TAO Dance Theatre mit "6 & 7"

Tanz im August 2015 Was mit Synchron und so
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Gestern Abend zeigte das TAO Dance Theatre seine beiden Stücke 6 und 7 - choreografiert hatte sie Tao Ye, "chinesischer Shootingstar der internationalen Tanzszene", wie ihn TANZ IM AUGUST auf seiner Homepage hochlobt.

In dem ersten der zwei Stücke - was das Faszinierendere von den beiden jeweils halbstündigen Aufführungen war - spielte der Bühnennebel eine wesentliche Rolle. Zu Beginn vernahm man permanentes Summen in den Saal-Lautsprechern; hörte sich so an, als wenn 'ne Stubenfliege nervend in der Wohnung unterwegs gewesen wäre und man eine insektive Tötungsabsicht bald nun nicht mehr unterdrücken könnte... Doch die Klänge (mit Musik von Xiao He) entwickelten sich bald in Rhythmischeres und auch in instrumental Erklärbareres; jedenfalls tat dann der Synthesizer von Xiao He 'ne Geige oder irgend so ein anderes Streichinstrument modern verfremden - - was die anfangs ganz und gar im dunklen Nebel sich bewegenden Schwarz-Silhouetten peu à peu (zur Bühnenrampe hin) nach vorwärts drängen ließ. Da waren sie auch plötzlich "richtig" sichtbar, und man stellte hocherstaunter Weise fest, dass deren Art von Tanz tatsächlich völlig anders anzusehen war als man es üblich kennt bzw. meint zu kennen; also:

Alle sechs Beteiligten - im zweiten Stück waren's dann sieben [daher also diese kläglich anmutenden Stücktitel] - performten ihr Synchron-Spiel quasi aus der Hüfte raus. D.h. es gab kaum Beinarbeit, nur ab und zu für ein paar Schritte vor oder zurück. Ansonsten stand das tänzerische Personal meist auf der Stelle, und Kopf-Schulter-Oberkörper-Hüfte war'n halt ausschließlich agierend; nicht einmal die Hände "durften" mit - die wiederum ergriffen fest und in der Oberschenkelhöhe ein Stück Kleiderstoff. Und fertig war die Arbeit!!

Was im Dunkeln (und im Nebel) in der ersten Abendhälfte vor sich ging, tat sich dann analog im Hellen in der zweiten Abendhälfte abspielen - jetzt spielte Live-Akustik die zentrale Rolle, denn: Die sieben TänzerInnen hielten brummend (wie "betende" Mönche) einen Ton; den unterbrachen sie an manchen Stellen mit 'nem aufschreckenden "Huch!"... Und ihre schönen engen weißen Kleider wurden von Li Min und Tao Ye kreiert.

Sehr atmosphärisch alles Das.

Gefiel uns, irgendwie.


http://www.kultura-extra.de/templates/getbildtext2.php?text_id=8830
7 vom TAO Dance Theatre| Foto (C) Duan Ni

[Erstveröffentlichung von Andre Sokolowski am 27.08.2015 auf KULTURA-EXTRA]

TAO DANCE THEATRE (Haus der Berliner Festspiele, 26.08.2015)

6

Choreografie: Tao Ye
Musik: Xiao He
Tänzer: TAO Dance Theatre
Licht: Ellen Ruge
Kostüme: Tao Ye und Li Min

7
Choreografie / Musik: Tao Ye
Tänzer: TAO Dance Theater
Licht: Ma Yue
Kostüme: Tao Ye und Li Min

TANZ IM AUGUST 2015

01:01 27.08.2015
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Geschrieben von

Andre Sokolowski

Andre Sokolowski ist Herausgeber und verantwortlicher Redakteur von KULTURA-EXTRA, das online-magazin
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Andre Sokolowski

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