HOST von und mit Eisa Jocson

Tanz im August 2015 Asiatinnenklischees.
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Eisa Jocson - die ich vor zwei Jahren schon mal im HAU3 mit Macho Dancer sah - war nun mit Host in den Sophiensaelen:

"In ihrem neuen Solo inszeniert Eisa Jocson eine Art 'One-Woman-Entertainment-Service-Maschine'. Ausgangspunkt ihrer Recherche zu Host bildeten weibliche und transgender Hostessen von den Philippinen, die in Japan in Unterhaltungs-Clubs eine Form von Weiblichkeit inszenieren, die an die japanische Geisha-Tradition anknüpft. Das Publikum sitzt, wie in einem Club, nahe an der als Laufsteg angelegten Bühne. Host untersucht ökonomische und geschlechtsspezifische Strategien in der Unterhaltungsindustrie und hinterfragt die Rolle philippinischer Frauen im Kontext transnationaler Machtstrukturen."(Quelle: tanzimaugust.de)

Sie trägt drei Kimonos übereinander. Sieht dann eine kurze Zeitlang aus, als sei sie eine Geisha. Also auch der Sonnenschirm sowie der Fächer fehlen nicht für die Vermittlung dieses auftaktmäßigen Klischees von der Asiatin/den Asiatinnen an sich. Hierzu erklingt japanische oder philippinische (?) Schlagermusik.

Dann kurzer Schnitt und andere Beleuchtung: Eisa Jocson hat sich eine Onibaba-Maske aufgesetzt und tut somit ihr Publikum etwas verstören oder gar erschrecken - justament wurde ich schlagartig an den besagten Film Kaneto Shindō's, den ich in der DDR als Pubertierender gesehen hatte, rückerinnert.

Als sie ihre Onibaba-Maske wieder absetzt, ist sie irgendwie in einer Art von ZEN-Laune, also die Atmosphäre wirkt spirituell; entsprechend sind die religös-zeremoniellen Klänge aus den Lautsprechern zu deuten.

Plötzlich bricht sie mit dem bis da mehr und mehr meditativ dahergekomm'nen Sound und wechselt in den Disco-Gogo-Modus; hierzu hat sie sich im Dunkeln derbe Stiefel angezogen, womit sie einschüchternd Krach macht. Vorwurfsvolle Gesten richten sich ans bald wohl nicht mehr von ihr anonym verstand'ne Publikum à la 'das wollt ihr doch, dass ich die Gogo vor euch spiele, oder etwa nicht'...

Sie schwitzt aus allen Poren - hat jetzt nur noch ein Paar Knieschoner, ein fleischfarbenes Höschen und 'nen fleischfarbenen Büstenhalter an. / Handwerkerklopfen... // Zeitlupenbewegungen in ärgster Anspannung all ihrer Gliedmaßen...

Zum Schluss erneute Disco-Klänge; irgend so ein schwachsinniges Liedlein, was bei Casting-Shows (in aller Welt) zum Nachsingen befohlen ist: Eisa singt also Playback.

Unverbindlicher kann man ein Stück nicht enden lassen.


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Host von und mit Eisa Jocson | Foto (C) Andreas Endermann

[Erstveröffentlichung von Andre Sokolowski am 14.08.2015 auf KULTURA-EXTRA]

HOST (Sophiensaele Berlin, 14.08.2015)
Konzept, Choreografie und Tanz: Eisa Jocson
Dramaturgie: Arco Renz
Coach: Rasa Alksnyte
Sounddesign: Marc Appart
Licht: Ansgar Kluge und Eisa Jocson
Nihon buyo-Coach und dramaturgische Beratung: Nanako Nakajima
Nihon buyo-Lehrer: Oohisui Hanayagi
Shin buyo Lehrer: Bea Tamura Pascua
Produktion: Tang Fu Kuen
TANZ IM AUGUST 2015

00:46 16.08.2015
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Geschrieben von

Andre Sokolowski

Andre Sokolowski ist Herausgeber und verantwortlicher Redakteur von KULTURA-EXTRA, das online-magazin
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Andre Sokolowski

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