PHÄDRA von Monster Truck

Performance Mäusestiefmutter & Mäusestiefsohn
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Im Phaidra-Mythos wird die Stiefmutter des Hippolyt, dessen "Echt"-Vater Theseus ist, von Aphrodite (was weiß ich warum) derart manipuliert, dass sie nach ihm, dem Stiefsohn, lechzt; aber sie liebt ihn freilich auch aus diesem schnöden Grund - ja und es kommt, was kommen musste: Theseus tut die Zwei, also das "unechte" Sohn-Mutter-Paar, auf frischer Tat ertappen, und das Unglück nimmt so seinen Lauf...

Euripides war wohl der Allererste, der das Thema literarisch ausschlachtete; und bis heute machte es noch immer großen Spaß, sich künstlerisch dieser Geschichte um die Mutter-Stiefsohn-oder-Sohn-Stiefmutter-Liebe anzunehmen - - Faustregel bei all dem freilich war und ist: es handelte sich NICHT um einen Inzest!! Von Racine und Henze, beispielsweise, wurde das so auch "befolgt", und wir besichtigten die jeweilige Darreichung 2017 (am DT) oder 2007 (an der Staatsoper Unter den Linden).

Eingebetteter Medieninhalt

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Das vor ca. 15 Jahren am Gießener Institut für Angewandte Theaterwissenschaft gegründete Künstlerkollektiv unter dem schönen schrägen Titel Monster Truck hat gestern Abend seine eigene Version von Phädra vorgestellt:

Es gibt zwei Pauls (Paul Welle&Paul Ridder) sowie eine Lucy (Lucy Wilke). Bei den beiden Pauls handelt es sich um einen kleinen, einen Kindpaul, und um einen großen, einen Mannpaul. Lucy, als Dritte im Bund, sitzt im Rollstuhl.

Kindpaul wischt eine Blutlache auf.

Mannpaul und Lucky treten als Mäusepaar auf und backen zusammen Pfannkuchen, dann spielen sie Verstecken, d.h. sie erzählen von dem allen und wiederholen ihre Erzählung zwei oder drei Mal.

Lucky will von Mannpaul auf eine Matratze gelegt und gefilmt werden, sie lässt sich vor laufender Kamera von ihm begatten.

Kindpaul als Maus wiederholt das bereits bekannte Pfannkuchen-und-Verstecken-Spiel, aber allein.

Mannpaul fährt (davor oder danach? ich weiß es schon nicht mehr) einen Kanister auf, von dem aus er Theaterblut in eine Art Gewächshaus, worein er zuvor die Lucy-Matratze schleifte, pumpt bzw. spritzt.

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Ich war ganz ratlos.

Schmunzeln oder lachen?

[Erstveröffentlicht auf KULTURA-EXTRA am 08.02.2019.]

PHÄDRA (Sophiensaele Berlin, 07.02.2019)
Regie: Monster Truck
Dramaturgie: Kris Merken
Sound: Alice Ferl
Special Defects: Stine Hertel
Licht: Joscha Eckert
Choreografie: Chiara Kastner
Produktionsleitung: ehrliche arbeit - freies Kulturbüro
Mit: Paul Welle, Lucy Wilke und Paul Ridder
Premiere war am 7. Februar 2019.
Weitere Termine: 08., 09.02. (Sophiensaele Berlin) / 13., 14.04.2019 (Münchner Kammerspiele)
Eine Produktion von Monster Truck in Koproduktion mit Münchner Kammerspiele, Forum Freies Theater Düsseldorf und SOPHIENSÆLE

07:54 08.02.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Andre Sokolowski

Andre Sokolowski ist Herausgeber und verantwortlicher Redakteur von KULTURA-EXTRA, das online-magazin
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