Andreas Kemper
01.02.2014 | 11:18 12

Gegnerisches Maskulinum in der Wikipedia

Antifeminismus Mit Hilfe einer Abstimmung in der deutschsprachigen Wikipedia soll geschlechtersensible Sprache komplett verboten werden

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Andreas Kemper

Gegnerisches Maskulinum in der Wikipedia

Foto: Kalexanderson / Flickr (CC)

Wikipedia benutzt ja bekanntlich weitgehend das sogenannte "generische" Maskulinum. In den Artikeltexten darf zwar auch von "Schülerinnen und Schüler" statt von "Schülern" oder von "Studierenden" statt von "Studenten" gesprochen werden. Graphostilistische Mittel (Binnen-I, Schrägstrich, Gap, Asterix, ...) sind allerdings verboten und auch eine Nachbesserung (in bestehenden Artikeln aus "Studenten" ein "Studierende" machen) sollte vermieden werden. So bin ich letztens für drei Tage gesperrt worden, weil ich im Artikel "Geschlechtergerechte Sprache" (!) die Vokabel "Studenten" durch "Studentinnen und Studenten" ersetzt hatte.

Und es gibt weiterhin obligatorische "generische" Maskulina, nämlich in den Titeln der Texte und in den Kategoriebezeichnungen. So sind unter den knapp tausend Artikeln der Kategorie "Frauenrechtler" weniger als zehn Artikel zu männlichen Frauenrechtlern zu finden, die anderen 99% der "Frauenrechtler" sind Frauen.

Antifeministische Sprachpolizei


Eine Initiative von Antifeminist*innen hat nun ein Meinungsbild gestartet, was die Verwendung des "generischen" Maskulinums obligatorisch machen soll. Also die Verwendung von "Schülerinnen und Schüler" oder "Studierende" soll auch in der Textgestaltung verboten werden.

Hierzu zwei Artikel:

Momentan sieht es so aus, als würde das Meinungsbild scheitern, aber in Wikipedia schreiben zu 90% Männer mit und viele wollen mit dem "Gender-Quatsch" nichts zu tun haben. Also Ausgang offen.

Hier der Link zum Meinungsbild: https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Meinungsbilder/Generisches_Maskulinum_und_Gendering_in_der_WP

In der Wikipedia gibt es immer wieder Gender-Konflikt. Das Problem: 90% der Mitschreibenden und der Admins sind männlich und die meisten lehnen die Sichtweise ab, nach der das Geschlecht Auswirkungen auf die Sichtweise (Stichwort: Gender-Bias) haben könnte.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (12)

Der Kommentar wurde versteckt
CS Spuhr 02.02.2014 | 04:12

Ist mir auch schon aufgefallen. Die rechts-konservativen und anti-feministischen Tendenzen in Wikipedia habe ich schon lange beobachtet, dachte jedoch bisher, das wäre nur meine Meinung oder Einbildung.

Danke dass Sie mich eines besseren belehr haben. Und danke an Fegalo, dass er pluspedia verlinkt hat, endlich eine Informationsseite die man/frau lesen kann ohne Würgreiz zu bekommen.

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Ehemaliger Nutzer 02.02.2014 | 09:25

Zu diesem Thema wäre einmal interessant, zu untersuchen, warum es für androgyne Menschen keine eigenen Artikel gibt.

Aus dem Bauhaus kam 1919 der Vorschlag, alle Wörter klein zu schreiben und das tun inzwischen ja auch viele im Netz.

Insbesondere die Groß-, Klein- und Distanzschreibung in der Anrede «du, Sie» unterliegt einer laufenden Änderung, wie die gesamte Sprache.

Wie will Wikipedia da aktuell bleiben, wenn an Dogmen festgehalten wird?

Auch wäre es keine Lösung, in Wikipedia nur Neutrum und keine Artikel zu verwenden - der kleine Unterschied bleibt also.

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Ehemaliger Nutzer 02.02.2014 | 12:50

Wenn man davon ausgeht, dass Nerds auf ihre Art und Weise Experten sind (und genau dies sagt der Begriff auch aus), heißt Ihre Aussage im Umkehrschluss, dass Sie Aussagen von Laien in bestimmten Gebieten präferieren. Das ist dann aber nichts anderes, als tagtäglich geschieht. Es werden Laien als Experten verkauft. In Talkshows werden irgendwelche bekannten Gesichter zu Themen nach ihrer Meinung gefragt, von denen sie keine Ahnung haben. Ich kann mir gar nicht vorstellen, das Sie das gutfinden. Mir sind Nerds lieber, denn in der Psychologie wird klar definiert, wie zeit- und kognitiv aufwendig es ist, zu einem Experten zu werden.

Magda 03.02.2014 | 10:05

Dieses generische Femininum wurde nur für einen ganz offiziellen Text- die Grundordnung der Universität - beschlossen und ich hielt das für einen guten Kompromiss. Aber es gab eine ausufernde bundesweit sehr sehr kontroverse Debatte und ein ziemlich höhnisches Echo, eigentlich erschreckend. Die Scherze waren unterirdisch, die darüber gemacht wurden. Und auch der Spiegel macht gleich mit: "Guten Tag Herr Professorin". Der Text ist aber informativ.

Rufus T. Firefly 03.02.2014 | 16:53

Liebe Magda, dass der Beschluss der Uni Leipzig sich auf die eigene Grundordnung bezieht, hätte ich der Vollständigkeit halber wohl erwähnen müssen. Danke für den Hinweis. Mein Kommentar war jedoch keinesfalls ironisch gemeint, falls das so angekommen ist. Wieso nicht ein generisches Femininum auch in der deutschsprachigen Wiki. Das generische Maskulinum ist seit ewigen Zeiten so weit verbeitet, warum nicht zur Abwechslung mal das weibliche Pendant? Ich finde der dt. Wiki würde das gut zu Gesicht stehen. Und vielleicht hier und da zur Nachahmung animieren.

Gruß, RTF

eulen nach athen 07.02.2014 | 18:26

alle 2 monate brüten genderideologen mit tagesfreizeit eine neue schreibkasperei aus. zu mehr gerechtigkeit hat das bislang nicht geführt. im gegenteil.

sollen sie selbst eine enzyklopädie aufmachen und ihre _/*innen dort verklappen. sprachvoodoo hat in einem lexikon nur als lemma etwas zu suchen.

vor allem müssen sie sich erstmal intern einigen, wie viele geschlechter sie eigentlich für existent halten. ein "schülerinnen und schüler" ist nämlich "exkludierend" für alle, die sich nicht im "binären geschlechterschema" verorten oder verorten wollen.

eulen nach athen 07.02.2014 | 18:27

alle 2 monate brüten genderideologen mit tagesfreizeit eine neue schreibkasperei aus. zu mehr gerechtigkeit hat das bislang nicht geführt. im gegenteil.

sollen sie selbst eine enzyklopädie aufmachen und ihre _/*innen dort verklappen. sprachvoodoo hat in einem lexikon nur als lemma etwas zu suchen.

vor allem müssen sie sich erstmal intern einigen, wie viele geschlechter sie eigentlich für existent halten. ein "schülerinnen und schüler" ist nämlich "exkludierend" für alle, die sich nicht im "binären geschlechterschema" verorten oder verorten wollen.