Schnaps? Ein Frauengetränk!

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Frauen werden im Durchschnitt älter als Männer. Das ist allgemein bekannt. Warum das so ist, bleibt ein Geheimnis. Natürlich gibt es verschiedene Theorien. Vielen reicht der Hinweis auf biologische Unterschiede – wer wollte die leugnen? Auch die Liebe hat Schuld. Die meisten Männer werden wohl nicht umsonst, wenn auch in jenem glücklichen Augenblick unbedacht, schon einmal gesagt haben: „Mein Gott, die ist ja zum Sterben schön.“ Eine feministisch inspirierte Theorie glaubt beweisen zu können, dass in der gesellschaftlichen Rolle, die Frauen immer noch mehrheitlich zu spielen gezwungen werden, den Grund finden zu können: Wer den Männern ein Leben lang alles abnimmt, der weigert sich zumindest gegen Ende des irdischen Daseins, der angeblichen „Krone der Schöpfung“ auch noch das Dahinscheiden abzunehmen. Ein Erklärungszusammenhang allerdings ist bisher nicht beachtet worden. Mehr noch, er wurde aufgrund männlicher Selbstbestätigungspropaganda noch nicht einmal in Betracht gezogen. Viele können es auch – ob seiner scheinbaren Banalität – kaum glauben: Frauen altern besser, wenn und weil sie Schnaps trinken. Betrachten wir doch einmal möglichst unvoreingenommen die Tatsachen: In Männerrunden soll zwar mittlerweile das Trinken von heimischen Schnäpsen (vulgo: Doppelkorn oder Wacholder) unmodern, das Genießen von Singlemalt allerdings umso beliebter geworden sein. Egal was da zu sich genommen wird – alles über 30% Alkohol verschafft den Burschen zwar zunächst ungeheuren Vorsprung; allerdings nur, um sie dann umso heftiger zurückzuwerfen – zumeist um Tage. Der Alkohol hat zwar auch eine konservierende Funktion. In Mägen, Blutkreisläufen und Hirnen von männlichen Trinkern verhält sich dieser Stoff aber anders: Alles Helle wird dunkel, alles Leise laut; und wer noch taufrisch an der Theke ankam, der erreicht zumeist als Methusalem das eigene oder eheliche Bett. Frauen hingegen trinken abwechselnd Wasser und Korn, auch mal Sekt und Grappa, ohne dass eine das Lebensalter abkürzende Wirkung erkennbar wäre. Mal abgesehen von auch Frauen nicht unbekannten habituellen Verirrungen, wie zum Beispiel das nach Geschlechtern getrennte Zusammenrotten in Zugabteilen bei gleichzeitiger Benutzung von den eigenen Kindern entwendeten Ghetto-Blastern (an die iPods lassen die Kids die Alten nicht ran...), lautstarkem Trinken von alkoholhaltigen „Feiglingen“, scheint Hochprozentiges bei Frauen normal zu wirken, nämlich konservierend. Sie halten das für absurd? Sie sollten mal mit offenem Geist und geöffneten Augen durchs Leben gehen und sonntags nach dem Gottesdienst, in ländlichen Regionen, wenn mal wieder ein Volks-, Schützen-, oder sonstiges Fest ist, darauf achten, wer an dem der Kirche benachbarten Getränkestand steht, und was da getrunken wird. Die jungen Kerle können entweder schon nicht mehr, oder noch nicht wieder. Die älteren Männer haben sich erfolgreich um den Kirchgang gedrückt und schnarchen in der Gartenlaube. Die alten Damen aber stehen bedächtig am Tresen und trinken ein Wasser und einen Korn. Nehmen sozusagen einen Aperitif. Das machen die seit ihrer Jugend! Wer – jetzt mal als Mann gesprochen – glaubt so etwas schon gerne? Ich jedenfalls nicht. Also habe ich vor einiger Zeit den Versuch unternommen, das Gegenteil zu beweisen. Ein Selbstversuch, sozusagen. Dieser führte mich erst zu Freunden nach Berlin und im Laufe des Abends in die Tiefen der Historie der 68er. Was das mit Schnaps zu tun hat? Ich habe diesem Versuch im Nachhinein den Titel „Die Rache des Großen Vorsitzenden“ gegeben: In Berlin, dachte ich, kann der Mann noch sein. In Berlin müsste sich doch die Mär von der Überlegenheit der Frau – zumindest beim Schnaps trinken – widerlegen lassen. Während eines Besuches bei Freunden, die in Berlin, Prenzlauer Berg, Quartier bezogen haben, gingen wir eines Abends Essen. Wie wir so spazierten, sahen wir in der Nähe des Käthe-Kollwitz-Platzes, dass an einer Wand ein Schriftzug prangte: „Ostwind“. Dies war ein kulinarisch gemeinter Hinweis und durch einen Blick auf die Speisekarte offenbarte sich dieses Lokal als chinesisches Restaurant (um Himmels Willen, denkt der geplagte Esser) mit dem Zusatz „Wir kochen nicht mit Glutamat“ (man ist versöhnt) und der Ankündigung, am Ende des Essens, gebe es den besten chinesischen Schnaps. Also, nichts wie rein. Wir aßen tatsächlich ungewöhnlich gut. Sapperlott! Dann aber kam der eigentliche Selbstversuch. Dazu hatte ich natürlich darauf geachtet, dass auch mindestens eine Frau mit am Tisch saß. Jedenfalls kam zum Ende des Essens der verheißungsvoll angekündigte Schnaps. Er sollte, laut Speisekarte, die Krönung der chinesischen Brennerkunst darstellen und trug den beziehungsreichen Namen „Mao Tai“. Meine Freundin am Tisch, die ansonsten vor keinem Schnaps zurückschreckt, ließ das Pinnchen nach einem Minischluck einfach stehen und alle sahen sich erstaunt an. Nun ja, ich wähnte mich schon früh bestätigt, freute mich und da Schnaps ausgetrunken sein will, haben wir ihr geholfen. Die aber wußte wohl, was sie tat - und ließ. Damit war dann der Rest des Abends gelaufen. Allerdings galt das nur für die Männer. Alles jemals Revolutionäre in meinem Inneren reagierte sofort auf diese Infusion und wollte sich erneut nach Außen kehren, was ich selbstverständlich nicht zuließ. Darauf wurde diese Bewegung so sauer, dass sie halbstündlich Stoßtrupps und Vorauskommandos losschickte um auf einem inneren Ho-Chi-Min-Pfad doch noch einen Weg zum Ausbruch zu finden. Die Niederschlagung dieses Aufstandes dauerte die ganze Nacht! Seitdem weiß ich: Schnaps ist ein Frauengetränk! Sie vertragen ihn nicht nur besser - sie kennen sich auch besser aus.

09:03 14.02.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

andreaarcais

Andrea Arcais lebt in Münster und arbeitet als freiberuflicher Autor und Berater.
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