LANDSCAPES OF I von Björn Säfsten

TANZ IM AUGUST Sophie Augot, Ilyas Odman und Will Rawls "erzählten" über sich (in den Sophiensaelen Berlin)
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Landscapes of I nannte der schwedische Choreograf Björn Säfsten seine eineinviertelstündige Performance.

"Was ist echt? Was ist fake? Gibt es noch etwas, das wirklich persönlich genannt werden kann?" fragt sorgenvoll der einführende Subtext (Quelle: tanzimaugust.de), und Säfsten flaniere "im Grenzbereich von Persönlichem und Fiktionalem, Realem und Gefälschtem", und er würde "unseren Wunsch, unsere Außenwahrnehmung permanent zu kontrollieren" befragen, und er spiele "mit der Unsicherheit einer vermeintlich feststehenden Realität."

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Die Landschaften des Ich´s sind freilich gelb.

Ich sitze also mittendrin in einem zugevorhangten und oben off'nen Kubus, auch die knappe Hundertschaft der Mitanwesenden hat hinter/neben mir inzwischen Platz genommen. Alles ringsumher ist gelb: der Fußboden, die Vorhänge, die Stühle (Bühne/Licht: Susanna Hedin, Lumination of Sweden / SuToDa); und wenn das Alles draußen wäre - Gelb zieht ja Insekten magisch an, und bei der derzeitigen Wespenplage...

Es tritt auf: Will Rawls. Sein Impetus ist "tänzerisch", seine ironischen Bewegungen und seine Ausstrahlung wirken gespreizt. Er ist von großer, kräftiger Statur, alles an ihm hat eine körperliche Harmonie. Auch macht er, etwas später, Riesenausfallschritte, und ich fürchte schon, dass sein Gewicht, falls er sich dabei irgendwie verhaspelt, auf mich prallt; er spielt natürlich nur so stellenweises Ungelenkes... Zunehmend entlädt sich bei ihm Sprache, er will also viel, viel monologisieren; das Interessante dabei ist die Art und Weise, wie er spricht (und singt!) - worum es ihm da ging? ich weiß es nicht; ich konzentrierte mich allein auf seine Stimmmodulation.

Sophie Augot trägt anfangs einen Stuhl herein und gleich wieder hinaus; das geht dann paar Mal so. Sie setzt sich auf ihn, sie vollführt so an die hundert Möglichkeiten, wie "man" auf 'nem Stuhl so sitzt und guckt und stuhlsitzende Gesten macht...

Und Ilyas Odman - schlank wie eine Pinie, mit zerbrechlich anmutenden Gliedmaßen und einem Vollbart - tut sich in 'nem inflationär sich steigernden Anfall des Schmerzes inkl. Schmerzschrei nach und nach ereifern. Irgendwann während dieses von mir akustisch und auch "seelisch" kaum Ertragbaren kippt das vermeintlich Unaushaltbare in selbstverarschigem Humor - der manisch Schreiende bezwingt, durch autosuggestive Atemtherapie, die ihn die ganze Zeit zuvor ereilt habenden Pseudoschmerzattacken.

Schließlich singen alle Drei, deren "Geschichten" miteinander nichts zu tun hatten, ein hübsches Sommer-Winter-Liedlein.

[Erstveröffentlicht auf KULTURA-EXTRA am 14.08.2018.]

Björn Säfsten | Landscapes of I (Sophiensaele Berlin, 13.08.2018)
Choreografie: Björn Säfsten
Von und mit: Sophie Augot, Ilyas Odman und Will Rawls
Bühne & Licht: Susanna Hedin, Lumination of Sweden / SuToDa
Kostüme: Matilda Hyttsten
Stimmtraining: Pia Olby
Gastspiel beim Festival TANZ IM AUGUST

09:15 14.08.2018
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Geschrieben von

Andre Sokolowski

Andre Sokolowski ist Herausgeber und verantwortlicher Redakteur von KULTURA-EXTRA, das online-magazin
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