.

Die sängerische Herausforderung dieses genialen Stücks Musiktheater ist enorm.

Falks stimmakrobatisches Spannband umfasst eine Dehnung zwischen Wasserkesselpfeifdiskant bis Bärenbrummen. Er verübt nicht nur ausschweifend schön und gleichsam hässlich anmutende Vokalisen, sondern tut sich auch als Meister der Koloratur beweisen. Ohnehin beeindruckt seine Mimik; er bestimmt sich also auch berserkernd-schauspielernd als ein Theater-Tier der absoluten Extraklasse. Phänomenale Präsenz!

Von daher schon - in allererster Linie wegen Falk - ein singdarstellerisches Großereignis; unbedingt dabeisein, doch!

[Erstveröffentlicht auf KULTURA-EXTRA am 12.01.2021.]

MONTAGSSTÜCK IX (Nationaltheater München, 11.01.2021)
Peter Maxwell Davies: Eight Songs for a Mad King

1. The Sentry (King Prussn’s Minuet) / Die Schildwache (Menuett des Preußenkönigs)
2. The Country Walk (La Promenade) / Spaziergang auf dem Lande (Die Promenade) 3. The Lady-in-Waiting (Miss Musgraves fancy) / Die Hofdame (Phantasie über Miss Musgrave)
4. To be Sung on the Water (The waterman) / Auf dem Wasser zu singen (Der Wassermann)
5. The Phantom Queen (He’s ay a Kissing me) / Die Königin seiner Träume (Er minnet mich immer)
6. The Counterfeit (Le Conterfaite) / Die Täuschung
7. Country Dance (Scotch Bonnett) / Tanz auf dem Lande (Das Schottenmützchen)
8. The Review (A Spanish March) / Der Rückblick (Ein spanischer Marsch)
Holger Falk, Bariton
Markus Kern, Violine
Benedikt Don Strohmeier, Violoncello
Katharina Kutnewsky, Flöte
Andreas Schablas, Klarinette
Claudio Andrés Estay González, Schlagzeug
Jean-Pierre Collot, Klavier
Szenische Einrichtung: Andreas Weirich
Musikalische Leitung: Olivier Tardy
Stream auf staatsoper.tv

23:52 12.01.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Andre Sokolowski

Andre Sokolowski ist Herausgeber und verantwortlicher Redakteur von KULTURA-EXTRA, das online-magazin
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