Liz Santoro, Pierre Godard: RELATIVE COLLIDER

Tanz im August Theorie & Praxis, relativ - doch in Berlin (HAU3) schienen sie diesmal unvereinbar
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Es gibt "Superhirne", die - so wie ich minderbemittelt Denkfauler zumeist dann (wenn ich beispielsweise ihre Kurzviten auf irgendwelchen Zetteln lese) konstatieren tu - mir völlig überbildet scheinen; sie vervollkommnen ihr Wissen an den Top-Unis der Welt und zählen also unbestreitbar und zurecht zu einer geistigen Elite, die (wie ich doch dringend hoffe) unsere Gesellschaft durch ihr kreatives Denken fortentwickelt und zum Positiven führt. Auch Liz Santoro, die studierte Neurowissenschaftlerin, und Pierre Godard, der als quantitativer Analyst arbeitende Ingenieurswissenschaftler und Wahrscheinlichkeitsmodulator, gehören unbestreitbar zu dem Kreis; in Harward und Sorbonne machten sie - ehe sie zum Tanz gelangten und sich "dort" begegneten - Station.

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"Präzise und konzentriert meistern vier Performer*innen eine gezielte (Selbst-)Überforderung: Relative Collider ist eine anspruchsvolle choreografische Versuchsanordnung, die Tanz, Neurowissenschaften und Mathematik kombiniert. Liz Santoro und Pierre Godard überlagern und variieren zwei unterschiedliche Bewegungsstrukturen – eine Sequenz von vierundsechzig Armpositionen und zwei je vierundsechzigtaktige Bewegungsreihen für die Füße –, die im Verlauf der Aufführung mit zunehmender Komplexität aneinander gefügt werden. Zu dieser alle Sinne und Nervenzellen fordernden Performance tritt als drittes Element Text hinzu: Zitate aus der Weltliteratur, nach vorgegebenen rhythmischen Mustern zufällig aus einem Textpool ausgewählt und zum drakonischen Schlag des Metronoms live vorgetragen. Klingt abstrakt?"
(Quelle: tanzimaugust.de)

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Na selbstverständlich klingt das Obige [s. Zitat] "abstrakt". Ja und so war es auch:

Vier junge schöne Menschen - Cynthia Koppe, Stephen Thompson, Liz und Pierre - erproben und erschöpfen sich am Klangpuls einer permament vorantickenden "Zeitmaschine"; Pierre steht mit dem Laptop da und steuert, zählt ein paar mal "One, two, three, four, five, six, seven, eight" und plappert angebliche Weltliteraturzitate vor sich hin; die andern Drei ergehen sich in ihrem erst mal fortbewegungsarmen und dann immer fortbewegungsreicheren Experiment...

So eine Art von Metronom-Bolero, nur halt ohne jede (sexuelle) Sinnlichkeit und/oder Kollision.

Mich selten so gelangweilt.

[Erstveröffentlicht auf KULTURA-EXTRA am 26.08.2016.]

Tanz im August

Relative Collider (HAU3, 25.08.2016)
Konzept: Liz Santoro und Pierre Godard
Mit: Pierre Godard, Cynthia Koppe, Liz Santoro und Stephen Thompson
Ton: Brendan Dougherty
Kostüme: Reid Bartelme
Licht und Bühne: Sarah Marcotte
Produktion von Fanny Lacour

09:56 26.08.2016
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Geschrieben von

Andre Sokolowski

Andre Sokolowski ist Herausgeber und verantwortlicher Redakteur von KULTURA-EXTRA, das online-magazin
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