Handschrift und Persönlichkeit?

Handschrift Den meisten Menschen ist die Analyse von Handschriften höchstens aus dem Krimi bekannt.
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Welche Verbindung gibt es zwischen Handschrift und Persönlichkeit?

Den meisten Menschen ist die Analyse von Handschriften höchstens aus dem Krimi bekannt. Spezialisten aus der Spurensicherung oder ein „Profiler“, schauen sich Schriftproben an und analysieren, welche Charaktereigenschaften der Täter hat, wie alt er ist und wie er wohl denkt. Erstaunlicherweise beruhen diese Details aus Geschichten und Unterhaltung auf wirklichen Berufszweigen. Und nicht nur das – immer wieder hört man, dass der Zusammenhang zwischen Handschrift und Charakter auch umgekehrt funktioniert: Die Schrift ist demnach nicht nur der Ausdruck der Person, sondern wir können auch unsere Handschrift ändern und damit unsere Charaktereigenschaften verbessern. In diesem Artikel finden Sie eine kleine Einführung ins Thema.

Verwendung bei der Polizei und in der Psychologie

Es gibt durchaus Experten bei der Polizei und in der Psychologie, die sich wirklich mit dem Thema beschäftigen. Bei der polizeilichen Arbeit wird hier oft analysiert und verglichen, ob eine bestimmte Person einen bestimmten Text geschrieben hat. Seltener werden dabei auch Rückschlüsse auf die Person gezogen. Dieser Bereich wird eher in der Psychologie benutzt und auch hier in den allermeisten Fällen nur als ein Aspekt in einer größeren Untersuchung. Denn eine psychologische Auswertung des Schriftbildes gilt in der Regel als zu umstritten, als das sie alleine angewendet werden würde.

Da in vielen Forschungsbereichen gegensätzliche Ansichten vertreten werden, ist es für Laien an dieser Stelle schwierig einzuschätzen, wie zuverlässig die Erkenntnisse in diesem Bereich sind. Als Bestandteil einer weiter gefassten Analyse ist allerdings durchaus davon auszugehen, dass sich der Charakter auch am Schriftbild wiedererkennen lässt. Ruhige Menschen schreiben sicher seltener hastig und auch Unzufriedenheit oder geringes Selbstbewusstsein sollen laut einigen Vertretern der „Grafologie“ deutlich im Schriftbild sichtbar sein.

Geringes Selbstbewusstsein, Pessimismus, Unzuverlässigkeit – sichtbar auf dem Papier?

Auch hier setzt sich die Diskussion im Bereich weiter fort. Die eine Seite argumentiert, dass die „Erkenntnisse“ nicht wissenschaftlich genug belegt seien, oder dass Studien zum Thema die Theorien nicht ausreichend beweisen würden. Die andere Seite wiederum geht davon aus, dass viele Charaktereigenschaften in der Handschrift der Person ablesbar sind. Auch hier ist es für Außenstehende noch schwierig sich eine fundierte Meinung zu bilden. Aussagen aus diesem Bereich scheiden daher oft die Geister. Ein Beispiel wäre der Satz: „Menschen, die den Querstrich im kleinen ‚T‘ tief setzen, haben oftmals Probleme mit dem Selbstbewusstsein. Im Gegensatz dazu neigen Menschen, die diesen Strich weiter oben durch das ‚T‘ machen, dazu selbstbewusst zu sein und Risiken bewusst anzupacken.“

Solche Aussagen klingen für viele Menschen einerseits vorstellbar, doch auch irgendwie abwegig. Gleichzeitig müssen die meisten von uns wohl zugeben, dass sehr viele wissenschaftliche Erkenntnisse sehr abwegig klingen. Würden Sie beispielsweise intuitiv darauf kommen, dass sich ein brennbares Gas (Wasserstoff – „H“) mit einem Brandbeschleuniger (Sauerstoff – „O“) zu Wasser (H2O) verbindet, und dann alles andere als brennbar ist? Ein weiteres Beispiel wären die aktuellen Annahmen aus der Quantenphysik. Sie klingen für die meisten von uns wie aus einer anderen Welt.

Der Umkehrschluß – Grafotherapie

Grafotherapie (auch Schreibbewegungstherapie genannt) baut auf der Annahme auf, dass nicht nur die Schrift den Charakter zeigt, sondern auch prägt. Hier üben Menschen dann also, in einer Art und Weise zu schreiben, die zu den gewünschten Charaktereigenschaften gehören. Auch hier ist derzeit noch umstritten, bei welchen Problemen diese Therapieform helfen kann. Oftmals wird sie auch mit anderen Therapieformen kombiniert, sodass es schwierig sein kann, Auswirkungen klar auf die Schreibbewegungstherapie zurückzuführen. Wen das Thema weiter interessiert, der findet mehr Informationen zum Stand der Wissenschaft in diesem Artikel.

Mit der Hand schreiben ist gesund

Auch wenn die Effekte der Grafotherapie bisher umstritten bleiben, gibt es einige Erkenntnisse, die von vielen Wissenschaftlern geteilt werden: Der Umstand, dass es keine gute Idee ist, wenn insbesondere Kinder (aber auch Erwachsene) nur noch am Computer und Telefon tippen, anstatt zu schreiben. Hier kommt es vor allem darauf an, dass überhaupt mit der Hand geschrieben wird.

Untersuchungen aus dem Jahr 2012 deuten darauf hin, dass es beispielsweise besonders Kindern gut tut, die Unregelmäßigkeit von geschriebenen Buchstaben zu überwinden und das Geschriebene erkennen zu müssen. Anscheinend gehen hier Potenziale verloren, wenn Kinder immer bloß dieselben genormten Buchstaben sehen. Hier sind Eltern in die Verantwortung genommen, Kinder zum Schreiben mit der Hand zu animieren. Ob Sie mit Ihren Jüngsten also gemeinsam Logos für Kugelschreiber entwerfen und diese bedrucken, ob Sie ihnen Regeln für die Nutzung von Handys und Computern vorschreiben, oder ob Sie sich mit ihnen hinsetzen und gemeinsam zeichnen, malen und schreiben, liegt an Ihnen. Doch Sie sollten auf jeden Fall darauf achten, dass Ihr Kind nicht bloß an Bildschirmen tippt.

08:15 14.08.2017
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