Mr. Obama hat sich geirrt

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Sein politischer Instinkt und sein Talent, im richtigen Moment die richtigen Worte zu finden, müssen ihn einfach im Stich gelassen haben. Anders ist er nicht zu erklären, dieser lakonische Kommentar, den der Präsident der Vereinigten Staaten öffentlich abgeben ließ, kurz nachdem am 22. April die BP-Ölplattform im Golf von Mexiko untergegangen war -und seine Fehleinschätzung der Situation noch Tage danach.

Natürlich bedauere Mr. Obama das Unglück. Trotzdem, so sein Sprecher Robert Gibbs damals weiter, ändere sich dadurch nichts an seiner Einstellung zu Bohrungen an Amerikas Küsten. Der Vorfalleröffne keine weiteren Fragen, und es werde sicher nicht die letzte Plattform sein, die unterginge. Denn Amerika brauche eine Ausweitung dieser Ölbohrungen, um sich in seinem Energieverbrauch unabhängiger zu machen.

Obama und seinen Beratern muss hier das politische Fingerspitzengefühl kurzfristig verloren gegangen sein. Anders lässt sich diese kühle Stellungnahme nicht erklären, und auch nicht die lange Abwesenheit vom Ort der Katastrophe.

Erst dreizehn Tage nach dem Unglück reiste Obama in den Süden, um den betroffenen Anwohnern persönlich Mut zuzusprechen. Für die meisten zu spät. Sie fühlen sich, wie damals nach dem verheerenden Hurrikan "Katrina", im Stich gelassen, Jahre später, von einem anderen Präsidenten.

Der ist inzwischen eifrig darum bemüht, seine Landsleute wissen zu lassen, dass er den Ernst der Lage erfasst hat: Möglicherweise, so Obama, werde es sich um eine noch nie dagewesene Katastrophe handeln. Dafür, so versicherte der US-Präsident den betroffenen Anwohnern weiter, sei BP verantwortlich, und BP werde den Preis dafür bezahlen.

Bemühungen um Schadensbegrenzung, die nicht darüber hinwegtäuschen können, dass Barack Obama sich geirrt hat, indem er die Bedeutung des Vorfalls falsch einschätzte. Das wird ihn auch bei seinen Wählern Punkte kosten. Nicht nur BP, auch Obama wird für den Untergang der Bohrinsel bezahlen müssen.

13:42 03.05.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Anette Lack

Journalistin in Hamburg
Schreiber 0 Leser 0
Avatar

Kommentare 9