Letzte Woche III

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

**In geheimer Mission: Wikimedia Deutschland*In ganz geheimer Mission: Sozialeugeniker*In äußerst geheimer Mission: Blochs dunkelndes Nicht**

In geheimer Mission: Wikimedia Deutschland - das sind sie eigentlich immer. Über ein Jahr konspirierte der Vorstand vom Verein Wikimedia Deutschland mit Vertretern von Spiegel-Online und Bertelsmann, wie sie ihren Teil für eine gemeinsame Wissensplattform beitragen könnten, wo zwar nur Spiegel und Bertelsmann draufsteht, aber wesentlich Wikipedia drin ist. Irgendwann war es soweit, ein Radiobericht ließ mich aufhorchen und ich entfachte eine Debatte über diesen Deal. Not amused zeigten sich viele Wikipedia Autoren über die Werbung der Spiegel-Bertelsmann-Wissensplattform SPIEGEL-WISSEN: "Mehr als Wikipedia". Ein leichtes Unbehagen stellte sich ein, als ein Vierteljahr später der erste Vorsitzende vom Verein bekannt gab: ich werde übrigens Anfang nächsten Monats als Journalist bei SPIEGEl-WISSEN beschäftigt sein, hat aber nix mit unserem Deal von vor drei Monaten zu tun. So ging es weiter. Als ich eines Morgens die taz aufschlug, konnte ich lesen: Bertelsmann gibt ein Wikipedia-Lexikon heraus und die Wikipedia-Autoren fühlen sich geschmeichelt. Fühlten sie sich nicht. Sie fühlten sich was anderes, nämlich nicht informiert und übergangen.Über Zweidrittel der Wikipedia-Autoren einer von mir eingeleiteten Umfrage lehnten diese Wikipedia-Bertelsmann-Zusammenarbeit ab. Der Verein gelobte hoch und heilig eine bessere Informationspolitik und schon kam es zum nächsten Crash. Eine Vereinsmitarbeiterin ließ verlauten, dass Wikipedia demnächst einen Beirat bekäme. So stand es in der Zeitung. Alles Quatsch, naja nicht ganz, es seien demnächst Diskussionsrunden geplant zu bestimmten wikipedia-relevanten Themen. Langjährige Wikipedia-AutorInnen zeigten sich vergrätzt: "Lernt endlich uns Autorinnen besser zu informieren!" war der Tenor.

Am 8. Januar 2009 erhielt ich von der fürs Internet zuständigen Abteilung von VG Wort die Nachricht, dass Wikipedia demnächst ins Tantiemen-System einbezogen würde. Mir fiel beinahe der Laptop vom Schoß. Ich rechnete kurz durch, das würde heißen mehrere Millionen Euro würden von VG Wort an die Wikimedia Foundation und die deutschen Wikipedia-Autoren fließen. Wie bitte? Also nochmal nachgefragt, Antwort am 9. Januar: Ja, viele Bedenken seien ausgeräumt, es bestünden noch technische Fragen, vor allem wie man Autoren, die schöpferisch-inhaltliche Textarbeit leisteten, scheiden könnte von Autoren, die nur Tippfehler korrigieren. Es können daher nicht gesagt werden, ob Wikipedia demnächst oder erst am Jahresende in METIS, also der Online-Abteilung von VG Wort, einbezogen werde. Aha. Ich wartete gespannt darauf, wann denn wohl der Wikimedia Verein sich bequemen würde, diesen Deal zu offenbaren. Ich wartete ein, zwei, drei Monate. Die Umfrage über die Neuzlizensierung wäre doch ein guter Anlaß, sich zu offenbaren, dachte ich. Nix geschah. Vielleicht würden sie sich während einer anschließenden Umfrage offenbaren, in der es darum ging, ob man in Wikipedia-Texten Autoren benennt (was ja im Kern die Frage beinhaltet, wie sich Lektoren und Autoren durch einen Algorithmus unterscheiden lassen, also die zentrale Frage, die auch METIS als Problem benannte). Rien. Keine Reaktion. Wäre ich Journalist, hätte ich angeklopft: sagt mal, ich habe gehört, dass blablabla... Ich wählte nicht die feine englische Art, sondern informierte die Wikipedia-Community direkt mittels eines ausführlichen Blog-Beitrages über die Informationen, die mir zugetragen wurden. Autsch. Man watschte mich links und rechts ab und wollte nichts Gutes an meinem Vorstoß lassen. Auch nicht die folgenden Ergebnisse, die im Laufe der anschließenden Debatte zustande kamen:

  • Es wurde eine Wikipedia-Meta-Seite eingerichtet, wo über METIS bezüglich Wikipedia informiert wird: Wikipedia:METIS
  • Es wurde klar, dass Wikimedia Deutschland tatsächlich überprüft ob und wie Wikipedia in METIS einbezogen werden kann
  • Es wurde klar, dass das dieses Jahr nichts mehr wird, dass aber trotzdem bzw. deswegen Wikipedia-Autoren an einer Sonderausschüttung von METIS teilnehmen können.
  • Es wurde klar, dass METIS und Wikimedia Deutschland von ganz unterschiedlichen Erwartungen ausgehen und dass dies geklärt werden müsse.

Aber nichtsdestotrotz habe meine Aktion gar nichts positives gebracht, es sei denn, mir würde klar werden, dass man sooo nicht an Sachen herangeht, wie ich das gemacht habe. ;-)

P.S. gerade gelesen, passt aber wohl sehr gut:

"Ein Vakuum, geschaffen durch fehlende Kommunikation füllt sich in kürzester Zeit mit falscher Darstellung, Gerüchten, Geschwätz oder Gift." Cyril N. Parkinson

http://www.edonis.de/images/mm_spacer.gif

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In ganz geheimer Mission: Sozialeugeniker Donnerstag, 28. Mai, über Leipzigs Innenstadt ziehen sich Gewitterwolken zusammen. Misstrauisch blickt Dr. Dr. W. nach links nach rechts, bevor er in den Eingang der Deutschen Nationalbibliothek huscht. "Deutsche" "National" "Bücherei" stolz schwillt seine Brust an - es gilt Vaterland und Rasse zu verteidigen gegen dieses akademische Lumpenproletariat, dass sich überall nur noch "Diskurse" brabbelend Titel erschleicht, dort wo früher noch mit Rasse und Begabung die Dinge beim Namen genannt werden konnten. Widerwillig schließt er Trenchcoat und Hut ins Fach. Was wenn ihn jemand erkennt. Der Türke da zum Beispiel grinst so frech. Dr. Dr. W. macht sich Mut. Türken bringen Altenpogrome zustande, aber mit ihrem Durchschnitts-IQ von 85 - oder wars 86? - sind sie ihm nicht gewachsen. IHM nicht. Der Kampf ums Abendland ist noch nicht verloren - auch dann nicht, wenn obdachloses Gesindel an seinem Rechner-Platz sitzt. Verflixt. Soll er sich etwa an einen anderen Platz setzen? Es sind noch Rechner frei... Nein. Er wird halt warten. Und seinen Ärger darüber, dass heute JEDER, sogar lärmende Zigeunerkinder die deutschen National-Stätten der Bildung überbevölkern, lässt er gar nicht lange zu. Denn es gilt sich nicht geschlagen zu geben, sondern tapfer zurückschlagen, sich das Schwert nicht aus der Hand nehmen zu lassen. Endlich verlässt der Penner den Computer und nun ist die Stunde der Rache gekommen. Niemand wird wissen, dass er es war... So Seite aufgerufen... Text kopieren und... Seite überschrieben... Harharhar... Das wird ihnen eine Lehre sein... Äh, was? Seine Veränderung bei Wikipedia wurde nach zwanzig Sekunden schon wieder gelöscht? Also nochmal... und Enter...

Und wieder einmal wurde Dr. Dr. W. tragisches Opfer einer bolschewistischen Verschwörung. 12:56, 28. Mai 2009 Dieter Rember (Diskussion | Beiträge) K (19.164 Bytes)(Änderungen von 193.175.103.14 (Diskussion) rückgängig gemacht und letzte Version von R. Wirsing wiederhergestellt) (entfernen) Nun gut. Äh ja. Aber sie sind gewarnt und immerhin... keiner weiß, dass er hinter diesem Anschlag steckte. So schnell gibt er nicht auf! Er nicht!

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In äußerst geheimer Mission: Blochs dunkelndes Nicht Wens interessiert: ich versuche so nach und nach Blochs Philosophie in appetitliche Häppchen darzustellen und würde mich über Kritik sehr sehr freuen. Front ist da, wo das Nicht dunkelnd aus sich herausbrechen will

23:45 02.06.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Andreas Kemper

Ich arbeite als Soziologe kritisch zu Klassismus, Organisiertem Antifeminismus und die AfD
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Andreas Kemper

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