Achterbahnfahren für Obama

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Immer wenn ich etwas herbeisehne, dass jenseits alles Wahrscheinlichen liegt, setze ich etwas ein. Ich sage: "Pass auf, Schicksal oder Fügung oder wie immer Du heisst; wenn das, was ich mir so wünsche, in Erfüllung geht, mache ich im Gegenzug etwas, was ich sonst niemals bzw. nur unter Androhung von Gewalt ausführen würde. Versprochen."

Das letztemal, als ich gegen das Schicksal verlor, ging es um eine Geschichte, die ich unbedingt in einem bestimmten Medium platzieren wollte. Die Möglichkeit dafür tendierte gegen Null, aber das Schicksal wollte mich offensichtlich schwitzen sehen: Seitdem muss ich regelmässig ins Fitness-Studio. Denn an so einen Pakt muss ich mich natürlich halten. Nicht auszudenken, was sonst passieren würde...

Nun lag es im Frühling 2008 ausserhalb meiner Vorstellungskraft, dass Barack Obama als Präsident der Vereinigten Staaten ins Weiße Haus einziehen würde. Andererseits wünschte ich es mir so sehr: Neben all den Gründen, die sonst dafür sprachen, schien es für mich ein Symbol dafür, dass Wunder möglich sind.

Anscheinend war hier wieder mal von meiner Seite ein Einsatz fällig, und zwar einer, der es mit der Größe und Wucht dieses Traums aufnehmen könnte; etwas Unvorstellbares, ungeheuer Mutiges, nie Dagewesenes.

Nach einigem Nachdenken hatte ich schließlich die Idee: Seit Jahren versucht meine Tochter mich dazu zu überreden, auf dem Hamburger Dom in Karussells einzusteigen, die nicht nur beträchtlich an Fahrt, sondern auch an Höhe aufnehmen. Meine Höhenangst ist aber so ausgeprägt, dass ich schon auf einem Balkon im ersten Stock den Drang verspüre, mich hinunterzustürzen. Und übel wird mir bereits in Kinderkarussells mit Feuerwehrwagen.

Ihr Betteln "Wenn schon nicht die Achterbahn,dann wenigstens ins Riesenrad!" (Jugendliche sind Sadisten) blieb also bisher unerhört: Niemals, unter keinen Umständen!

So unwahrscheinlich schien es mir damals, dass Obama Präsident werden würde, dass ich zu ihrem Entzücken und vor Zeugen sprach: "Schafft er es, gehe ich mit Dir in die Achterbahn."

Der Ausgang der Wahl ist bekannt.

Nun konnte ich das Ganze im vergangenen Winter ("zu kalt") und Frühling ("Kopfschmerzen") noch hinausschieben. Jetzt sind die Ausreden verbraucht, heute ist mein D-Day. Heute muss ich in die "Wilde Maus". (Der "Super-Looping" bleibt mir hoffentlich erspart). Offzielle Werbung: "Von der Wilden Maus haben Sie einen wunderbaren Blick über ganz Hamburg!"

Freunde versorgen mich inzwischen mit Tipps: "Unbedingt die Augen zumachen/ offenhalten! Nicht hinunterschauen! Den Mund aufmachen/ schließen!" usw. Mir bleibt nur die Hoffnung, dass es mit dem Achterbahnfahren ist wie mit Zahnschmerzen: Irgendwann sind sie vorbei.

Die Mitglieder der Community, die mir gewogen sind (und die anderen vielleicht auch) bitte ich, heute nachmittag eine Gedenkminute für mich einzulegen.

Mr President, this one`s for you!

09:50 22.08.2009
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Geschrieben von

Anette Lack

Journalistin in Hamburg
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