HOF KLANG 2018

Konzertbericht Claudia Herr (Sopran) sowie die MusikerInnen Henriette Scheytt, Hayley Wolfe, Eve Wickert und Martin Smith im MK 15, Berlin-Mitte
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Seit 2007 gibt's den Hof Klang. Seit elf Jahren also!

Eingebetteter Medieninhalt

Steffen Kühn, vom Hauptberuf her Architekt, ist Initiator, Gründer und künstlerischer Leiter dieser kammermusikalischen Reihe, die sich (bisher) fast ausschließlich "nur" mit zeitgenössischer Musik beschäftigte. Die einmal jährlich stattfindenden und privatinitiativ organisierten und mittlerweile von sieben Sponsoren und Förderern mitgetragenen Konzerte werden - seit der Hof Klang in 2013 von Leipzig nach Berlin "umzog" - im Innenhof eines ehemaligen Fabrikgebäudes in der Nähe des Holzmarktareals in Berlin-Mitte (MK 15 nennt der sich) gespielt. Und die Akustik dort ist ziemlich gut, auch nicht zu hallig; man kommt also i.d.R. völlig ohne elektronische Verstärkung aus.

In diesem Jahr nun sollte insbesondere das Streichquartett bzw. die zu einem Streichquartett gehörenden klassischen Instrumente (2 Geigen, 1 Bratsche und 1 Cello) thematisch gewürdigt werden. Und erstmals gab es dann - in dem Zusammenhang - auch eine dargebrachte Mischung zwischen alter (klassischer) und neuer (neuerer) Musik:

Zwei "echte" Streichquartette rückten diesbezüglich in den Fokus: Smetana´s Aus meinem Leben (1., 4 Satz) und Phillip Glass´ nicht allzu oft in live erlebbares Streichquartett Nr. 2! Bei beiden Werken wurde man, und wie nicht anders zu erwarten war, der wunderbar aufeinander abgestimmten Interaktion von Henriette Scheytt und Hayley Wolfe (Violinen), Eve Wickert (Viola) sowie Martin Smith (Violoncello) gewahr - das Streichquartett ist halt die Königin der Kammermusik!!

Dann gab es auch noch Stücke kleinerer Besetzung: zwei Capricen für Violine solo und eine Caprice für Violoncello, allesamt von Paganini komponiert; das sog. Bucolics Duo für Viola und Cello von Lutoslawski und das Streichtrio von Gideon Klein.

Und - last but not least - war Sopranistin Claudia Herr schlussendlich wieder mit dabei! Sie ließ ihr insbesondere auf experimentelle zeitgenössische Musik geeichtes und geschultes Können dieses Mal mit Dimitri Terzakis´ drei Liedern ohne Worte für eine Singstimme solo sowie Kaija Saariaho´s Changing light für Sopran und Violine (Hayley Wolfe) souverän und lustvoll aus sich raus verlauten; ihre fast schon kontinuierlichen Auftritte bei Hof Klang sind dann schon ein genereller Hype an sich!

*

Kühn wäre, wie er sagte, auf der Suche nach eventuellen andern Hof Klang-Orten außer MK 15, und das wieder zahlreich anwesende Publikum solle sich für das nächste Jahr einfach mal überraschen lassen...

Gut, wir sind gespannt.

[Erstveröffentlicht auf KULTURA-EXTRA am 31.08.2018.]

Hof Klang (Innenhof MK15, Michaelkirchstrasse 15, 10179 Berlin; 30.08.2018)
Niccolò Paganini: Caprice No. 14 für Violine
- Caprice No. 24 für Cello
- Caprice No. 20 für Violine
Witold Lutoslawski: Bucolics Duo für Viola und Cello
Dimitri Terzakis: Lieder ohne Worte für eine Singstimme solo:
I Dimensionen des Träumers 2
II Kassandras Prophezeiung
III Dimensionen des Träumers 1
Gideon Klein: Streichtrio
Bedřich Smetana: Streichquartett Nr. 1 e-Moll Aus meinem Leben (1. + 4. Satz)
Kaija Saariaho: Changing light für Sopran und Violine
Phillip Glass: Streichquartett Nr. 2
Claudia Herr, Sopran
Henriette Scheytt, Violine
Hayley Wolfe, Violine
Eve Wickert, Viola
Martin Smith, Violoncello

14:05 31.08.2018
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Andre Sokolowski

Andre Sokolowski ist Herausgeber und verantwortlicher Redakteur von KULTURA-EXTRA, das online-magazin
Schreiber 0 Leser 9
Andre Sokolowski

Kommentare