Andrej Holm
21.12.2010 | 00:30 27

Berlin: Prenzlauer Berg als hyperlokale Enklave

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Andrej Holm

http://gentrificationblog.files.wordpress.com/2010/12/pbn_2010.png?w=240&h=225Was, sie kennen das Wort Hyperlokalismus noch nicht? Dann könnten Sie einen der wirklich wegweisenden Netzwerk- und Medientrends des kommenden Jahres verpassen:

Nennen Sie es, wie Sie wollen. Hyperlokal, sublokal, local based oder wie auch immer. Einer der Trends für 2011 wird (...) das Thema “Lokales” sein. Also das, was in meiner direkten Umgebung geschieht, abgebildet, zu finden, zu bewerten – über das Internet. Das bedeutet dann: Hyperlokal.

Auch 10 Journalist/innen und Medienschaffende aus Prenzlauer Berg wollten den Trend auf keinen Fall verpassen und sind Anfang Dezember mit dem Projekt "Prenzlauer Berg Nachrichten" (PBN) Online gegangen - natürlich auch irgendwie hyperlokal:

Prenzlauer Berg Nachrichten sind eine kleine, aber innovative hyperlokale Online-Lokalzeitung für den Prenzlauer Berg

Das Online-Medium selbst hat bisher einen begrenzten Informationswert für alle, die sich tatsächlich mit der Bezirkspolitik beschäftigen wollen, bietet aber einen prima Untersuchungsgegenstand für ethnologische Studien zu den diskursiven Raumaneignungsstrategien von Hinzugezogenen in Prenzlauer Berg. Die Themenauswahl und der Grundton der Berichterstattung wirken wie ein Spiegel der neu entstandenen Bildungsbürger-Enklaven. Von den bisher 17 Beiträgen in der Rubrik Politik beschäftigen mehr als die Hälfte mit den Themen der Schule und der Gehwege in der Kastanienallee. Die Macher/innen des Projektes sind den eigenen Angaben nach mit jeder Menge Berufserfahrung ausgestattet - trotzdem darf der Gründer der Prenzlauer Berg Nachrichten gegenüber SpiegelOnline ein irgendwie merkwürdiges Gründungsmotiv vorstellen:

"Die Berliner Blätter ziehen sich aus der Lokalberichterstattung immer mehr zurück", sagt Philipp Schwörbel. Er lebt seit 2003 in Prenzlauer Berg, hat für Gesine Schwan gearbeitet, als die Bundespräsidentin werden wollte. "Ich wusste nicht, wer der Bürgermeister von meinem Bezirk ist und was der überhaupt macht", sagt Schwörbel - in der Berliner Presse fand er keine Antwort.

Ich habe von Lokal-Journalismus nicht wirklich viel Ahnung, finde es aber merkwürdig, dass sich ausgerechnet die Leute dazu berufen fühlen, eine hyperlokale Stadtteilzeitung zu machen, die nicht einmal wissen, wer gerade Bürgermeister im Bezirk ist.

Wie naiv darf Hyperlokalismus sein?

Die Form der selbstbewussten Naivität schlägt sich auch im sogenannten inhaltlichen Konzept nieder. Vier große Themenbereiche werden da vorgestellt:

Wie wollen wir hier zusammen leben? (Politik) Wie organisieren und gestalten wir hier sinnvoll unser Leben? (Leben) Wer sind wir und was machen wir hier überhaupt und ganz konkret? (Kultur) Womit verdienen wir das alles? (Wirtschaft)

Gut, (Hyper)Lokal-Journalismus sollte seine eigenen Ansprüche nicht mit gesellschaftspolitischen Fragestellungen nach den Machtverhältnissen überfrachten - aber angesichts der umkämpften Debatten um die Deutungshoheit der Stadtentwicklung der vergangen 20 Jahre von einem völlig naiven WIR auszugehen verwundet dann doch. Aber vielleicht ist es auch zu viel verlangt ein Nachrichtenportal ausgerechnet an seinem Konzept zu messen. Dann eben doch ein Blick auf die inhaltlichen Beiträge: In der Rubrik Alltag wird der bisher meistgelesene Beitrag empfohlen: Bötzow-Blues. Hinter dem Titel verbirgt sich eine ziemlich beleidigt klingende Legitimationsglosse eines Hinzugezogenen, der die Erinnerung an frühere Zeiten und Verlorenes offenbar als Angriff auf das eigenen Lebensgefühl interpretiert:

Peter Dausend schreibt über sein Lebensgefühl in Prenzlauer Berg und wie es ist, wenn man aus der Zeitschrift Geo erfährt, was einem dabei alles fehlt.

Die Selbstbeschreibung des Autors soll vermutlich selbstironisch klingen:

Peter Dausend, 47, arbeitet als politischer Korrespondent für die Wochenzeitung DIE ZEIT. Der gebürtige Saarbrücker lebt seit 1993 in Berlin. Nach Stationen in Kreuzberg, Charlottenburg und Mitte wohnt er seit mehr als sieben Jahren im Bötzow-Viertel. Und zwar so, wie es sich gehört: mit Frau, zwei Kindern und jede Menge Milchschaum vorm Mund.

Die Kurzfassung seines Beitrags klingt ungefähr so: ihr wollt doch nicht ernsthaft den Zeiten von Gardinenspinnerei und SED-Bürgermeistern hinterher trauern.

Nein, wollen wir nicht und machen wir nicht. Woher dann aber die Aufregung?

Die oft empörte Abwehrhaltung gegenüber einer ostdeutschen Erinnerungskultur scheint mir der Ausdruck einer quasikolonialen Hegemonialstruktur zu sein, die versucht die faktische und praktische Aneignung des Raumes nachträglich auch noch symbolisch zu manifestieren. Seine Wohnung und seine Erinnerungen zu verlieren sei irgendwie nicht so dramatisch, mit dem Gerede darüber das gute Lebensgefühl anzukratzen, ist gemein... und muss irgendwann doch mal ein Ende finden. Ein Kommentar von maxberlin unter dem Beitrag bringt es unfreiwillig auf den Punkt:

Wir schreiben das Jahr 2010 und ob einer nun Ostberliner ist oder von sonstwo zugewandert, sollte eigentlich keine Rolle mehr spielen. Ich spüre im Alltag nichts davon.

Vermutung eins: maxberlin ist eher von sonstwo zugewandert. Vermutung zwei: maxberlin lebt in Prenzlauer Berg und spürt im Alltag mangels Gelegenheit tatsächlich keine Ost-West-Unterschiede. Aber prima, dass es mit der Integration von Ostdeutschen in Prenzlauer Berg so unproblematisch geklappt hat und sie inzwischen abgeschlossen werden konnte...

"Nicht alles über einen Kamm scheren"

Sehr aufschlussreich auch ein kleiner Filmbeitrag "Das ist Prenzlauer Berg". Prenzlauer Berg ist, "wenn jeder etwas anders darin sieht...". Aha. Die Aufgabe der Hyper-Lokal-Journalist/innen scheint darin zu bestehen, ein buntes Kaleidoskop der Meinungen ganz wertfrei nebeneinander zu stellen. Film ab:

Kioskverkäuferin: "Zu 60 Prozent - sag ich mal - wohnen hier noch alte Leute, und die möchten hier aus dem Kiez nicht raus. Also vertrieben werden die nicht." Junge Mutter mit Kind: "Für mich bedeutet er immer noch ein guter Platz zum Leben, auch wenn er jetzt ziemlich teuer geworden ist, so dass wir wahrscheinlich auch nicht mehr so lange hier bleiben können" andere Junge Mutter mit Kind: "Weil das einfach für schlechte Stimmung sorgt die Schwaben-Dresche, die permanente, die da gemacht wird. Das ist für die Neuhinzugezogenen unangenehm natürlich - und für die Verdrängten auch."

Sie wundern sich, dass es gar kein Gejammer über steigende Mieten und Verdrängungsängste gibt? So banale Themen kamen in der Straßenbefragung auch nicht vor. Ein Interviewpartner hat trotzdem schon mal präventiv auf die gar nicht ausgesprochenen Anti-Gentrification-Positionen geantwortet:

"Die Gegenfrage wäre ja später dann, warum hat man denn nicht den Prenzlauer Berg etwa hochwertiger entwickelt. Dann müsste man sich diese Frage aber auch gefallen lassen. (...) Eine Veränderung hat immer auch was von Zahnarzt. Man muss halt hingehen, es tut dann weh und danach ist es dann aber auch gut."

Das einzige heraushörbare Berliner Statement kommt von einem befragten Ordnungsamtsmitarbeiter, der den Wandel von Arbeiterviertel zum Schicki-Micki-Kiez beschreibt. Ein eloquenter Herr mit Schal rückt aber die Weltsicht des neuen Prenzlauer Bergs gleich wieder zurecht und erklärt, das die Zeit der einfachen Wahrheiten nun doch wirklich vorbei sei und man nicht alles über einen Kamm scheren dürfe:

"Das ist ja auch das Interessante, dass es nicht wie früher in Berlin ein Arbeiterviertel gibt, ein Mittelstandsviertel und eins für die Besserverdienenden oder ein Villenviertel, sondern dass die sozialen Grenzen jetzt hier quer durch die Häuser laufen."

Zur Erinnerung: Der Mann spricht von Prenzlauer Berg - dem sozial wohl homogensten Gebiet der Stadt.

Alles gar nicht ernst gemeint?

Kurzzeitig glaubte ich einer Satire aufgesessen zu sein. Ist etwa die Titanic mal wider unter falscher Flagge gesegelt und hat sich ausgerechnet Prenzlauer Berg als Medium des Spotts herausgepickt? Allein die Zusammensetzung der Redaktion klingt wie eine Ansammlung schlechter Klischees.

Die etwa zehn namentlich aufgeführten Redakteur/innen sind zwischen 28 und 47 Jahre alt, sind bis auf eine Ausnahme alle im Westen geboren und haben mindestens ein Studium absolviert. So ungefähr lesen sich auch die Sozialstudien in den Sanierungsgebieten. Und so ungefähr stellt sich das Feuilleton den Bionade-Biedermeier vor. Nicht nur, dass fast alle aus dem Westen zugereist sind, sie machen auch noch alle was mit Medien...

Sicher, dass die Redakteur/innen eines Zeitungsprojektes auch bisher alle was mit Medien zu tun hatten, sollte nicht weiter verwundern. Aber muss es denn immer gleich die Bertelsmann Stiftung sein und das Handelsblatt und die Süddeutsche Zeitung? Müssen Hyper-Lokal-Redakteur/innen in Prenzlauer Berg ein Creative-Village-Praktikum bei der taz hinter sich gebracht haben, als PR-Manager die Bundespräsidenten-Kandiatur von Gesine Schwan unterstützt haben oder im Bereich Literatur/Öffentlichkeitsarbeit für die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Erfahrungen gesammelt haben...?

Ein Zugang zu verschiedenen sozialen Milieus, die Vorstellung verschiedener Perspektiven sind da eher nicht zu erwarten. So wie sich die bisherigen Beiträge lesen sind die Prenzlauer Berg Nachrichten vor allem ein Medium der Selbstvergewisserung eines bildungsbürgerlichen Aufwertungsmilieus. Der hochgelobte Hyperlokalismus droht so zum Hyper-Enklavismus eines sehr eingeschränkten Milieus beizutragen.

zuerst erschienen: gentrificationblog

(Foto auf der Startseite: Screenshot "Prenzlauer Berg Nachrichten")

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (27)

jayne 21.12.2010 | 09:31

es stimmt, diesem "Bötzow-Blues" eignet ein denunziatorischer ton (und ansatz), so ist eine verständigung zwischen den verschiedenen milieus kaum zu bewerkstelligen, und ich glaube, daß das von den prenzlauer-berg-nachrichten-machern auch gar nicht gewollt ist: sie selbst stellen sich einfach dar als das ganze, vereinnahmen es für sich ...
Danke für diesen interessanten beitrag.

Saendra 21.12.2010 | 14:42

Wieso müssen die Redakteure einer Prenzlauer Berg Lokalzeitung einen "Zugang zu verschiedenen sozialen Milieus" haben, wenn es sich bei diesem Berkinbezirk um das "sozial wohl homogenste(.) Gebiet der Stadt" handelt? Die Redakteure geben Einblicke in ihr eigenes Milieu. Ob das interessant ist oder journalistisch sinnvoll, sei dahingestellt. Die Leser erfahren etwas über sich. Ein ähnliches Prinzip verfolgt die Neon. Am Ende bekommt der Einzelne nur die Chance auf Einblicke in andere soziale Schichten, wenn er S-Bahn fährt.

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man 21.12.2010 | 17:36

Danke Herr Holm, dass Sie gelegentlich Ihre Texte hier einstellen. Ich lese sie immer gern.

Um den Diskurs noch etwas semiotisch zu unterfüttern, erlaube ich mir anzumerken, das im Logo der Prenzlauer-Berg-Nachrichten zwar in verkitschter Form die Windmühle aus dem alten Wappen Prenzlauer Bergs aufgegriffen wird, aber es in seinem Gesamtarrangement eher an das Wappen Baden-Württembergs erinnert. Auch so kann man Neuordnungsprozesse unverhohlen zum Ausdruck bringen.

Als ich (in Berlin geboren, in Hohenschöhausen groß geworden) vor Kurzem mit einem Freund (auch in Berlin geboren, in Marzahn groß geworden) in einem Kaffee in der Hufelandstraße sitzend mich mit ihm über die Schliessung des Knaack unterhielt, waren wir dann doch etwas ratlos wohin man seinen Unmut den nun richten soll. Kurz vorher waren wir noch an einem neu eröffneten Gummibärchenladen vorbeigekommen, worauf der Freund meinte, manchmal möchte man die Leute einfach aus Ihren Läden herausholen...

Allerdings kann man ja wohl schlecht einen Farbeimer in die Hand nehmen und "Schwaben raus!" an die Hauswände pinseln.

Letztendlich bleibt am Ende nur die Erkenntnis, wer das Geld hat setzt sich durch - vor allem unter einem Senat der sich darin genügt seine Armut mit Sexiness zu kaschieren.

Don Olafio 21.12.2010 | 22:10

So langsam kriege ich auch den Blues - und es nicht der namens Bötzow...

Der von mir sonst sehr geschätzte Andrej Holm hat sich hier offenbar seine Gentrifikationsbrille derart fest ins Gesicht geschraubt, dass ihm der Blick über die Ränder des Gerätes verwehrt geblieben ist. Da übersieht man schon mal das Naheliegende.

Nicht alles was einem unangenehm auffällt, muss "Gentri" sein...

Als Schwörbel seinen Werbecoup bei SpOn und Kress landete, wurde schnell klar: Der Mann ist ein kleiner Lügenbold, dem es wohl kaum um die Verbreitung wahrheitsgemäßer Nachrichten gehen würde.
"Wir füllen ein Vakuum", log Schwörbel bei Kress - wohl wissend, dass längst schon tatsächlich hyperlokale Portale wie "gleimviertel.de", "leute-am-teute.de", "www.oderberger.org" oder auch das von mir vor rund einem halben Jahr ins Leben gerufene Nachrichten- und Meinungsportal "Prenzlberger Stimme" existieren.

Wer einmal lügt - und das auch noch am Anfang seiner "Medienkarriere"...

Zu bieten hatte Vakuum-Schwindler Schwörbel da außer ein paar lieblos zusammengepfriemelte Versatzstücke zwar noch nichts - aber eine spOn- und kressweite Aufmerksamkeit.
Und die schien ihm wichtiger, als Wahrhaftigkeit und Seriosität - denn dass der Schwindel schnell auffliegen würde, muss auch Schwörbel klar gewesen sein.

Warum ihm offenbar jene Aufmerksamkeit wichtiger ist, als die eigene Glaubwürdigkeit, wird schnell klar, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Besucherzahlen die Währung im Netz darstellen. Und der SpOn- und Kress-Coup muss Schwörbel geradezu astronomische Zahlen beschert haben, die er "hyperlokal" mit eigener Leistung wohl nie hätte erreichen können.

Was er mit jener so erschlichenen, leistungslosen "Netz-Währung anzufangen gedenkt, hat auch schon erklärt.
"Werbeaufträge", ist bei SpOn zu lesen "erhofft er sich von kleinen Betrieben und Läden, aber auch von großen Marken, die auf ein urbanes Publikum abzielen."

Schwörbels Geschäftsmodell scheint klar zu sein.
Je mehr Aufrufe - desto höher der Anzeigenpreis. Gewöhnlich sind Werbekunden (hyper-)lokaler Medien die Geschäftsleute von "nebenan" - eben jene zitierten "kleinen Betrieben und Läden". Für die sind aber ferne Betrachter aus München, Zürich oder Hamburg (wie sie ja durch SpOn und Kress zumeist generiert wurden) uninteressant. Und dass möglicherweise nur einige Promille der imposanten Zahlen Zugriffen aus dem Kiez zuzurechnen sind, kann der Anzeigenkunde aber nicht ahnen: Wirbt er doch bei Schwörbel auf einem "hyperlokalen" Portal.
Der Anzeigenkunde würde also im Falle eines Falles für wirkungslose Aufmerksamkeit aus der Ferne heftig draufzahlen – Schwörbel aber einen satten Gewinn.

Eine zweites "Standbein" wäre das Verfassen von bestellten (und bezahlten - aber nicht als Werbung gekennzeichneten) Beiträgen. Die sähen dann ungefähr so aus, wie ein bei Schwörbel erschienener Artikel über die Neueröffnung einer großen schwedischen Möbelhaus-Filiale (www.prenzlauerberg-nachrichten.de/alltag/_/eine-viertelstunde-bis-bill.html), die zwar nicht einmal in Prenzlauer Berg angesiedelt ist, aber deren Standort aber...ähem..."Für Prenzlauer Berg (...) ein Schritt voraus" sei.

So also, lieber Andrej Holm scheinen Schwörbels Schwurbeleien denn auch weniger die leicht verunglückten Selbstverständigungsversuche entrückter Gentrifikanten zu sein, als vielmehr der Versuch, mit einigen windigen Abzockereien mal richtig Knete zu machen.

Hardy Prothmann 22.12.2010 | 15:39

Guten Tag!

Ich habe zum Start des heddesheimblogs einen eindeutigen Vorteil gegenüber den Prenzlauerberg-Nachrichten gehabt: Ich kannte den Namen des Bürgermeisters.

Ansonsten wusste ich Anfang 2009 über den Ort, in dem ich lebe, nur sehr wenig.

Das hat sich geändert, seit ich über diesen Ort berichte. Und genauso ging es mir mit Ladenburg, Hirschberg und nun Weinheim, wo ich ebenfalls lokale Blogs betreibe.

Der große Vorteil für einen wie mich, der von außen kommt: Alles ist neu, es gibt keine Seilschaften, in denen ich mich verheddern könnte, aber jede Menge tolle Themen.

Deswegen finde ich jedes Blog, dass entsteht, um lokaljournalistisch zu arbeiten, erstmal grundsätzlich gut.

Was ich nicht verstehe, wie man so einen langen Aufreger-Riemen schreiben kann, wo doch gerade mal 17 Artikel auf PBN erschienen sind und das Angebot drei Wochen am Start ist.

Was ich verstehe, sind Vorwürfe wie "Zugezogener" (bei uns heißt das noigeplaggd). Hier kommen die Vorwürfe allerdings von verbohrten Dörflern, die Angst um ihre kleine Ortsmafia haben.

Wahrscheinlich gibt es das aber auch in Berlin und seinen Bezirken.

Und wenn es tatsächlich so wäre, dass dieses neue Blog nur eine gewisse Klientel bedient, die sich dafür interessiert, dann ist das doch in Ordnung, noch mehr, wenn sich diese Arbeit finanzieren lässt.

Oder schreiben Sie demnächst einen bitterbösen Artikel über die Märklin-Zeitung für Eisenbahner? Weil hier nur Eisenbahn-Freunde bedient werden und keine anderen Milieus?

Ich wünsche den PBN und allen Blogs überall einen erfolgreichen Start und einen langen Atem - den braucht man gegen viele Widerstände, wie dieser Artikel belegt.

Beste Grüße
Hardy Prothmann

Don Olafio 22.12.2010 | 17:55

Ja, ne, klar...- der unvermeidliche Hardy Prothmann...

"Der große Vorteil für einen wie mich, der von außen kommt: Alles ist neu, es gibt keine Seilschaften, in denen ich mich verheddern könnte, aber jede Menge tolle Themen..."

Hallo, huhu, Herr Prothmann...!

"Seilschaft" sind Sie zumindest in Heddesheim erstmal selbst: Sie sind dort Gemeinderat... und schreiben als - na klar - unabhängiger und objektiver Journalist über die Arbeit des Gemeinderates. Und sobald der Bürgermeister mal einen Furz lässt, der Ihrer Geruchspräferenz zuwiderläuft, ist er in Ihrem unabhängigen Blog - was sonst - ein "Feind der Pressefreiheit". Ein Verein lädt sie nicht zu seiner Jahresversammlung ein? Feinde der Pressefreiheit...

Prothmann...

Was Sie machen, das ist ungefähr so, als würde "Siggi Pop" Gabriel eine eigene Zeitung unterhalten und darin objektiv und unabhängig über die Arbeit der Bundesregierung berichten.

Ja, Prothmann?

Doch, in Ihrem Blog kommt zuweilen auch Heddesheim vor (oder Hirschberg oder Ladenburg) - vor allem aber kommt da Prothmann vor: Prothmann und der Heddesheimer Bürgermeister (pöhse!), Prothmann und der Gemeinderat (zu neun Zwölfteln pöhse), Prothmann und der "Mannheimer Morgen" (ganz, ganz pöhse), Prothmann und der Hirschberger Bürgermeister (ganz toll - deshalb Hofberichterstattung von der Märchenhochzeit des Gemeindchefs mit weit über 100 Fotos...)

Proooothmann!

Ja doch, ja, Sie sind ein begnadeter Selbstdarsteller. Das muss man sein, wenn die Eitelkeit so überbordend ist. Da kriegt man dann auch viele, viele Einladungen zu Konferenzen und so. Und manchmal wird man auch wieder ausgeladen - weil der gute Prothmann nicht an sich halten konnte, und eine Kollegin öffentlich...naja...fäkalsprachlich.... - aber die war ja auch vom „Mannheimer Morgen“ - also ganz, ganz, ganz pöhse. Und die erst Ein- und dann wieder Auslader waren - wir ahnen es bereits - Feinde der Pressefreiheit.

Prothmann...

Wie war das doch gleich mit den Waaaahnsinns-Zugriffszahlen bei Heddesheimblog und Co? Ich krieg das jetzt nicht mehr so ganz zusammen. Muss ich auch nicht, denn Markus Merz hat das ja hier markus-merz.posterous.com/tag/hardyprothmann und hier markus-merz.posterous.com/hardy-prothmann-heddesheimblog-klappern-gehor sehr schön zusammengefasst.

Ach, Prothmann...

Auch die Finanzierung mittels Werbung läuft sowas von rund. Eine ganz dezente Werbung ist das. Man sieht sie kaum. Daher ist sie wohl auch so erfolgreich. Auch für die Inserenten. Deshalb wird wohl auch jenes Taxiunternehmen, das mal ein paar Wochen lang im Kopf des H'blogs warb, die Anzeige wieder zurückgezogen haben: Zu viele Kunden seit der Schaltung bei Prothmann...
Und weil die ganzen Werbebanner gar nicht mehr unterzubringen sind, verlegt man sich nun zuweilen auch schon mal auf... öhem..."Sonderveröffentlichungen".

Lieber Hardy Prothmann, es mag ja Gegenden geben, in denen Ihre Masche noch verfängt. Hier wohl aber eher nicht.

Gruß nach Heddesheim

Olaf Kampmann

Don Olafio 26.12.2010 | 01:40

Görlitz, Markus Merz, Kampmann, ... - alle doof (bzw. Krakeeler), außer Prothmann.

Na denn… schaumermal was der unabhängige und objektive Journalist P. in den vergangenen Tage aus und über Heddesheim so zu berichten hatte... - ah ja:

5 (in Worten: FÜNF) Beiträge über Prothmann

1) 23. Dezember „Der Schauprozess“. heddesheimblog.de/2010/12/23/glaserner-gemeinderat-der-schauprozess/
Prothmann berichtet ganz objektiv und unabhängig über die „Anti-Prothmann-Front” bzw. darüber, dass - ach Gottchen - der Gemeinderat von Heddesheim Prothmann eine Missbilligung ausgesprochen hat. Weil Prothmann sich – wieder einmal – daneben benommen hatte. Das ist dann ein Akt „gegen das Grundgesetz“. Meinungsfreiheit und so. Da stellt Prothmann den Prothmann natürlich sofort auf eine Stufe mit Heine und Büchner: Heinrich Georg Prothmann - der Märtyrer von Heddesheim... . Der nur dann Grenzen der „Meinungsfreiheit“ erkennt, wenn man seine Verbalinjurien mit gleicher Münze zurückzahlt. Das ist dann „üble Vulgärsprache“…

2) 23. Dezember „Doll fordert Unterlassungserklärung von Prothmann“ heddesheimblog.de/2010/12/23/doll-fordert-unterlassungserklarung-von-prothmann/
Prothmann berichtet darüber, dass Prothmann sechs Wochen zuvor(!!!) von einem politischen Gegner mit einer Unterlassungsaufforderung bedacht wurde. Dies ist ihm Anlass, Auszüge aus einem zwei Monate alten, sprachlich völlig entgleisten, dafür aber inhaltsarmen Pamphlet wider seinen politischen Gegner erneut auf seine Seite zu laden. (Wenn „Krakeelerei“ irgendwo zutreffend ist, dann hier)

3) 23. Dezember „Chance vertan“ heddesheimblog.de/2010/12/23/chance-vertan/
Weil offenbar allen anderen die Sache zu albern war, musste nun auch noch die eigene Ehefrau ran: Sabine Prothmann kommentiert ganz unabhängig und objektiv den Vorgang Gemeinderat vs. Prothmann.

4) 23. Dezember: „Top-Thema 'Missbilligungsantrag'“ heddesheimblog.de/2010/12/23/top-thema-missbilligungsantrag/
Klar, weil Gemeinderat Prothmann für ungebührliches Benehmen (das er auch gar nicht bestreitet), missbilligt werden soll, ruft Journalist Prothmann ein „Top-Thema“ aus, denn: Die Missbilligung Prothmanns Ungebührlichkeit hätte Prothmanns „soziale Ächtung” zum Ziel.

5) 22. Dezember: „Heute können Sie Transparenz erleben“ heddesheimblog.de/2010/12/22/glaserner-gemeinderat-heute-konnen-sie-transparenz-erleben/
Prothmann über den anstehenden Missbilligungsantrag gegen Prothmann: In der Art eines Acht-Klässler-Aufsatzes mit Stilblüten und Syntaxfehlern zeichnet Prothmann ein Bild von Prothmann, das an ein kleines, bockiges Kind erinnert.

Das also sind die fünf aktuellsten Artikel im "Heddesheimblogs".

Herr Prothmann, die Rasanz Ihrer Selbstdemontage ist schwindelerregend...

Olaf K

Hardy Prothmann 26.12.2010 | 14:10

Guten Tag!

Ihre Antwort bestätigt meinen Eindruck - erstens durch die krakeelerische Art und zweitens durch die leider falschen Aussagen und Anspielungen.

Ich habe nicht behauptet, dass irgendjemand "doof" ist. Das empfinden Sie vielleicht über sich selbst, Herr Kampmann.

Ich bin unabhängig - auch im Gemeinderat - und bekenne mich seit langem zum subjektiven Journalismus.

Es gibt auch nicht fünf Beiträge über mich selbst - in den Texten kommen jede Menge andere Personen vor.

1) Es handelt sich nicht um einen objektiven "Bericht", sondern um einen subjektiven Kommentar. Sie übernehmen dabei gerne ein "sich daneben benehmen" als faktisch gegeben an. Das behaupten in der Tat CDU und FDP und Sie schließen sich ungeprüft dieser Behauptung an und tun so, als wüssten Sie, wovon Sie schreiben: "wieder einmal".
Nicht der Missbilligungsantrag ist ein "Akt gegen das Grundgesetz", sondern die Ablehnung meines Antrags, dass der Gemeinderat jegliche Form der Sanktionierung von Artikel 5 zurückweist - Sie müssen schon genauer lesen, Herr Kampmann.

Heine und Büchner sind keine Märtyrer und ich habe auch nicht vor, einer zu werden, weil das mein Ableben voraussetzen würde.

Auch ist Ihre Behauptung falsch, ich würde die Grenzen der Meinungsfreiheit nur dann erkennen, wenn man es mir mit gleicher Münze heimzahlte. Auch das ist nirgendwo im Text zu belegen und zeigt leider nur ihre ganz enorme analytische Schwäche.

2) Die von einem CDU-Mitglied geforderte Unterlassungserklärung ist ein juristischer Vorgang. Ich erspare Ihnen die Erläuterung der Zusammenhänge, weil ich davon ausgehe, dass das zu kompliziert ist für Sie.

3) Meine Frau berichtet eben nicht "ganz objektiv" wie Sie schreiben. Im zweiten Absatz schreibt sie:
"Und um es gleich vorweg zu nehmen, ich bin mit Hardy Prothmann verheiratet und folglich “befangen”. Ich darf aber trotzdem meine eigene Meinung haben."

4) Leider reichen weder ihre analytischen noch journalistischen Fähigkeiten im Ansatz aus, um erkennen zu können, dass ein "Missbilligungsantrag" ganz sicher das "Top-Thema" für eine kleine Gemeinde wie Heddesheim ist.

5) Sie halten mich für einen "kleinen, bockigen Achtklässler". Ich halte Sie nach wie vor für einen Krakeeler ohne jeden journalistischen Verstand.

Sie haben sich ausreichend präsentiert, um mir eine Meinungsbildung über Sie zu ermöglichen.

Und Sie haben ganz sicher Verständnis dafür, dass ich Ihnen keine Individualbetreuung anbieten kann. Im Branchenbuch finden Sie ausreichend Adressen, die professionelle Hilfe anbieten.

Beste Grüße
Hardy Prothmann

Don Olafio 26.12.2010 | 16:47

Lieber Georg Heinrich Prothmann,

meine "analytischen Fähigkeiten" mögen ja äußerst unterentwickelt sein... - bloß: Es bedarf überhaupt keiner solchen Fähigkeit, um zu erkennen, dass die o.g. fünf aktuellsten Artikel von Prothmann über Prothmann sind. (Sie können ja mal auf www.prenzlberger-stimme.de schauen, ob Sie da auch nur einen einzigen Beitrag "Kampmann über Kampmann" finden...)
Ja doch, ja - "subjektiver Journalismus"... . Subjektivität finde ich bei Ihnen ausreichend - aber wo ist der Journalismus?

Und sonst?

Und sonst scheinen Sie offenbar nicht in der Lage zu sein, eben Gelesenes auch nur halbwegs zutreffend wiederzugeben.
Schrieb Kampmann "In der Art eines Acht-Klässler-Aufsatzes mit Stilblüten und Syntaxfehlern zeichnet Prothmann ein Bild von Prothmann, das an ein kleines, bockiges Kind erinnert" - behauptet Protmann nun, gelesen zu haben: "Sie halten mich für einen 'kleinen, bockigen Achtklässler'".
Sie stellen sich selbst so dar - nicht ich.

Es ist bedauerlich, aber offensichtlich sind Sie auch nicht in der Lage, dass selbst Geschriebene zu erinnern. Wie sonst wäre diese Ihre Äußerung möglich? "Sie übernehmen dabei gerne ein ‚sich daneben benehmen’ als faktisch gegeben an. Das behaupten in der Tat CDU und FDP und Sie schließen sich ungeprüft dieser Behauptung an... ."

Zitat Prothmann/Heddesheimblog: "Ich habe gestern meine Bemerkung gegenüber Herrn Hasselbring als 'unangebracht' zurückgezogen..."

Und zu dem: "...und tun so, als wüssten Sie, wovon Sie schreiben: 'wieder einmal'"… - kann ich nur sagen: Ja, ich weiß, wovon ich schreibe. Sie erinnern sich an Ihren Beitrag bezüglich der Kollegin Görlitz, den Sie von Ihrer Seite nehmen mussten...? Nein? Ich schon...

Nett auch Ihr Hinweis: "Die von einem CDU-Mitglied geforderte Unterlassungserklärung ist ein juristischer Vorgang."
Ei, wer hätte das gedacht... .

Nur: Es entging Ihnen beim Lesen, dass nicht jener "juristischer Vorgang" Inhalt meiner Auslassungen war, sondern der Umstand, dass Sie schon Wochen später darauf mit dem erneuten Ins-Netz-Stellen eines mit Syntaxfehlern und Stilblüten geschmückten Pamphlets reagierten, das die Bezeichnung "Krakeelerei" nun ehrlich verdient hat.

Ach ja, die Stilblüten...

"Es gibt auch nicht fünf Beiträge über mich selbst - in den Texten kommen jede Menge andere Personen vor."

"Heine und Büchner sind keine Märtyrer und ich habe auch nicht vor, einer zu werden, weil das mein Ableben voraussetzen würde."

Da bleibt einem nur, Heine und Büchner noch ein langes Leben zu wünschen...

Ergebenst

Ihr Olaf K