Freimuth von der Zechenfront vom 22.12.2014

Glosse Über Bankenrettung, Armut, PEGIDA, Ausländermaut, und die neue Bewegung "AbAugeFa"
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"Laß doch mal die Luft aus dem Glas!"

„Aber jerne doch.

Du weeßt ja, das, seit der Wiedervereinigung bis 2012 der Reallohn für Geringverdiener in Deutschland, also der Lohn, der der tatsächlichen Kaufkraft entspricht, stark zurückgegangen ist, in Westdeutschland um 20% und in Ostdeutschland, da war er eh schon niedriger, um 6,3%. Und dies, obwohl seit der Wiedervereinigung bis 2011 die Arbeitsproduktivität um 22,7% gestiegen ist. Und der „Gemeine deutsche Bürger aus Dresden, Köln und anderswo“ (kurz GedeuBaDreKua) blieb auf seinem Sofa hocken.

Du hast jelesen, dass während der Bankenkrise 2008 die Amis die Banken teilverstaatlichten und zwangen Hilfen anzunehmen, die sie mit Zinsen zurückzahlen mussten. So machte der amerikanische Steuerzahler einen Gewinn von 6 Milliarden Dollar, während nach Schätzungen des Münchener Finanzprofessors Christoph Kasserer die Bankenrettung à la Deutschland den Steuerzahler zwischen 34 bis 52 Milliarden Euro kosten wird. Das Geld fehlt zum Beispiel bei der Sanierung der Autobahnen und Bundesstraßen, von Schulen oder für eine bessere soziale Absicherung. Doch der „Gemeine deutsche Bürger aus Dresden, Köln und anderswo“ (GedeuBaDreKua) blieb auf seinem Sofa hocken.

Du hast jehört, dass 20,3% der Deutschen, das sind 16,2 Millionen Menschen, von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen sind. Doch das ist kein Grund für den „Gemeinen deutschen Bürger aus Dresden, Köln und anderswo“ (GedeuBaDreKua), nicht auf seinem Sofa hocken zu bleiben.

Edward Snowden hat seinen gutdotierten Job und ein luxuriöses Leben auf Hawaii aufgegeben, um uns vor der Überwachung im Internet und der flächendeckenden Verletzung unserer Bürgerrechte zu warnen. Der „Gemeine deutsche Bürger aus Dresden, Köln und anderswo“ (GedeuBaDreKua) blieb auf seinem Sofa hocken.

Und doch – langsam wuchs die Wut im GedeuBaDreKua diesem „Gemeinen deutschen Bürger aus Dresden, Köln und anderswo“.

Du wirst es nicht mehr wissen, 1992 stellten in Deutschland 438.191 Menschen einen Asylantrag. Aber du erinnerst dich an die Das-Boot-ist-voll-Kampagne deutscher Salonrassisten aus Politik und Medien. Asylbewerberheime brannten, der Deutsche Bundestag gehorchte, änderte das Grundgesetz, verschärfte das Asylrecht und der GedeuBaDreKua war zufrieden.

Die Zahl der Asylanträge ging zurück. Besonders nach Dublin II – auch auf deutschen Druck hin wurde 2003 die Drittstaatenregel eingeführt – sank die Zahl auf 28.018 im Jahre 2008. Doch die weltweiten humanitären Krisen nehmen zu und dies auch mit Beteiligung deutscher Soldaten im Sinne deutscher Eliten. Weltweit sind heute 51,2 Millionen Menschen auf der Flucht. Von diesen 51,2 Millionen Menschen haben in diesem Jahr von Januar bis November 155.427 Menschen einen Erstantrag auf Asyl in Deutschland gestellt. Jetzt erhebt sich der „Gemeine deutsche Bürger aus Dresden, Köln und anderswo“ (GedeuBaDreKua) von seinem Sofa und macht mobil gegen Unterkünfte für die Ärmsten der Armen in seiner Nähe.

Da trifft es sich gut, dass die Salonrassisten aus Politik und Medien dem „Gemeinen deutschen Bürger aus Dresden, Köln und anderswo“ (GedeuBaDreKua) ein handfestes Feindbild bieten konnten – den Salafismus in Deutschland. Dabei ist es für die Organisatoren von HoGeSa, den „Hooligans gegen Salafisten“ völlig unerheblich, dass von den zirka 4.5 Millionen Muslimen in Deutschland nach Angaben des Verfassungsschutzes gerade mal 6.300 Salafisten sind, also 0,14% und davon gelten bis zu 150, also 0,0033% aller Muslime als „Störer“ - wenn man nur einen Grund für ordentliche Randale hat.

Und in Dresden organisieren sich gemeine deutsche Bürger unter dem Motto „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (PEGIDA). Fakten, zum Beispiel, dass in Deutschland lediglich bis zu 4,5 Millionen Muslime – das entspricht 5,5% der Gesamtbevölkerung – leben, sind unerheblich, wenn der deutsche Innenminister De Maizière (CDU) sich mit den 10.000 Demonstranten solidarisiert, indem er verkündet: „Diese Sorgen müssen wir ernst nehmen, damit müssen wir uns auseinandersetzen.“ Prompt kamen am nächsten Montag 15.000 Gleichgesinnte.

Has'te jehört, im Hause Gabriel tagt bis Jahresende ne Kommission? Ne nich wejen der schlecht getarnten Ausländerfeindlichkeit der PEGIDA-Demonstranten. Dit is nich sein Ressort. Sigmar „Der-neue-Genosse-der-Bosse“ Gabriel macht sich Sorgen um die Rendite der Versicherungskonzerne wie Ergo oder Allianz. Deren Geschäfte laufen nämlich mies. Sichere Staatsanleihen sind in dieser Niedrigzinsphase nur für so 1% zu haben. Und wejen der blöden Schuldenbremse bald gar nicht mehr. Aber wie soll für Lebensversicherungen zum Beispiel ein Garantiezins von 1,25% erwirtschaftet werden? Ergo muss für Ergo und Co ein neues Geschäftsmodell gefunden werden. Sie sollen Autobahnen bauen. Dit is zwar viel teurer als wenn der Staat Kredite aufnimmt, aber dit is Sigmar „Der-neue-Genosse-der-Bosse“ Gabriel wurscht, solange der „Gemeine deutsche Bürger aus Dresden, Köln und anderswo“ (GedeuBaDreKua) zahlt. Die LKW-Maut reicht für so teure Geschenke natürlich nicht. Also muss eine PKW-Maut her.

Aber wie überredet man den GedeuBaDreKua, dass er diese Abgabe auch noch schluckt. Richtig, du hast es geahnt. Man erfindet die Maut für Ausländer. Soviel Grips hat der GedeuBaDreKua gerade noch, dass er begreift, dass „für Ausländer“ hier „gegen Ausländer“ bedeutet. Und der „Gemeine deutsche Bürger aus Dresden, Köln und anderswo“ ist dafür.

Versprochen wird, dass die Mautabgabe durch eine Senkung der Kfz-Steuer vollständig kompensiert wird. In einer Übergangsphase. Ist die Übergangsphase abgeschlossen, kann die Maut fröhlich angehoben werden. Und der „Gemeine deutsche Bürger aus Dresden, Köln und anderswo“ wird dann doch mehr belastet werden, weil kein Finanzminister die Kfz-Steuer weiter senkt.

Und wenn der GedeuBaDreKua dann merkt, wie er verarscht wurde – und zwar in seinem Portemonnaie – dann wird er richtig wütend und gründet in Dresden, Köln oder anderswo die Initiative AbAugeFa, die „Abgezockten Autofahrer gegen Fahrräder“. Und wenn dann so 10.000 gemeine deutsche Bürger auf der Straße sind, wird sich der Verkehrsminister – egal welcher Partei auch immer – mit der AbAugeFa solidarisieren, „Diese Sorgen müssen wir ernst nehmen, damit müssen wir uns auseinandersetzen.“

Und tatsächlich, die Politik wird handeln und die Investition in Fahrradwege einstellen.

Na dann man Prost!

Und ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch“

13:11 22.12.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Andreas Schulz

Der Autor: Jahrgang 1964. Und Freimuth: Ein wahrer Volkswirt, also ein Wirt fürs Volk!
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Andreas Schulz

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