YOUNG EURO CLASSIC 2019 (4)

Konzertkritik Verspätete Uraufführung der "Three African Songs for Miriam Makeba" des südafrikanischen Komponisten Hendrik Hofmeyr
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Das Bundesjugendorchester spielte gestern Abend im Konzerthaus am Gendarmenmarkt, es ist schon 50 Jahre alt und tritt beim Festival YOUNG EURO CLASSIC regelmäßig auf - sein Grußwortredner tat ganz nebenbei erwähnen, dass allein aus seinem Kader 20 (zwanzig!) Berliner Philharmoniker entsprossen; so gesehen kann der Rolls Royce aller deutschen Klangkörper womöglich als "natürlichster" Verbündeter des BJO bezeichnet sein, weswegen es auch im Scharoun-Bau immer wieder zu Konzerten weilt (zuletzt im Januar, als es unter der Stabführung Kirill Petrenkos seine Jubiläums-Spielzeit festlich einleitete)...

*

Hendrik Hofmeyr (61) ist ein südafrikanischer Komponist, er wurde in Cape Town geboren:

"Nach ersten Studien an der Universität seiner Heimatstadt ging er aus Protest gegen die Apartheidsregierung für zehn Jahre nach Italien, wo er sein Diplom in Komposition, Klavier und Dirigieren machte. 1987 gewann er den Südafrikanischen Opernwettbewerb mit der Oper The Fall of the House of Usher nach Poe; 1988 war er beim Filmfestival im italienischen Trento mit der Musik zu einem Kurzfilm von Wim Wenders erfolgreich. 1992 kehrte Hofmeyr nach Südafrika zurück; heute arbeitet er als Professor an der Universität von Kapstadt. Sein Schaffen umfasst über 50 Auftragswerke..." (Quelle: YEC)

Seine vom MIAGI Youth Orchestra vor Jahren bereits in Auftrag gegebenen Three African Songs waren eigentlich für und vor allem mit Miriam Makeba (1932-2008), der legendären Stimme von Südafrika, bestimmt gewesen, sollten also schon vor Längerem zur Aufführung gelangen; ihr plötzlicher Tod hatte dieses Projekt in dem Zusammenhang verhindert. Nun wurde es quasi "nachgeholt".

Die Sängerin Msaki übernahm den Solopart - drei Lieder in traditioneller südafrikanischer Manier, "kombiniert" oder "ergänzt" mit mehr oder weniger tonal klingenden und ziemlich raffiniert zusammengestellten Backrounds von Orchesterseite. Erhellend wäre freilich gewesen, wenn der Veranstalter die deutschen Übersetzungen der Texte mitgeliefert hätte - ohne diese war die Rezeption des schönen Werkes improvisatorischer Natur; also man wollte oder konnte halt nur ahnen, welche Stimmungen zu welchem Thema hätten passen können.

Eingebetteter Medieninhalt

* *

Außerdem erklangen die hier wohl noch nie offerierte Johannesburg Festival Overture des Engländers William Walton (1902-1983), ein von Robert Russell Bennett arrangiertes Medley aus Gershwins Porgy and Bess sowie die 2. Sinfonie von Brahms.

Der Brite Alexander Shelley dirigierte militärisch, forsch, ja und das BJO schien seinen sichtlich hochpräzisen Fingerzeigen willig und sehr gern zu folgen.

[Erstveröffentlicht auf KULTURA-EXTRA am 04.08.2019.]

YOUNG EURO CLASSIC (Konzerthaus Berlin, 03.08.2019)
William Walton: Johannesburg Festival Overture (1958)
Hendrik Hofmeyr: Three African Songs (UA)
George Gershwin: Symphonic Pictures aus der Oper Porgy and Bess (arr. Robert Russell Bennett)
Johannes Brahms: Symphonie Nr. 2 D-Dur op. 73
Msaki, Gesang
Bundesjugendorchester
Dirigent: Alexander Shelley

14:24 04.08.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Andre Sokolowski

Andre Sokolowski ist Herausgeber und verantwortlicher Redakteur von KULTURA-EXTRA, das online-magazin
Schreiber 0 Leser 9
Andre Sokolowski

Kommentare