EIN OLIGARCH MACHT SICH VOM ACKER

Piëchs Abtauchen Wie verdrückte sich Ferdinand Piëch, der jahrelange Vorstandsvorsitzende und Aufsichtsratsvorsitzende von VW, kurz vor dem Bekanntwerden des Abgas-Betrugs?
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PIËCHS ABTAUCHEN
ODER
EIN OLIGARCH MACHT SICH VOM ACKER

Ferdinand Karl Piëch (* 17. April 1937 in Wien) ist ein österreichischer Manager und Großaktionär der Porsche Automobil Holding SE. Von 1993 bis 2002 war er Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, danach deren Aufsichtsratsvorsitzender. Am 25. April 2015 legte er sein Amt als Vorsitzender des Aufsichtsrates sowie alle seine Aufsichtsratsmandate innerhalb des Volkswagen-Konzerns nieder.

VW-Abgas-Betrug

Piëchs Rolle beim VW-Abgas-Betrug ist ungeklärt, vor allem, wann er von den Vorwürfen erfahren haben soll. Piëch behauptet, er habe Mitglieder des Aufsichtsrats wie den Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Stephan Weil, und den Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh frühzeitig über „Unstimmigkeiten“ im Bereich der Software informiert. Im Februar 2017 lehnte er es ab, als Zeuge vor dem Bundestags-Untersuchungsausschuss auszusagen.

Ein Oligarch macht sich vom Acker

Sehen wir uns nun den schön zu verfolgenden Weg an, auf dem sich ein deutscher Oligarch Namens Ferdinand Piëch vom Acker gemacht hat. Dazu ist es hilfreich, sich mit dem Geschehen etwas vertraut zu machen:

Mit einer theatergerechten Aufführung fand im März 2015 eine angebliche „Machtprobe“ zwischen dem Oligarchen Ferdinand Piech und seinem Ziehsohn (wie der Spiegel schrieb) und Angestellten Martin Winterkorn statt.

Ferdinand Piëch hat beinahe alle Verbindungen zum VW-Konzern gelöst. Laut FAZ vom 08.11.2017 hat er seine Aktienbeteiligung verkauft. Sein Aufsichtsratsmandat gab er ab.

Im Einzelnen:

Mit dieser theatergerechten Aufführung, die im obigen bezeichneten Artikel beim Spiegel nachzulesen war, fand im März 2015 eine angebliche „Machtprobe“ zwischen dem Oligarchen Ferdinand Piech und seinem Ziehsohn und Angestellten Martin Winterkorn statt.

Dieser „Schau-Kampf“ ging am Ende (wunschgemäß) so aus, dass der Oligarch Piëch sich verdrückte und sein angestellter Ziehsohn die Leitung übernahm.

Warum dieses Theater ein „Schau-Kampf“ war, und nur dazu diente, Piëch einen für die Öffent- lichkeit plausiblen schnellen Abgang zu gestatten, der keine Fragen aufwirft, ergibt sich bei einem genauerem Hinsehen:

Ferdinand Piëch sagte gegenüber der Braunschweiger Staatsanwaltschaft Ende 2016 aus, er selbst habe Ende Februar 2015 von einem Informanten den Hinweis erhalten, dass VW ein großes Problem in Amerika habe, weil das Unternehmen mit Hilfe von Software bei den Abgaswerten betrüge.

Dies berichteten mehrere Publikationen Anfang Februar 2017, u.a. die FAZ.

Der „Patriarch“ von VW will von dem jahrelang (vermutlich seit spätestens 2008) praktizierten gigantischen wohlorganisierten Abgasbetrug erst 2015 von einem Informanten erfahren haben (?!). Auf jeden Fall war für Ferdinand Piech nach eigenem Bekunden vor der Staatsanwaltschaft Braunschweig seit diesem Februar 2015 klar, dass sich in den USA Ermittlungen zu den Betrügereien abzuzeichnen begannen, die ja auch im August 2015 offiziell gestartet wurden.

Höchste Zeit, mal schnell die Kurve zu kratzen. Wie schnell dieses „Kurve kratzen“ vor sich ging? Sehr schnell! Im Februar 2015 ist Piëch klar, dass sich in den USA ein Sturm zusammenbraut und im März findet bereits das Theaterstück „Machtprobe“ mit Piëch und Winterkorn in den Hauptrollen statt. Dieses rasche Handeln zeugt auf jeden Fall von Entscheidungsfreudigkeit des Oligarchen!

So fand sich der Angestellte Winterkorn, der „Machtprobengewinner“ des Jahres 2015, knapp zwei Jahre später (Ende Januar 2017) in der Situation wieder, dass er auf dem besten Weg war, den Sündenbock für den bandenmäßigen Milliardenbetrug abzugeben. Und sein Chef Piëch sitzt außerhalb der Scheinwerfer unbehelligt in Salzburg.

Am 18. September 2015, einem Freitag, legten die US-Umweltbehörden den Abgasskandal offen: Mehr als eine halbe Million VW-Dieselfahrzeugbesitzer wurden in den USA mit der Hilfe von illegalen Abschalteinrichtungen bandenmäßig betrogen. Am Montag drauf brach die VW-Aktie um etwa 20 Prozent ein, der Konzern verlor an nur einem Tag etwa 15 Milliarden Euro seines Börsenwerts. Erst am Tag später, dem 22. September 2015, veröffentlichte VW dann eine Pflichtmitteilung, die das Ausmaß der Affäre und die damit verbundenen Milliardenrisiken offenbarte.

Laut Klägeranwalt Andreas Tilp hätte der VW-Konzern schon vor gut zehn Jahren zugeben müssen, dass er die Abgasgrenzwerte in den USA nicht legal einhalten konnte. Denn um das Jahr 2008 sei erstmals eine Betrugssoftware eingesetzt worden. Tilp beruft sich auf das weitreichende Geständnis des VW-Konzerns in den USA.

13:15 31.03.2019
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