Prinzessin mit Bankkonto

Männersache Down-Dating? Nein, danke: Laut einer aktuellen Umfrage suchen Frauen weiterhin bewusst besser verdienende Männer. Warum sind sie so auf den sozialen Status fokussiert?
Prinzessin mit Bankkonto

Illustration: Otto

Geschichten wie Pretty Woman sind ein großes Ärgernis. Nicht nur, weil unzählige Menschen ihren Partnern zuliebe Stunden voller Kitsch und Klischees ertragen mussten. Nein, der Schaden ist größer. Einer aktuellen repräsentativen Umfrage der Zeitschrift Petrazufolge lehnen nämlich 59 Prozent der Frauen zwischen 29 und 39 Jahren in Deutschland eine Beziehung mit einem Mann ab, der weniger Geld als sie selbst verdient. „Down-Dating“ kommt für sie nicht in Frage. Der soziale Status des Mannes ist trotz aller Emanzipation weiter ein entscheidendes Kriterium der Partnerwahl.

Lebensweg Prinzessin

In Film und Literatur ist das ein vertrautes Motiv: Attraktive Frau aus bescheidenen Verhältnissen trifft gut betuchten Mann – sie verlieben sich – trotzen mit ihrer Beziehung den Konventionen – Happy End. Die Umfrage der Petra legt nahe, dass solche Prinzessinnenfantasien noch eine starke Wirkung auf Frauen ausüben. Einen reichen Mann zu heiraten, scheint für viele ein legitimes Lebensziel zu sein. Ein solches Statusdenken ist offensichtlich mit der Gleichberechtigung der Geschlechter nicht vereinbar. Warum ist der „Lebensweg“ Prinzessin dann aber noch so ein wirkmächtiges Rollenbild?

Evolutionsbiologen weisen gern darauf hin, dass Frauen grundsätzlich mehr Wert auf den sozialen Status des Partners legen als Männer. Seit der Steinzeit sei dies Teil der weiblichen Natur, um das Überleben zu sichern. Die Fixierung auf einen finanzstarken Ernährer sei die Fortschreibung des archaischen Rollenbildes. Erklärungsversuche ohne frühgeschichtlichen Bezug gibt es auch: Die Erfolge der Frauenbewegung haben Frauen die Möglichkeit eröffnet, selbst Karriere zu machen und Ansprüche auf einen hohen sozialen Status zu erheben. Das versetzt sie erst in die Position, Statusaspekte in die Partnerwahl miteinzubeziehen. Zu diesem neuen Statusbewusstsein passte, dass sich knapp drei Viertel der Befragten für getrennte Bankkonten in Beziehungen aussprechen.

Konto mit Limite

Fest steht aber auch, dass auf die Konten weiblicher Erwerbstätiger im Vergleich zu wenig Geld fließt. In keinem anderen europäischen Land unterscheiden sich die Löhne von Männern und Frauen so stark wie in Deutschland: Frauen kassieren etwa ein Viertel weniger. So gesehen ist das Statusdenken der Frauen Ausdruck einer fundamentalen finanziellen Benachteilung der weiblichen Bevölkerung. Gegen diese strukturelle Schieflage müssen Männer und Frauen gemeinsam angehen, keine Frage. Solange Frauen aber auf die innere Prinzessin hören, wird man da wenig Erfolg haben.

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