Standesdünkel führt zu Twitter-Gewitter

#dieSPDwars Schavan sei das Opfer der Bildungsaufstiege von Arbeiterkindern in den 1970ern. Tilman Krause, der leitende Literaturredakteur der WELT, wird zum Gespött bei Twitter.
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Seit einem Jahrzehnt belehrt uns Tilmann Krause, dass man von Leuten aus proletarischen Elternhäusern nichts zu erwarten hat. Vor knapp einem Jahr teilte er uns mit, für den Antisemitismus von Günther Grass sei dessen proletarische Herkunft verantwortlich gewesen, jetzt seien die "einfachen Verhältnisse", aus denen die Bildungsministerin stamme, Ursache für die Aberkennung ihres Doktorgrades.

Abiturwahn, Bildungswahn

Der Bildungswahn der SPD in den 1970ern, der zuließ, dass jeder studieren könne, sei hier verantwortlich. Tilman Krause ist kein Einzeltäter. In der FAZ vom Oktober 2012 wurde sich über den Abiturwahn mokiert und auch in der Wirtschaftswoche (Die Inflation des Abiturs) befürchtet man eine Absenkung des Bildungsniveaus, wenn Hinz und Kunz ein Studium beginnen.

Stolzer Abkömmling von Hofdienern

Nun reagierte die Twitter-Community. Mit dem Hahstag #die SPDwars wird Krauses Beitrag verhöhnt. Zielte Krause aber wirklich gegen die SPD? Oder ging es ihm nicht vielmehr um eine als SPD-Politik wahrgenommene Erhöhung der Chancengleichheit, die ihm gegen den Strich geht? Es hätte ein Hashtag #Bildungswahn geben müssen, wo Arbeiterkinder von ihren Erfahrungen erzählen.

Ich habe mir die Nacht um die Ohren geschlagen und bin fündig geworden. Seit über zehn Jahren hören wir von diesem stolzen Abkömmling von Hofdienern immer das gleiche Bashing gegen Menschen aus Elternhäusern, in denen es keine Bücher gab: Wer ist dieser Tilman Krause?

Es gibt bereits erste Ansätze der politischen Selbstorganisierung von studierenden/studierten Arbeiterkindern. Das Fikus-Referat an der Uni Münster, das Magazin The Dishwasher, die E-Mail-Liste der Working Class/Poverty Class Academics. Möge diese Bewegung gegen Klassismus und Standesdünkel in der Bildungspolitik wachsen und gedeihen. Nötig ist es.

10:06 09.02.2013
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Geschrieben von

Andreas Kemper

Interessen: * Klassenspezifische Diskriminierung * Genderforschung * Utopien, Anarchismus * Wikipedia * Biopolitik
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