"Ruhe! Hier stirbt Lothar" mit Jens Harzer

TV-Kritik Leichter und doch tiefgründiger Film - ohne Corinna Harfouch wäre er dann halb so sehenswert gewesen
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Weil die Theater momentan nicht viel bzw. überhaupt nicht spielen, weil auch nicht in allen Bühnen, und v.a. in den kleineren, geprobt wird, weil sie gar nicht wissen, wofür sie dann eigentlich noch proben sollen, wenn es keine Perspektiven weiter gibt, sieht es selbstredend auch für ihre Schauspielerinnen und Schauspieler nicht allzu rosig aus. Und wer wen dort, wo so was ginge, kennt oder womöglich einfach dann von dort mal angerufen würde à la "du, ich habe eine Rolle für dich frei, die du besetzen könntest", nimmt besonders jetzt spontane Film- und Fernsehangebote dankend an.

Auch solche langjährig als Bühnenstars sowohl in Hamburg, München und Berlin als auch in Zürich oder Wien begehrte Koryphäen wie Jens Harzer und Corinna Harfouch sieht man augenblicklich (wieder) mehr zuhause, wenn man in die Glotze blickt, ja und man lacht und weint in einem fort; das Herz geht einem dabei auf, kurzum:

Hermine Huntgeburths Tragikomödie Ruhe! Hier stirbt Lothar stimmt die Seele des sie konsumierenden TV-Glotzenden froh und traurig; dieses Gleichermaßen macht sie schwerelos. Man fühlt sich hinterher irgendwie leicht.

Grandioser Film mit zwei grandiosen Darstellern!!

Eingebetteter Medieninhalt

"Lothar Kellermann liebt nur die marokkanischen Fliesen, die er verkauft, und seinen Hund – mit allen anderen hat er es sich verscherzt. Zu allem Überfluss wird bei ihm eine tödliche Krankheit diagnostiziert. Natürlich sind daran auch wieder alle anderen schuld.

Er verkauft sein Haus und seine Firma, bringt den Hund ins Tierheim, schenkt dem sein Vermögen. Doch er stirbt nicht – Fehldiagnose. Und so muss er völlig mittellos ins Leben zurückkehren, das ihn weder will noch braucht. Plötzlich ist er auf andere Menschen angewiesen. Das verändert ihn – ob er will oder nicht."

(Quelle: daserste.de)

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Genialermaßen ist das ein ganz wunderbarer "Trick", eine Geschichte, die sich eigentlich fast ausschließlich um tödliche Tumore dreht, durch jene urplötzlich verglücksbringende Gegenbehauptung (s. Fehldiagnose zu Lothars Lymphdrüsenkrebs) zum Guten hin zu wandeln; diesbezüglich hat das Drehbuch von Ruth Toma Allerschönstes leisten können. Dass es die fatale Gegen-Gegensicht (auf Rosas Brustkrebs) in ihrer so hochbrutalen Ausweglosigkeit nicht außen vor lässt, macht es umso nachdenklicher, menschlicher.

Und auch das anverwandte Beziehungs- und Familiengestrick des Protagonisten erfährt durch die subtilstrichigen und teils schrägen Zeichnungen Elisa Plüss' (als Lothars Tochter) oder Merlin Sandmeyers (als Lothars Schwiegersohn) stark sympathieerheischend Lichtblicke.

Anschauen, bitte!!

[Erstveröffentlicht auf KULTURA-EXTRA am 27.01.2021.]

Ruhe! Hier stirbt Lothar (D 2021)
Regie: Hermine Huntgeburth
Buch: Ruth Toma
Kamera: Sebastian Edschmid
Musik: Julian Maas und Christoph M. Kaiser
Besetzung:
Lothar ... Jens Harzer
Mira ... Elisa Plüss
Rosa ... Corinna Harfouch
Manfred Mehnert ... Vedat Erincin
Elisabeth Fuhrmann ... Milena Dreissig
Ansgar ... Merlin Sandmeyer
Jakob ... Jonas Anders
Ralf ... Achim Buch
Claudia Kühnert ... Marina Galic
Helena ... Sarah Masuch
Erstausstrahlung im Ersten am 27.01.2021

09:53 27.01.2021
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Geschrieben von

Andre Sokolowski

Andre Sokolowski ist Herausgeber und verantwortlicher Redakteur von KULTURA-EXTRA, das online-magazin
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