Offenbach 200 - (immer noch) in Köln

Kurzkritik Die Huldigungen auf den (nicht nur) Kölner Jubilar Jacques Offenbach kulminierten v.a. bei LA GRANDE-DUCHESSE DE GÉROLSTEIN an der Oper Köln
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Nachdem wir unlängst noch die Ehre und die Freude hatten, Dies & Das beim Kölner JACQUES OFFENBACH FESTIVAL gesehen und gehört zu haben, wollten wir "zum Schluss" - bevor es für uns Hauptstädter (sowie euch NRW'ler) in die Sommerferien geht - auch noch erkunden, was die Oper Köln zum Thema praktisch auszusagen willens war; ja und mit Je suis Jacques sowie La Grande-Duchesse de Gérolstein wurden wir fündig:

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"In Je suis Jacques gibt sich Offenbach persönlich die Ehre. Anlässlich seines Geburtstags empfängt er Figuren aus seinen Werken. Was den Anschein eines Dinners hat, entpuppt sich im Verlaufe des Abends als eine Mischung aus kriminalistisch-absurdem Theater, geheimbündischer Séance, frech-witziger Revue und pseudo-philosophischer Erkenntnissuche im Geiste der ›Bouffes-Parisiens‹. Im Mittelpunkt steht Offenbachs Musik, von der auch zahlreiche unbekannte Schätze gehoben werden… Lassen Sie sich überraschen!" (Quelle: oper.koeln)

Aus mindestens 20 diversen Offenbach-Operetten wird das Eine oder Andere hervorgeträllert, also "nicht nur" aus Ritter Blaubart, Hoffmanns Erzählungen oder der Schönen Helena. Unsere heimliche Lieblingssängerin des Abends: Alina Wunderlin! Ein echter (neuer) Zwitscher-Profi, erklimmt aufs Spielerische schwindelerregende Höhen, singt klar und hell, und witzig ist sie auch noch. Freuen uns jetzt schon auf Neues und Weiteres mit ihr...

Je suis Jacques war auch als Schnupper-Tour im Baustelleninneren (frühere und/oder spätere Mitarbeiter-Kantine?) gedacht - sind wirklich sehr gespannt, wann/ob das erste Haus am Offenbachplatz jemals wieder öffnen wird; wir Großberliner können uns übrigens derartige "Spitzen" leisten, bei uns funktionierte meistens (auch) jahrzehntelang so gut wie nix.

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Die Großherzogin von Gerolstein wurde und wird zur Chefsache erklärt:

François-Xavier Roth dirigiert das prächtigst und glänzendst auf ihn eingestimmte Gürzenich-Orchester Köln!

Auch der Chor der Oper Köln: in einer brillant sich artikulierenden Sing- und Spiellaune!

Jennifer Larmore (in der Titelrolle) hängt zwar unablässig ihre Mega-Diva raus, hat allerdings gelegentliche Schwierigkeiten stimmlich "hoch" bzw. (wieder) "runter" zu kommen; Offenbachsingen ist halt irrsinnsmäßig schwer.

Beim jungen Dino Lüthy (als Fritz) fällt eine wohltuende Unverbrauchtheit seiner lustig-leichten Stimme auf; schon das allein machte den kleinen Unterschied zu seinem dominanten SängerInnen-Gegenüber.

Die Inszenierung von Renaud Doucet (Ausstattung: André Barbe) ist voll Witz und aktueller Anspielungen. Künstlich in die Länge gezogen wirkt sie letzten Endes, weil sie nicht mit (allzu aufgesetzten und am Schluss dann nur noch sprechblasigen) Dialogen geizt. Doch aufgelockert und gebrochen wird dann Alles wiederum mit reichlich Tanz und viel zur Schau gestelltem Frischfleisch.

Toll auch: Georg Kehrens 50seitiger Essay zum Thema Jacques, der Sohn des Synagogenkantors aus Köln (im Programmheft). Wer sich also, quasi im "Schnelldurchlauf", etwas näher mit der schier unglaublichen Familiengeschichte der Offenbachs beschäftigen wollte - sollte Kehrens diesbezügliche Einlassungen unbedingt zur Kenntnis nehmen!!!!!

[Erstveröffentlicht auf KULTURA-EXTRA am 12.07.2019.]

JE SUIS JACQUES (Baustelle Opernhaus, 09.07.2019)
Musikalische Leitung und Klavier: Gerrit Prießnitz
Inszenierung: Christian von Götz
Bühne: Dieter Richter
Kostüme: Sarah Mittenbühler
Licht: Andreas Grüter
Dramaturgie: Georg Kehren
Mit: John Heuzenroeder, Judith Thielsen, Jeongki Cho, Insik Choi, Matthias Hoffmann, Verena Hierholzer und Alina Wunderlin
Instrumentalisten des Gürzenich-Orchester Köln
Premiere an der Oper Köln: 22. Juni 2019

LA GRANDE-DUCHESSE DE GÉROLSTEIN (Staatenhaus, 10.07.2019)
Musikalische Leitung: François-Xavier Roth
Inszenierung: Renaud Doucet
Bühne & Kostüme: André Barbe
Choreografie: Cécile Chaduteau
Licht: Andreas Grüter
Chorleitung: Rustam Samedov
Dramaturgie: Georg Kehren
Mit: Jennifer Larmore (als Großherzogin), Emily Hindrichs (als Wanda), Dino Lüthy (als Fritz), Milkenko Turk (als Baron Puck), John Heuzenroeder (als Prinz Paul), Vincent le Texier (als General Boum), Nicolas Legoux (als Baroin Grog), Alexander Fedin (als Népomuc), Menna Cazel (als Iza), Maike Raschke (als Olga), Regina Richter (als Charlotte), Marta Wryk (als Amélie), Julian Schulzki (als Ein Notar) u.a.
Chor der Oper Köln
Gürzenich-Orchester Köln
Premiere an der Oper Köln: 9. Juni 2019
Letzter Termin: 12.07.2019

11:12 12.07.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Andre Sokolowski

Andre Sokolowski ist Herausgeber und verantwortlicher Redakteur von KULTURA-EXTRA, das online-magazin
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