Kommentare von Wiesengrund

Wiesengrund 27.12.2014 | 00:21

Dass der Kunstmarkt selten etwas mit Kunst zu tun hat und nicht mehr belegt, als die Idiotie derer die daran glauben oder damit beschäftigt sind ihn anzuheizen, ist keine neue Erkenntnis.

Oder ist die Angelegenheit subtiler und der Wert der Bilder ist es aufzuzeigen, wie weit der Warencharakter in ihnen schon fortgeschritten ist?

Insofern finde ich auch Frau Käppelers letzten Satz wenig zitatwürdig. Viel entscheidender wäre der darauf folgende, der hier leider fehlt!

Was wären Kategorien mit denen sich heute noch Kunst von Nichtkunst, guter von schlechter Kunst unterscheiden ließen? Warum kapituliert die Ästhetik vor dieser Herausforderung? Oder gibt es einen Zusammenhang zwischen Readymade und Popart und leichter Konsumierbar- und Käuflichkeit?

Wiesengrund 31.05.2014 | 23:20

... stimmt genau, alle Vorstellungen ausverkauft und die letzte war auch schon heute; insofern war mein Hinweis darauf Überfluss - Sorry!

Vielleicht gibt es nochmals eine Neuaufnahme - wäre äußerst wünschenswert. Auch vor dem Hintergrund, da die "Vierte Welt" im Moment vor dem Aus steht - der Senat hat die Anschlussförderung versagt.

Für mehr Leute in den Startlöchern! Allez!

Wiesengrund 29.05.2014 | 17:27

... zu den materialen Veränderungen, die Sie mit "Abwanderung der Industrie und Digitalisierung der Gesellschaft" andeuten, wo man vielleicht noch den Anstieg des Selbstständigentums sowie die Tendenz zu Dezentralismus und Regionalität hinzufügen könnte, paart sich auf der anderen Seite mit dem Suchen/Finden/Identifizieren mit Narrativen: Dem Kreativberliner, der Clubgängerin, dem Bewegungsmenschen. Dazwischen Familienrenaissancen oder Common-Co-Working-Experimente.

Wiesengrund 28.05.2014 | 22:17

Im Sinne einer selbstbestimmten Gesellschaft ist jedes Stadtmanagement á la Reißbrett zum Scheitern veruteilt!

Lieber Herr Angele, mit Verlaub, ich finde Ihre stadsoziologische Analyse intellektuell etwas schwach auf der Brust. Denn die Erkenntnis, dass die Stadt eine zerrissene Wirklichkeit beherbergt, ist nicht neu.

Schon 1845 schrieb Friedrich Engels in "Die Lage der arbeitenden Klasse in England":

Diese Hunderttausende von allen Klassen und aus allen Ständen, die sich da aneinander vorbeidrängen, sind sie nicht alle Menschen mit denselben Eigenschaften und Fähigkeiten und mit demselben Interesse, glücklich zu werden? Und haben sie nicht alle ihr Glück am Ende doch durch ein und dieselben Mittel und Wege zu erstreben? Und doch rennen sie aneinander vorüber, als ob sie gar nichts gemein, gar nichts miteinander zu tun hätten. [...] Und wenn wir auch wissen, daß diese Isolierung des einzelnen, diese bornierte Selbstsucht überall das Grundprinzip unserer heutigen Gesellschaft ist, so tritt sie doch nirgends so schamlos unverhüllt, so selbstbewußt auf als gerade hier in dem Gewühl der großen Stadt. [...] Daher kommt es denn auch, daß der soziale Krieg, der Krieg Aller gegen Alle, hier offen erklärt ist. Wie Freund Stirner sehen die Leute einander nur für brauchbare Subjekte an; jeder beutet den andern aus, und es kommt dabei heraus, daß der Stärkere den Schwächeren unter die Füße tritt und daß die wenigen Starken, das heißt die Kapitalisten, alles an sich reißen, während den vielen Schwachen, den Armen, kaum das nackte Leben bleibt.

Doch auch bei Engels ist die Stadt nicht nur der Ort des Elends. Mithin ist sie auch der Ort, an dem sich die Emanzipation des Menschen zum bürgerlichen Subjekt vollzieht. Absolut gesetzt, bleibt allerdings auch dieser fromme Wunsch – „Stadtluft macht frei!“ – nur Ideologie. (Die Stadt bleibt der Sitz höchster Arbeitsteilung)

Die Paradoxie, in der sich Citoyen und Bourgeois treffen, ist der modernen Stadt quasi inhärent. Der Großstadtmensch ist Individuum und Masse zugleich. (Vgl. Roger Behrens: Kritische Theorie der Stadt)

Worin also besteht Ihrer Meinung nach der spezifische Charakter des globalisierten Stadtbewohners?

Wiesengrund 28.04.2014 | 00:31

... dass Sie den (schlechten) Seiten indischer Politik aus Vergangenheit und Gegenwart nichts abgewinnen können, ist angekommen, aber muss man deshalb so undifferenziert werden?

Wer die Realität nur schwarz-weiß erkennen kann und von der ´Hölle` spricht, macht sich der Simplifizierung schuldig! Ähnlich problematisch finde ich die Suggestion, ein starker Mann wie Modi werde die Dinge in Ordnung bringen, weil er über den partikularen Interessen stehe und sich überdies (angeblich) nicht korrumpieren lasse. Als Beweis dafür wird seine gute Performance als Chief Minister von Gujarat angeführt. In der Tat ist die Situation in Indien alles andere als einfach und dass 2/3 der Bevölkerung sowie die Majorität der Frauen von einem menschenwürdigen Leben weit entfernt ist, ein Skandal! Aber wem wollen sie dafür die Schuld zuweisen? Den Ariern, die vor ca. 3000 Jahren auf den indischen Subkontinent migriert sind und Hinduismus und Kastensystem mitgebracht haben? Den Kolonialmächten Portugal, Frankreich, England, die das Land Jahrhunderte ausgebeutet und unterdrückt haben? Den neoliberalen Konzernen, die ihre Wachstumsraten in Indien reproduzieren und sich einen Dreck um Natur und Menschen interessieren? Der indischen Oberschicht, die beim Verteilungsspiel nimmersatt die Hand auf- und die restlichen Sinne zu gehalten hat? Den Dalit- und Adivasi-Gruppen, die teilweise trotz oder gerade wegen vielfältiger Hilfs- und Antidiskriminierungsprogrammen wenig bis keine Motivation verspüren an der aktuellen Gesellschaftsstruktur etwas zu ändern? usw.

Deshalb Vorsicht: Erstens gibt es keine Garantie, dass Modi die ´Leistungen`, die ihm nachgesagt werden, als Premier wiederholen kann - zumal ihm die Kongress geführten Bundesländer sicherlich Kompromisse abverlangen würden. Zweitens seine wirtschaftlichen Erfolge in Gujarat bei näherer Betrachtung und unter gesellschaftlicher Perspektive gar nicht mehr so groß ausfallen; und wenn, dann eben nur für die ökonomisch orientierten TeilnehmerInnen im Land. Die Trickle-Down Theorie hat sich aber spätestens seit Margaret Thatcher als Ideologie erwiesen. Drittens Modis Hindu-Nationalismus – die Times of India spricht von „softem Faschismus“ (http://timesofindia.indiatimes.com/home/opinion/edit-page/Journey-towards-soft-fascism/articleshow/32863642.cms) nicht auf die leichte Schulter genommen werden darf. Sozialdarwinismus kannt nicht durch noch mehr Sozialdarwinismus kuriert werden. Genau das aber wäre Modis autoritär gestütztes Wirtschaftsprogramm.

Auch wenn es unbefriedigend klingt. Aber auf die Herausforderungen, vor denen Indien derzeit steht, gibt es keine Ein-Mann-Medizin!

Wiesengrund 24.04.2014 | 23:59

Ich weiß jetzt auch nicht, was man auf einen Kommentar wie den Ihren antwortet... Ich sag` trotzdem Mal "Danke"!

und damit Sie den Link nach Helvetien nicht nochmals bringen müssen, auch: den hatte ich schon registriert.

Die Frage an Achtermann richtete sich deshalb auf die Info der freien Mitarbeit, die ja offensichtlich den festen Redakteursstatus beim Freitag und damit auch die sonntägliche Tatortkritik hier beendet hat. Hat Herr Dell das irgendwo angekündigt?

Also wenn Sie dazu noch mehr wissen, bin ich ganz Ohr...

...Kochen, Schlafen, Duschen - das machen Journalisten eh im Büro oder unterwegs.

Wiesengrund 23.04.2014 | 00:17

Das Kinde mit dem Bade ausgeschüttet...

Zunächst heißen Hinz und Kunz in Indien Singh und Kumar ;-) Weiterhin finde ich es höchst bedenklich, wenn im Namen dessen was gestern falsch gelaufen ist, alle Anstrengungen um ein besseres Morgen platt gemacht werden. Für den religiösen Frieden, der im Subkontinent sowieso ein fragiler ist, macht es einen immensen Unterschied, ob N. Modi und damit die Hindutva-Bewegung die Deutungs- und Regierungshoheit besitzt oder eine Koalition aus Mitte-Irgendwas, aber halbdemokratischen Rumreformierern. Zumal die BJP in Delhi ein pain-in-the-ass für alle progressiven Individualbewegten - ja die gibt es in Indien auch - wäre, weil dann nur noch patriarchale Blut-und-Boden-Märsche gespielt werden würden.

Wiesengrund 22.04.2014 | 04:30

... Ihr Verweis auf die Einschaltquoten, die viel höhere Protestmehrheiten generieren könnten und ansonsten Beleg für des Publikums Zufriedenheit darstellten, ist entweder zynisch oder positivistisch motiviert - und man weiß nicht was schlimmer ist!

Dass sich genauso viele Gegner von anderen TV-Shows finden ließen, ist im geringsten Falle Spekulation, daneben wünschenswert und in jedem Fall kein Gegenargumet dafür, dass Menschen immer sagen dürfen, wenn ihnen etwas nicht passt. Jeder der das mit Aussagen wie "Umschalten reicht aus" in Abrede stellt, sollte sich einmal nach der Substanz seiner demokratischen Gesinnung befragen. (Zumal es gegen DSDS ja keine Petitionen gibt, die binnen kürzester Zeit Zigtausend UnterzeichnerInnen finden - also liegt inhaltlich offensichtlich ein Unterschied vor)

Natürlich sind die Geschmäcker verschieden, aber das ist seit Kant ein Allgemeinplatz. Und ändert vor allem nichts an der Tatsache, dass über gewisse Dinge - man nennt sie das Politische - ein Diskurs geführt werden will. Und der funktioniert nur, wenn manche Menschen ihre Meinung in die Öffentlichkeit tragen, damit sich andere wiederum dazu verhalten können (vgl. dieses Blog).

Wenn Sie die Petition gegen Lanz als "Schwachsinn" deklarieren und fordern, dass sich die Leute nicht über "derlei Kleinigkeiten aufregen", frage ich mich vielmehr, warum Sie sich darüber aufregen? Ich fürchte, dass da eine Form von Verbitterung, Faulheit oder tiefer Verachtung gegenüber gesellschaftlichen Veränderungsversuchen dahinter steckt?Zumindest einer Zufriedenheit mit der Welt wie sie ist.

Denn die Phrase "als, wenn wir sonst keine Sorgen haben" - á la ´schlimmer geht`s immer`, wirft nicht nur die Frage auf, wer denn dieses "Wir" sein soll, sondern auch, welche Sorgen überhaupt noch artikuliert werden dürfen, wenn man nicht im Südsudan, in Kiew oder Dhaka lebt?

Wiesengrund 21.04.2014 | 23:26

Ein Kommentar und eine Frage:

Solider Tatort, eine Überraschung aus Luzern!

Dass beim Kampf um die Kinder nicht Partei ergriffen wurde, kann gar nicht hoch genung gelobt werden. Solchen Realismus sieht man selten!

Und auch wenn das Schauspiel vom Kommissar das Mittelmaß kaum verlässt, war die Symbolik mit der Bootswohnung gut anelegt. Ohne Basis, zur Abfahrt bereit; als Verhältnis zwischen den Positionen.

Auch die Nebenschauplätze waren gut gewählt. Sowohl die maskulin-mechanischen (Hafen, Autowerkstatt, Fußball-Kneipe) als auch die urbanen Außendrehs (Suche nach Emma auf Überwachungskameras).

Frage: Schreibt Mr. Dell jetzt keine Tatort-Kritiken für den Freitag mehr?

Wiesengrund 23.03.2014 | 23:28

´schließe mich dem Urteil für die erste Liga an. Und füge noch ein Lob für die Musik hinzu. Die sich extrem sensibel, originell und zugleich unterstützend gewirkt hat. Zum Beispiel das Geräusch, das an ein Flugzeug denken ließ, als die Mutter nach der Beerdigung allein vor dem Grab ihrer Kinder steht und offen ließ, ob es nun am Himmel oder im Kopf der Frau passiert.

Ähnlich stark, im Hintergrund, die Tobias-Figur: Mit gutem Englisch und sportlicher Figur, trotzdem annerkennungsbedürftig. An manchen Stellen vielleicht ein bißchen zu devot - "Adresse?"

Wiesengrund 17.02.2014 | 19:17

... unterirdisch! "Bore out zum Miterleben" (FAZ). Dieser Tatort taugt nur noch als Trash. Als Beispiel für "Wie macht man alles falsch".

Für die Fertigproduktbilder, das ganze politisch Fragwürdige und angebliche Polizei Gestammel in und über Ludwigshafen sollte die Stadt den SWR auf Rufschädigung verklagen.

Fraglich auch: Was machen die Backpacker in Ludwigshafen?

Highlights:

- Koppers Krawattenschalaufmarsch: rot, blau, schwarz-weiß. Passend zum Thema wie ein Zirkusdirektor

- "Tatsächlich ein Verrückter!" Herr Rauch würgt einen Bademantelfetzen und wird durchs Aquarium gefilmt - blubb blubb...

- Odenthals Baukastenblicke, als wüsste sie ´was und hätte Spaß dabei, sehen aus wie in der Werbung für Gesichtscreme oder Katzenfutter. Leider ohne Niveau...

- Und dann war da noch ein Gestrüpp und die Odenthal läuft rein und holt sich ein Bum Bum ab.

Wiesengrund 20.01.2014 | 23:59

Lieber Herr Dell,

ich war mir gestern gar nicht sicher, ob die Besprechung von Ihnen stammt - trotz allseitiger Anglizismen... Mir schienen die Sätze im Vergleich zu Ihrer sonstigen Syntax ´eindimensional` und auch die Bilder wenig elegant ("wie der schlechte Mundgeruch dem nüchtern kettenrauchenden Kaffeetrinker"). Haben Sie die Foren-Kritik der letzten Runden berücksichtigt und sind jetzt um mehr Verständlichkeit bemüht? Oder hängt meine Irritation mit der versuchten Ironie (Gegenteiltag) zusammen?

Salut

Wiesengrund

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