Andreas Kemper
08.11.2009 | 14:19 11

Sozialeugenik - von Sarrazin zu Sloterdijk zu Heinsohn

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Andreas Kemper

Der Ursprung der aktuellen Sozialeugenik-Debatte

Die aktuelle sozialeugenische Debatte begann schon unter Renate Schmidt (SPD) vor acht Jahren. Einen ersten Höhepunkt erreichte sie 2005, als nicht nur Daniel Bahr (FDP) aussprach, dass angeblich "in Deutschland die Falschen die Kinder kriegen". 2005 wurde mit falschen Zahlen operiert, um eine sozialeugenische Wende in der Familienpolitik einzuleiten. Obwohl Statistikerinnen darauf hinwiesen, dass falsche Zahlen durch die Medien kursierten, wurde von SpitzenpolitikerInnen weiterhin behauptet, dass Akademikerinnen zu 40% kinderlos seien, während "die Unterschicht" zuviele Kinder gebäre, was für die Durchschnittsbildung in Deutschland nachteilig sei. Diese Argumentation ist sozialeugenisch.

Nachhaltige sozialeugenische Familienpolitik

Im Rahmen dieses Diskurses um die sogenannte "Nachhaltige Familienpolitik" wurde das ehemalige sozialkompensatorische "Erziehungsgeld", welches bedürftigen Eltern und Alleinerziehenden 300 Euro für zwei Jahre zusprach, abgeschafft. Ersetzt wurde es durch das aktuelle "Elterngeld". Man beachte die Namensänderung. Das Erziehungsgeld war dafür gedacht, Kindern in armen Haushalten eine angemessene Betreuung/Erziehung zu erlauben, die nunmal auch Geld kostet. Das Elterngeld hingegen hat seinen Fokus auf Eltern (und ist bereits sprachlich diskriminierend gegenüber Alleinerziehende) - diese sollen so kurzfristig von der Lohnarbeit freigestellt werden. Statt pauschal 300 Euro für zwei Jahre gibt es nun für ein Jahr 68% des Einkommens. Bei der Einführung stetzte die SPD gegenüber der CDU durch, dass diejenigen, die ein geringes oder kein Einkommen haben, zumindest für ein Jahr 300 Euro bekommen. Dies ist aber noch immer eine Verschlechterung auf die Hälfte der Transferleistung des Erziehungsgeldes, welches für zwei Jahre 300 Euro monatlich vorsah. Gutverdienende Erziehende erhalten also jetzt 1.800 Euro, arme Erziehende erhalten 300 Euro für die selbe Erziehungsleistung. Dies ist ein sozialeugenisches Gesetz und es wird auch genau so begründet. Sowohl von Renate Schmidt, die die Idee zu diesem Gesetz hatte, als auch Angela Merkel, die explizit sagt, dass es nicht darum geht, mehr Väter in die Erziehung zu bekommen, sondern den Anteil der Akademikerkinder zu erhöhen.

Die Unterschicht soll aussterben: Sarrazin, Sloterdijk, Heinsohn

Der aktuelle Diskurs, der mit dem Lettre-Interview mit Sarrazin begann, will nun die sozialeugenischen Gesetze ausweiten. Gunnar Heinsohn fordert in der "Welt online", dass die 300 Euro Mindesttransferleistung für arme Familien ganz gestrichen wird. Zugleich soll es massive Steuererleichterungen geben, denn Steuererleichterungen können von diesen Familien "nicht missbraucht werden". Peter Sloterdijk ruft zum Klassenkampf zwischen den "Nehmern" (Die Linke) und den "Gebenden" (F.D.P.) auf. Die "Leistungsträger" sollten nun mit Selbstbewusstsein den Klassenkampf gegen die "Nehmer" führen. Sloterdijk schwebt vor, die Steuern auf Freiwilligkeit umzustellen, damit mit Stolz und Ehre der Reichtum verteilt werden könne. Er verweist auf Gunnar Heinsohn, dessen Schriften nun gelesen werden müssten. Und er verteidigt in der gleichen Streitschrift Thilo Sarrazins Lettre-Interview. In diesem Interview fordert Sarrazin, dass sich das Problem der Unterschicht auswachsen müsse. Unter "auswachsen" versteht er "aussterben". Dies bestätigte er dem irritierten Chefredakteur des Lettre. Intelligenz sei vererblich, deshalb müsse die Zahl der "Unterschichtsgeburten" reduziert werden. Arme Ausländer dürften nicht mehr einreisen und der hiesigen Unterschicht seien die Transferleistungen zu streichen. Kritisiert wird diese Debatte, die auch von Henkel, Broder, Giordano, Barning unterstützt wurde, ausschließlich in einigen wenigen Internet-Blogs. Nur ein einzelner Zeit-Artikel entdeckte die "Ungeheuerlichkeit" in Sarrazins Sozialdarwinismus. Dass dieses sozialeugenische Gedankengut auch konkrete Folgen zeitigt, konnten wir an der "Akademikerkinderlosigkeits-Debatte" von 2005 mit der Folge des Elterngeldes erkennen.Welche Auswirkungen wird die verschärfte Sozialeugenik-Debatte von 2009 nach sich ziehen und wie können wir effektiv intervenieren?

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (11)

poor on ruhr 08.11.2009 | 16:25

Lieber Andreas Kemper,

vielen Dank für den Blog. Ich halte Deine Einschätzung der Sachverhalte für richtig!
Auch das mit dem Klassenkampf zwischen Leistungsgebern und Leistungsnehmern war mir in dieser Form neu. Natürlich hat die Unterschicht Probleme, aber so wie Sarrazin und Sloterdijk das "lösen" möchten geht es natürlich nicht!
Das ist, wie Sie richtig schreiben, Sozialeugenik!
Nach den Auswirkungen der verschärften Sozialeugenikdebatte, fragen Sie?
Zum Beispiel, dass sie als das legalistische Fundament für weitere Sozialkürzungen von den "Raffkes" (streifzug) mißbraucht werden könnten! Intervenierungsmöglichkeiten? Schwierige Frage!
Da fällt mir auf Anhieb auch nichts ein. Das Problem ist ja auch, dass ein großer Teil der Unterschicht schon entpolitisiert ist! Ich weiß es leider nicht!

por

miauxx 09.11.2009 | 12:21

Ja, wenn der "Haufen der Sklaven" zu groß wird ... Dass war auch schon ein soziales Problem im antiken Sparta.
Man fragt sich aber, was das Problem von Sloterdijk, Sarrazin etc. ist. Fühlt man sich ästhetisch abgestoßen vom Pöbel? Fürchtet man den ungebildeten Pöbel? Nachdem nun alle Bemühungen gescheitert sind, eine ausgeglichene Gesellschaft zu schaffen, bleibt also nur der, leidergottes, drastische Weg?
Wieviel Ignoranz muss man eigentlich besitzen, um zu übersehen, dass allein der Kapitalismus gar nicht ohne eine sogenannte "Unterschicht" kann.
Was bedeutet eigentlich "Unterschicht"? Wenig Geld oder wenig Hirn. Zumindest ist viel Hirn ja keine zwingende Vorraussetzung mehr für viel Geld.
Suchen Sloterdijk u. Co. die Restauration einer aristokratischen Gesellschaft? Keine Media Märkte und Lidls mehr für`s "einfache Volk" und kein Mario Barth im TV?

Schlimm ist wirklich die fehlende Skandalisierung solcher im Grunde faschistischer Ansichten (v.a. die Heinsohns). Das Leute wie Sloterdijk und Heinsohn zudem an Universitäten lehren ist ein Skandal erster Güte! Wie gehen eigentlich die übrigen Lehrenden an den Unis in Karlsruhe und Bremen damit um?

mh 09.11.2009 | 12:31

a) die basis des sarrazin-interviews war die stadtentwicklung von berlin, nicht die sozialpolitik deutschlands .. im einzelnen gibt es vollkommen andere problemfelder. die offensichtliche bevölkerungsstruktur berlins ist in dem kontext aber nunmal ein riesen thema und sicher kein unkritisches.

b) sloterdijk im bürgerlichen manifest überwiegend von der unfähigkeit der politischen klasse .. was seine faz-äußerungen auch wieder in einem anderen licht erstrahlen lässt, denn er bemisst nur der bürgerlich-besserverdienenden schicht noch das potenzial bei die verkrusteten strukturen aufzubrechen.

im nachgang zur wahl durchaus ein interessanter gedankengang, denn fakt ist nunmal, dass die linken in diesem land keine entscheidungsrelevanz mehr haben.

daraus sozial-eugenik zu basteln ist ne harte nummer, vor allem aber am kern der angelegenheiten vorbei. das zeigt eigentlich nur, dass du es so sehen willst, wie du es dann schlussendlich darstellst. alles böse menschen .. kein wunder, dass links keine stimme mehr hat.

bin übrigens mal gespannt, wann der freitag sich an dieser debatte beteiligt .. bisher fand ich das ziemlich vernachlässigt, egal welche stellung man da nun schlussendlich bezieht.

mfg
mh

Andreas Kemper 09.11.2009 | 15:36

Zu a) Die Stadtentwicklun Berlins ist in der Tat der Aufhänger für Sarrazins Politikkonzept. Er äußert dieses jedoch auf Grundlage biologistischer und essentialistischer Gruppenzuschreibungen: IQ's sind erblich bedingt gruppenspezifisch verteilt, daran lässt sich nichts ändern, man müsse also die jeweilige Geburtenrate steuern durch die Reduzierung von Transferleistungen und durch ein Zuzugsverbot. Seine Ansichten über die sogenannte "Unterschicht" beschränkt sich nicht auf Berlin, wie bspw. seine vorhergegangenen Äußerungen zeigen.

zu b) Den Eintrag habe ich nicht verstanden, weil mindestens zwei Verben fehlen. Tatsache ist: Sloterdijk greift mit einem wirren Zirkus von Wortcollagen die KritikerInnen Sarrazins an, polarisiert das Wahlergebnis auf die beiden Wahlgewinner "Die Linke" und "F.D.P.", stilisiert diese zu den Interessensvertretungen der "Nehmer" und "Geber", ruft zum "Aufstand der Leistungsträger" auf, würde gerne vom Klassenkampf reden, aber dafür ist ihm der Begriff der Klasse wegen Marx zu verseucht, und empfiehlt, Gunnar Heinsohn zu lesen. Kurz darauf erscheint in der Welt Online Heinsohns sozialeugenisches Pamphlet: "Elterngeld - Fortpflanzungsprämie für Unterschicht".

Ich sehe nicht, dass ich hier irgendwo irgendwem eine Sozialeugenik "unterstellen" müsste. Sarrazins und Heinsohns Beiträge sind Sozialeugenik in Reinform: die sozialgruppenspezifische Steuerung der "Bevölkerungsqualität" über die jeweiligen Geburtenraten. Sloterdijk bietet sich als Scharnier zwischen den beiden an, ruft zum Klassenkampf der "Geber" gegen die "Nehmer" auf. Bereits in seiner "Elmauer Rede" ließ er die Lieblingsphilosophien der Nationalsozialisten aufmarschieren: Platons "Politea" und Nietzsches "Zarathustra", um mit Heidegger "Regeln für den Menschenpark" aufzustellen. Es ging um das "Auskämmen" der Unbrauchbaren und entsprechende "Anthrophotechniken". "Auswachsen", "Auskämmen"... Der damals gegen ihn erhobene Vorwurf der Befürwortung von Positiver Eugenik erhärtet sich durch die jetzige Debatte.

Ich wette, dass noch in diesem Darwin-Jahr in dieser Debatte explizit und nicht mehr nur implizit die Sozialeugenik verteidigt werden wird. "Posivite" "Eu-"genik - ein "Gutmensch", wer Schlechtes darin sieht.

mh 09.11.2009 | 16:18

man kann doch jeden philosophen so zurechtlesen wie mans gerne hätte. grade nietzsche ist da eines der besten beispiele, für verhunzungen. daran lässt sich mal vieles herleiten, vor allem aber nichts.

a) sarrazins basis für die äußerungen waren studien, die es allgemein untersuchten. er legte diesen part dann aber um, in dem er mit seinen beobachtungen des berliner alltags verband und den berlin spezifischen statistiken. fakt ist doch, dass wenn man ein stadtteil hat, in dem die bildung eher niedrig ist, man darauf in der stadtplanung reagieren muss.

es wird dabei nie das ziel sein, dass sich lauter slums bilden, weil man die leute in ruhe lassen und nicht beleidigen möchte. wenn man sowas weiß, und nix dagegen tut (es gibt auch positives dagegenwirken), dann sagt das ne menge über die politische und gesellschaftliche gemengenlage aus.

b) sloterdijk hatte zwei kernpunkte. die idiotie der politischen klasse, die zu allem unfähig ist und die verbale einheitlichkeit unserer gesellschaft, in der alles stigmatisiert wird, was auch nur ansatzweise abseits des verbalen mainstreams bewirkt .. damit einhergehend die unfähigkeit unserer gesellschaft sich dem wirken der politik entgegenzustellen. dein beitrag bestätigt dies übrigens.. sehr schlicht.

sloterdijk, in kombination, fordert eine emanzipation der leistungsträger. natürlich von den nehmern, denn der staat ist der größte geber und wer diesen refomieren will, muss sich gegenüber den nehmern emanzipieren. so richtig interessant wird sloterdijk, wenn man aus linker sicht hier mal konsequent festhalten würde, dass die armen, die unterstützung brauchen, doch gar nicht genug bekommen. d.h. die nehmer sind ihrer masse vielleicht die armen, in ihrer effektivität sind es aber andere (z.b. banken, großunternehmen) denen gegenüber man das nehmen, also unser geben, reformieren muss.

oder mal ein beispiel aus der praxis:

die kapitalisten sind der meinung, dass freiheit über alles geht und wer sich am kapitalmarkt betrügen lässt, ist selber schuld.

die linken hingegen sind der meinung, dass kapitalisten und ihr treiben an sich menschenverachtend ist und dass jeder der sich am kapitalmarkt betrügen lässt selbst schuld ist, denn er beteiligt sich an dem spiel.

das end vom lieb ist, dass wir unregulierte finanzmärkte haben, denn die einen wollens so und die anderen meinen wir habens nicht besser verdient.

mfg
mh

Columbus 10.11.2009 | 02:06

Sie sind da einem Trend unter Intellektuellen und solchen die sich dafür halten auf der Spur, die über die Medienöffentlichkeit nun Teil eines deutlich von der Alltagswelt abgetrennten Reiches geworden sind.

Gerade Heinsohn produziert seit geraumer Zeit steile Thesen ohne Belege und verfälscht Informationen. So hat er ein Faible entwickelt für Erörterungen zur "Buschmann"- Intelligenz. Dabei spricht er von "zahlreichen Studien", die angeblich belegten, die Buschmänner seien weniger intelligent im Vergleich zu anderen afrikanischen Völkern. Es existieren aber überhaupt keine zahlreichen Studien!

Mit ähnlichen systematischen Lücken kämpft auch sein Bild von den jungen muslimischen Männern im "Geburtenüberschuss", die nun als Täter-Reservoir für Gewalt aller Art dienen sollen.

Eine rechte Erklärung, warum ausgerechnet diese "jungen Männer im Überschuss", analog bei ihm gedacht zur Situation der Bevölkerung des Deutschen Reiches, vor und während des ersten Weltkrieges, im Iran und in den arabischen Ländern sehr langmütig auf das Versagen ihrer Regierungen reagieren, den Stillstand in den ökonomischen und kulturellen Verhältnissen hinnehmen, wo doch ihre "Freistellung" in seinem Bild zu massenhafter Gewalt führen müsste, liefert er nicht. - So geht es weiter.

Wie Sie schon anmerkten, Heinsohn steht nicht allein. Sloterdijk ist für krude Thesen, allerdings geschickter verpackt, ebenso gut. Seine Dichotomie der "Leister", entgegen gesetzt den "Minderleistern", kündigte sich schon in "Zorn und Zeit" an. Dort, im doch sehr willkürlich konstruierten Begriff des Thymos und der daraus abgeleiteten thymotischen, "willensstarken" Politik.

Ganz übel und natürlich völlig haltlos sind allerdings Sarrazins Ableitungen, die Migranten aus Anatolien seien genetisch, bzw. nach dem IQ, weniger leistungsfähig. Dazu gibt es erstens
überhaupt keine wissenschaftlich haltbaren Belege und zweitens offenbart sich mangelndes Wissen um IQ und Genetik.

Selbstredend, dass Sarrazin auch die Berliner Stadtgeschichte und Stadtentwicklung sehr eigenartig auslegt. - Von Seggregation und Gentryfication, die in der Fachwelt dazu diskutiert werden, hat er nicht gehört. Für ihn ist Alles Naturzustand und Folge eines "Defektes", den die Migranten aus Anatolien und den Kurdengebieten schon mitbringen, die sie zwangsläufig in Stadtvierteln konzentriert leben lässt und ihre soziale Randsstellung zur Folge hat.

Folgerichtig schwärmen diese konservativen Leute von einer seltsamen, an Eugenik erinnernde Förderpolitik für den Kinderreichtum der von ihnen entdeckten neuen Elite. - Das ist natürlich meilenweit weg von den Motti der einstigen sozial-liberalen Politik der demokratischen und sozialen Aufwertung der Bürger, von Chancen und Verteilungsgerechtigkeit, von annähernd ausgeglichenen Startchancen, von Hilfen bei der Überwindung von Bildungs- und Kulturdefiziten. Meilenweit entfernt von "Mehr Demokratie wagen".

Bezeichnend allerdings, dass auch viele sozialdemokratische Politiker, Sie erinnern sich vielleicht noch an die unsägliche Rede Münteferings vor den Sozialverbänden, so zu denken begannen, wie es Heinsohn, Sloterdijk und z.B. auch manche einstmals linke Journalisten in einst linksliberalen Blättern seit Jahren verkünden.

Fehlt nur noch das Element der Ausdehnung der Hausangestellten und Haushalthilfenwelt, bereichert um Leibburschen, "Kutscher" und Fahrer, gering verdienenden Dienstleister und ewigen "Fräuleins" aus der Unterschicht, die im idealtypischen Bild aus dem 19.Jh. gar nicht ehestandsfähig waren, weil ihre Einkommen nicht reichten und sie in einer Abhängigkeit zum Haushalt des anstellenden Bürgers standen. - In den angelsächsischen Ländern und auch in Südamerika halten sich Reiche schon lange ein abhängiges Dienstleistungsproletariat.

Wohnung am Dienstleistungsort, Mitessen im Haushalt, Kammer unter dem Dach, im Halbkeller, in der Remise, als Ersatz für gerechten Lohn und begleitet durch den unausgesprochenen Hang, diese Kräfte ständig verfügbar im Hause zu halten. So das dienliche Paradigma. - Nur zugeben möchte das natürlich niemand.

Manche Kenner der Materie sprechen von einer "Refeudalisierung" und berichten auch, wie fatal dieses Modell den Gesellschaftsmodellen zur Zeit des frühen Industriekapitalismus entspricht.

Liebe Grüße
Christoph Leusch

Kritische Masse 11.11.2009 | 02:30

Meinen Respekt an dem Autor des Blog und diesen Diskussion von Christoph Leusch. Eine so informative Debatte wünschte ich mir häufiger. Zumal bei Themen, die in anderen Medien sehr unterbelichtet oder eben populistisch abgehandelt werden. - Die Radikalen unter den Konservativen machen mir da schon Angst. So, wenn der Ex-Stoiber-Berater Michael Spreng unkt: "Wer wird der deutsche Pim Fortuyn?"

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chrisamar 11.11.2009 | 05:35

Das die Verwaltung auf Ghetto reagieren muss, ist inzwischen jedem klar. Aber wann? Und wie? Am besten aussitzen, bis die Verantwortlichen in den verdienten Vor-Ruhestand gehen. Oder versetzt werden.

Am Beispiel der kleinen Stadt, in der ich mich z.Z. aufhalte:
Vor ca. 35 Jahren wurde hier ein Ghetto gebaut. Etwas außerhalb der Stadt. 2007 wurden in jedem Winkel des Ghettos Kameras installiert. In diesem Jahr hat man die Straßennamen ausgewechselt. Und im kommenden Jahr?

Vor ca. 3,5 Jahren habe ich mal einen Ausflug ins Ghetto gemacht. Wollte mir sogar eine Whg angucken. Vor dem Häuserblock - vor den völlig überfüllten Mülltonnen - standen 2 hübsche, kleine Mädchen.Zukünftig vielleicht "Kopftuchmädchen".
Die fragte ich:
"Wie gefällt es Euch hier? Was meint Ihr, soll ich hier hin ziehen?" Diese Antwort kam von Herzen und in perfektem Deutsch ( nix anderes hatte ich auch erwartet ): "Hier ist es schrecklich! Zieh nicht hier her. Wir wollen auch weg."
Eine Eigentumswohnung können Sie dort schon ab € 5000,-- kaufen. Muss ich mehr sagen?

Thema Finanzmärkte:
Richtig ist, dass es sehr wohl ein System gibt. Das deutsche Rechts-System schützt die Banken und nicht die Anleger.

Mit Dilettantismus hat das aber nix zu tun. Auch nicht mit den Themen, welche von Berufspolitikern gerne verbreitet werden. Wie z.B. die Hetze auf die "Unterschicht". Ein beliebtes Mittel um von der eigenen Verantwortlichkeit abzulenken.

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chrisamar 11.11.2009 | 05:54

Lieber Columbus,
gerne schließe ich mich dem Kommentar von K-Masse an. Vielen Dank für dieses Thread.

Das mit dem "Dienstleistungsproletariat" ist ein sensibles Thema. Denn das System ist erfolgsversprechend und simpel.

Praktiziert wird es in Deutschland z.B. in der Gastronomie, Altenpflege, an sogenannten "Au-Pair-Mädchen und in der Landwirtschaft.
Und gerade von jungen Menschen, z.B. während ihrer Ausbildung, wird erwartet, dass sie trotz solcher Erfahrungen durchhalten.
Gruselig.