Von wegen "Obergrenze"

Kommentar Kriegsrhetorik wird kommod: Ein Kommentar über die philosophische Rückendeckung der Rechtspopulisten durch Peter Sloterdijk
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Von wegen "Obergrenze"
Peter Sloterdijk

Foto: Ralph Orlowski/AFP/Getty Images

Nun auch noch philosophische Rückendeckung in Flüchtlingsfragen für die AfD, Pegida und Neogebräunte. Peter Sloterdijk hat das Katheder verlassen um der rechten vox populi willen. Inzwischen redet der Philosoph nicht einfach mehr vom ‘Untergang des Abendlandes‘, sondern bläst die Fanfare der Kriegsrhetorik: "Abwehrsystem", "Kampfmittel", "wohltemperierte Grausamkeit", "das Lob der Grenze" tönt es von der Bütt des Populisten herunter auf Flüchtlinge, Ehrenamtliche und den "Zustand der Medien wie der Politik im allgemeinen".

"Der Lügenäther sei so dicht wie seit den Tagen des Kalten Kriegs nicht mehr." Im Journalismus trete die "Verwahrlosung" und die "zügellose Parteinahme allzu deutlich hervor". Das Bemühen um Neutralität sei gering, "die angestellten Meinungsäußerer werden für Sich-Gehen-Lassen bezahlt, und sie nehmen den Job an.", zitiert Cicero Peter Sloterdijk.

Alles noch dicht?

Laut Sloterdijk gibt es "einen engen Zusammenhang zwischen der Macht des islamistischen Terrorismus´ und der westlichen Mediengesellschaft", da "Terror ein Genre der medialen Entertainmentindustrie" sei. Die Medienindustrie sei "terror-afin", weil sie dem Primat der Sensation verpflichtet sei.

Sloterdijks Redeschwall ist ein Aufschrei gegen die EU und ein Bekenntnis zum aus der Zeit zu fallenden Nationalstaat. >>Auf die Dauer setze sich der territoriale Imperativ durch. Es gebe schließlich keine moralische Pflicht zur Selbstzerstörung.<< Dem Nationalstaat zeitigt Sloterdijk schließlich "ein langes Leben" >>Er sei das einzige politische Großgebilde, das bis zur Stunde halbwegs funktioniere<< "Als lockerer Bund hat die EU mehr Zukunft, als wenn sie auf Verdichtung setzt." (Cicero-Redaktion am 28.12.2016)

Und sind Rückzugsgefechte nicht stets die blutigsten Gefechte? Auch dem britischen Premierminister David Cameron dürfte Sloterdijks Gesinnung einer Verkehrung des moralischen Imperativ in einen "territorialen Imperativ" wie Öl runter gehen. Freilich, Cameron hat es nicht mit den Deutschen und im Übrigen, Flüchtlinge sind für den britischen Konservativen ‘Migrantenpack‘.

https://www.youtube.com/watch?v=XqrkNyllSm8

Nun sollen Cameron und Merkel, so der Spiegel, "laut London" vor zwei Tagen in einem Telefonat darin übereingekommen sein, dass "eine starke EU-Außengrenze und eine enge Zusammenarbeit mit der Türkei‘ unabdingbar seien." Beide folgen damit dem Druck der EU-Außenminister, die bei ihrem Treffen am Montag in Amsterdam "den Druck auf Griechenland wegen der unzureichenden Sicherung massiv erhöht" haben. (Spiegel vom 26.01.2016)

Wie und ob überhaupt die EU-Außengrenzen zu sichern sind, darüber herrscht Unklarheit. Schenkt man jedoch dem griechischen Minister für Migration Ioannis Mouzalas Gehör, so hat am Rande einer Konferenz in Amsterdam ein belgischer Minister Verstand und westliche Rechtsvorstellungen über Bord geworfen. Laut Mouzalas hat der belgische Politiker Griechenland aufgefordert, die Flüchtlinge ins Meer zu treiben.

https://www.youtube.com/watch?v=CNx9zQBQSDs

weitere Belege: hier

22:39 28.01.2016
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Geschrieben von

anne mohnen

Der Verstand ist Brod, das sättigt; der Witz ist Gewürz, das eßlustig macht." Ludwig Börne.
anne mohnen

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