Anne Roth
03.01.2010 | 01:18 99

Berlins brennende Autos

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Anne Roth

http://annalist.noblogs.org/gallery/3244/urban_collectibles.jpgAutos werden in Berlin gefühlt schon immer angezündet. Anderswo übrigens auch, wieso redet da eigentlich niemand drüber? Seit die Hysterie Aufmerksamkeit zu dem Thema letztes Jahr so zunahm, schreibe ich dazu wenig. Meine Schere im Kopf murmelt: mach's nicht, das gibt nur Ärger. Mindestens kommt zurück, Du verharmlosest das Problem und das ist doch wirklich nicht in Ordnung, dass den ganzen Leuten die Autos.. .

Andrej juckt es manchmal, was dazu zu schreiben, weil er gern über die Stadt im allgemeinen und Berlin im besonderen schreibt. Und weil inzwischen überall steht, dass das mit Gentrifizerung zu tun hat und damit kennt er sich ganz gut aus. Ich (und andere Familienangehörige) bedrängen ihn dann, die Finger davon zu lassen. Reicht ja, dass hier regelmäßig JournalistInnen aufschlagen, die fragen, ob er mal erklären könnte, warum "diese Leute immerzu Autos anzünden". Nur zur Erinnerung: das Verfahren läuft noch, das herausfinden will, ob er der Texteschreiber der mg sei. U.a. wegen dieses G-Worts.

Terroristische Vereinigung "Die zwei von der Muppet-Show"

Eher noch nicht ganz ernst gemeint frage ich seit ein paar Monaten, wann wohl öffentlich bekannt gegeben wird, dass eine terroristische Vereinigung mit dem Ziel des Autoanzündens fabriziert wurde. Nach der dann mit den Ermittlungsmethoden zum §129a gefahndet werde. Unter Applaus derjenigen Medien, die schon länger fordern, dass der Senat/die Polizei/irgendwer jetzt endlich mal durchgreifen muss. Die Frage nach den Ursachen bleibt die Ausnahme. Die Politologin in mir fragt sich: wem nützt das? Nicht so schwer zu beantworten.

Gereon Asmuth hat in der taz dazu gerade einen angenehm intelligenten Artikel geschrieben: Linke Gewalt und verbale Aufrüstung in Berlin. Das Jahr des Feuers. Verbale Aufrüstung hilft nicht - was wir brauchen, ist eine Stadt, die Platz für alle hat. Soziale Auseinandersetzungen mit Hilfe von Gewalt zum Verstummen bringen zu wollen funktioniert nicht - und was sonst ist denn der Versuch stärkerer Repression. Oder führt zu gesellschaftlichen Modellen, die ich jedenfalls ablehne.

Zur These, dass es sich nicht um soziale Auseinandersetzungen handelt, sondern um gewaltgeile Spinner: ich weiß es nicht, meines Wissens geht aber selbst die Berliner Polizei davon aus, dass nur der kleinere Teil der Autos von Linken angezündet wird. Klar gibt es gewaltgeile Spinner (bzw. welche, die gern Sachen anzünden), nur sind die eben keine Linken, sondern Trittbrettfahrer.

Dass es wiederum den Linken/Linksextremisten/Linksradikalen/Linksterroristen - gewaltgeil, hirnlos - nicht um politische Inhalte ginge, steht widerspruchsfrei neben Sätzen, die feststellen, dass alles irgendwie mit dem G-Wort und Verdrängung und der Stadt (Berlin) zu tun habe. Dass die Mieten steigen und Hostel-bewohnende Sauf-Touristen am Rosenthaler Platz niemandem das Leben schöner machen (außer den Hostel-Betreibern), wird nicht bestritten. Es hat also doch irgendwie mit Politik zu tun. Warum ausgerechnet die, die gern Wasser predigen (Gewaltfreiheit), dann Wein saufen (kräftig zubeißen), wird nicht erklärt.

Es ist ja auch so bequem: der Berliner Verfassungsschutz weiß wer's war, sekundiert vom Innensenator (VS-Studie "Linke Gewalt in Berlin", lokale Kopie). Eigentlich weiß niemand, wer's war, weil die paar armen Hanseln, die repräsentativ für die "Explosion linksextremer Gewalt" in den Knast gesteckt werden, sämtlich nach teils Monaten in Einzel-Untersuchungshaft mangels Beweisen wieder freigelassen werden müssen. Die Medien quer durch die Republik hetzen gegen "Feuer-Chaoten" und "linke Terrornester", die endlich ausgehoben werden müssen. Und weil das alles nichts nützt, muss eben noch härter durchgegriffen werden. Das reicht dann bis zum Zivilpolizist, der als Penner verkleidet im Park als "Brandstreife" auf Linke wartet und stattdessen von Betrunkenen, die Penner nicht mögen, angegriffen wird. Der "Penner" schoß daraufhin scharf (ins Bein), verlor seine Waffe (?!?), nach der als Folge nachts per Feuerwehrleiter mit Flutlicht und dann noch per Hubschraubermit Wärmebildkamera! gesucht werden musste. Und wer war schuld? Natürlich Linke. Die - das weiß man ja - vor allen Dingen gern sozial Benachteiligte körperlich angreifen.

Fritz Sack, Professor der Kriminologie in einem Interview zwei Tage später:

"Diesen Reflex kennt man zur Genüge – Gewalt wird immer gern den Linken angelastet."

Auto-Anzünder für Interview gesucht

Jetzt geht das Spiel in die nächste Runde:

Die Artikel mit den Vermutungen, warum die linken Chaoten immer so ziel- und grundlos gewalttätig sind, sind alle zigmal geschrieben. Gebraucht werden echte Brandstifter. Die taz hat gerade einen gefunden, ganz zufällig, bei einer Party! Großes Glück, sowas ist mir noch nie passiert.

"Als wir uns das nächste Mal treffen, fällt mir sein schwarzes Käppi mit den Pins auf. In Kombination mit dem schwarzen Kapuzenpullover erinnert mich sein Outfit an einen linken Aktivisten. Ich spreche ihn darauf an. Ja, er sei aktiv, sagt er.

Die Frage, wie denn diese Aktivitäten aussähen, beantwortet er mit "Autos abfackeln"."

Hmmnjaa. Klingt total echt.

Der Druck scheint groß. Beim Bündnis für die Einstellung der §129(a)-Verfahren ist auch gerade so eine Anfrage eingegangen:

"Hallo, wir (...) würden gerne einen Beitrag erstellen über Protestaktionen der autonomen Szene in Berlin. (Attacken auf Verwaltungsgebäude, brennende Autos....). Vielleicht können Sie uns einen Ansprechpartner- oder auch mehrere nennen - die uns zu einem Interview bereitstehen."

Na klar.

Ich sehe hier jedenfalls eine Menge Potential für Kommunikationsguerilla-Aktivitäten, wie sie gerade von Monty Cantsin und Viktor Dornberger beim 26. Kongress des CCC vorgestellt wurden. Zum Beispiel hatten ungenannte Aktivisten offenbar viel Freude, als sie auf eine unpersönliche Anfrage des ehemaligen RBB-Fernsehmagazins Polylux in einem Internet-Forum stießen. Gesucht wurden Nutzer der "Alltagsdroge Speed". Das "Kommando Tito von Hardenberg" gab ein Interview und dokumentierte das ganze auch auf der Website tito.blogsport.de.

"Die Sprecherin des Kommandos, Ingrid Hüpenbecker, erklärt: „Wir haben die plumpe Internetrecherche von Polylux zum Anlass genommen, die Legende des Speed-Patienten „Tim“ zu erfinden und zum Drehtermin ein kleines Schauspiel vorzuführen. Erschreckend, wie einfach es ist, selbst gewählte Inhalte in Massenmedien zu platzieren und so gesellschaftliche Wirklichkeit werden zu lassen.“"

Noch schöner war die falsche Pressemitteilung der Stiftung Flucht, Vertreibung und Versöhnung, in der u.a. angekündigt wurde, den Stiftungsrat von drei auf 15 Personen zu erweitern, darunter drei Personen mit aktuellen Fluchterfahrungen. Von den Yes Men gar nicht zu reden, die kurzfristig die ganze Welt glauben machten, Dow Chemistry hätte endlich vor, Entschädigungen für die Opfer der Chemie-Katastrophe von Bhopal zu zahlen und die hinterlassenen Verseuchungen zu beseitigen.

Ich würde mir von einem rot-roten Berliner Senat die Fähigkeit wünschen, nicht nach SPD-Noske-Manier Linke auf's Korn zu nehmen, und sich nicht von den Medien am Nasenring durch die Arena schleifen zu lassen. Von Linken wünsche ich mir mehr Kreativität und politische Inhalte & Formen, die von denen, die noch überzeugt werden wollen, auch verstanden werden. Von den Berliner JournalistInnen wünsche ich mir, dass sie sich trauen, vor dem Schreiben zu denken.

Schere im Kopf: das mit der Kreativität wird doch sofort als Aufforderung zu Gewalt ausgelegt.
Antwort: aber ich habe doch direkt drüber über Kommunikationsguerilla geschrieben.
Schere: genau: Guerilla!
Antwort: Das sieht doch jedes Kind, dass ich damit was anderes meine..?
Schere: [murmelmurmel]
Antwort: [murmelmurmel]
usw.

Zum Glück ist das Kabarett noch nicht verboten.

Hagen Rether: Was ist denn linke Gewalt?
(ab Minute 2:00)

Erwin Pelzig: Frankreich, das Mutterland des brennenden Automobils

Ob Musiker sowas dürfen, wird sich zeigen.

Jan Delay: "Brennende Autos helfen"

Originaltext bei annalist.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (99)

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chrisamar 03.01.2010 | 09:03

Danke für diesen Text. Wir hatten gestern das Thema "brennende Autos in Hamburg". Natürlich im privaten Kreis.
Meine Meinung dazu:
Aufgrund der Wirtschaftskrise sind einige Leute in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Leasingverträge (z.B. für einen Porsche )kann man ohne erheblichen Verlust nicht kündigen.Dazu möchte ich einen alten Witz von Kayar ( Namen vergessen ) aus "Was guckst Du?" zitieren:
"Was ist der Deutschen liebstes Hobby? Versicherungsbetrug!"
Jetzt werden sie vielleicht denken:"Aber, es brennen ja nicht nur teure Autos!"
Und ich antworte: Auto ausschlachten anzünden. Dann die Versicherung kassieren.
Andere hatten natürlich wirklich Pech. Kenne ich von meiner Schwester. Deren Neuwagen wurde vor einer Disco völlig zerstört. War aber keine politische Tat.
Vandalismus kenne ich leider auch zu gut von meinem Auto ( steht nur noch in der Garage ). Das waren aber auch keine Linken.

Warum hat die Polizeiwache "Lerchenstraße" angezündet?
Gestern sagten mir meine Freunde, dass die Beamten dort gefürchtet sind. Immer wieder wäre es dort zu Gewalt gegen Bürger gekommen. Bürger, die schwarze, enge Jeans tragen schwarze Kapuzzenpullis.
Der Mann ( RIP ) hatte ein 12cm lange Narbe auf dem Kopf. Vom Polizeiknüppel. Der andere erinnerte sich noch zu gut an den Knüppel, welche ihn in den Nieren traf. Natürlich von hinten! Auf der Polizeiwache "Lerchenstraße".
Beide waren einfach zur falschen Zeit in ihrem Wohnort auf der Straße gewesen. Das war deren Vergehen. OK, Ivo sagte zu einem Polizisten ( es war damals "Bambule" ):
"Du freust Dich auf Weihnachten? Gemütlich mit Deiner Familie? Das wird aber nix. Denn wir werden Bambule machen!"
Dann wurde er nieder geknüppelt.

Feindbilder auf beiden Seiten müssen abgebaut werden. Polizisten dürfen sich nicht als Schlägertruppen mißbrauchen lassen. Wenn rechte Demonstranten Angst vor Übergriffen haben, dann sollen die für Schutz auch bezahlen. Oder zu Hause bleiben.
In gewachsenen Vierteln sind die Bewohner dazu in der Lage, Eigenverantwortung zu übernehmen. Selbstverständlich dürfen die auch entscheiden, wer sich in ihrer Nachbarschaft ansiedelt ( Gewerbe oder z.B. ein Bauwagenplatz ).

Hätte ich Einfluss auf Trends, dann würde ich eine "Linke-Autonomen-Klamotte" für H entwerfen. Und die Fotos dafür auf dem Schanzenfest machen. In dem Moment, wo es los geht. Dann, wenn die Polizei zum Prügeln einmaschiert.

Sommerkollektion
Eine Bademoden-Geschichte. Thema: Polizeiuniform. Mit Bademantel in dkl. Blau. Und Käppi, wg. der Sonne.

Lauter Polizisten in Schwimmbad Eisdiele.
Und Autonome überall!!!

Magda 03.01.2010 | 12:38

Liebe Anne Roth,
das ist wirklich ein guter und profunder Beitrag. Mir ging kürzlich auch ein weiteres Licht auf, als eine neue linke Terrorgefahr heraufbeschworen wurde, das ist genau das Ding, das jetzt gebraucht wird. Und dann kam noch ein Bericht, dass es Verbindungen zur Partei DIE LINKE gibt. Sicherlich gibts Trittbrettfahrer und Durchgeknallte auch noch in dieser Szene, aber mir scheint , als generierten die Medien hier eine politische Gefahr, die man braucht und hegen wird.

Ich frage mich jetzt auch manchmal, ob da nicht auch Leute bei sind, die als agent provocateur auftreten, das gabs ja auch mal und gibts noch heute.

Gruß Magda

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tiefscharf 03.01.2010 | 12:46

Es ist nicht selten, dass Beiträge oder Blogs dieser Art bei mir lediglich ein Schulterzucken provozieren. Hinzu gesellt sich meist eine gewisse Irritation, was denn diese risiko- und folgenlose Underdog-Attitüde nun bedeuten mag. Mir waren diese selbstverliebten Linken stets zuwider, die im Grunde nur ihr Ego fütterten und Kämpfer spielten. Jeder Zusammenstoß mit dieser "linken Szene" war bislang stets von einem üblen Beigeschmack begleitet - dem der Ideologie, die nicht wahr lässt, außer sich selbst, die Heroen aus Nichts zu schmieden versucht und in letzter Konsequenz nur ein wenig politmodischen Tand zurück lässt. Meine erste Erfahrung mit einer dieser Linken war dann auch wenig erbaulich. Dieses minderattraktive weibliche Wesen störte sich an meiner weißen Hose, die sie vorsätzlich zu tunen versuchte. Das schien ihr in ihrem Kampf gegen das Großkapital ein erster Schritt, ein Zeichen gewesen zu sein. Fast war ich versucht, sie zu beglückwünschen, da sie so mutig sei. Dann aber fiel mir der überteuerte Ökoladen-Lumpensack auf, in dem sie steckte und ich dachte einen Moment ernsthaft darüber nach, ihr das Inkamuster ihres Naturwolle-Pullovers zu versauen, sah dann aber davon ab. Weitere "linke" (die Klammern sind angebracht) überzeugten mich stets davon, dass es sich bei ihnen meist um die schlimmsten Selbstdarsteller handelte. Sei es der ach so linke Verleger, der im Grunde nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist oder um den ach so linken Ladenbetreiber, der sich daran erfreut, dass in diesem Umfeld so viel Profit möglich ist. Aber gut - dieser ist ja auch gerechter. Und dann fallen mir dann noch die ganzen linken Romantiker ein, die ihr Ego mit in diesem Staat folgenlosen Revoluzzertum füttern. Es ist ja auch schick, diesen oder jenen zu kennen, der dieses oder jenes getan haben soll. Man kann sich schmücken, sich interessant machen - hier ohne die geringste Gefahr, einen Nachteil zu erlangen, denn es sind ja gerechte Verfehlungen, weil sie ja irgendwie links sind. So kann man dann gehüllt in irgendwie politisch korrekten Off-Designer-Schick über die Ungerechtigkeiten dieser Welt und Deutschlands im Besonderen lamentieren und profitieren. Natürlich ist dabei zu beachten, sich am Zündler nur zu bedienen, nie aber selbst einer zu werden. Aber was solls - das Trittbrett ist ja breit genug. Und natürlich darf man jemanden kennen - und zwischen politisch korrektem Design in standesgemäßem Schwarz-Dress darüber philosophieren, ob ein brennendes Auto nun politisch sei - irgendwie doch links - oder ob es sich nur um die krude Straftat eines Frustrierten handelt. Hauptsache, man spricht drüber und kennt einen, der dann auch so lange irgendwie links ist, bis er den eigenen ökologisch korrekten Mittelklassewagen mit E-Antrieb abfackelt, weil er ihn für dekadent hält.

Augen geradeaus.

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harry-kovalcek 03.01.2010 | 13:47

" Klar gibt es gewaltgeile Spinner (bzw. welche, die gern Sachen anzünden), nur sind die eben keine Linken, sondern Trittbrettfahrer."

Das könnte sein, wer weiß.

Wenn ich nicht weiter weiß, mach ich gern mal ein Lagerfeuer, allerdings mit altem gesammelten Unterholz und brat mir Kartoffeln.

Gut, dass Sie so kritisch die Hintergründe beleuchten und die Videos sind auch anschaulich.

Wie sieht es mit Gewalt in Comics aus?

Und ich stimme zu "zum Glück ist das Kabarett noch nicht verboten", ein wichtiges Ventil.
Man muss nur aufpassen, das dieses Ventil nicht dazu dient, die schlecht geölte Maschinerie mit mindestens einem platten Reifen zu stabilisieren, oder?
Obwohl, dann bekommt sie eben irgendwann nen Kolbenfresser. Oder Achsenbruch.

Grüße
Harry

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tiefscharf 03.01.2010 | 14:20

Manchmal ist eben ein wenig BILD in der Sprache eben notwendig. Das macht es irgendwie runder.

Ich persönlich kann mich an Zeiten erinnern, in denen mir die Wertungen der sogenannten Sponti-Szene völlig gleichgültig waren und sie sind es mir noch. Bereits der Begriff der "Szene" impliziert bereits ihr Ableben, denn er ist das eigentliche Motiv. Um dazu zu gehören, ist man dann auch zu einigen "Taten" fähig, seien sie nun konstruktiv oder nicht - es geht ja um die Sache.

Ich kritisiere übrigens keineswegs Engagement oder den Willen, Zustände zu verbessern - Gründe hierfür gibt es reichlich. Nur fällt es mir schwer, nach einigen Gesprächen zwischen rechtslastigen und linkslastigen Jugendlichen einen relevanten Unterschied auszumachen. Destruktiv und ausgrenzend verhalten sich beide Seiten und nutzen niemandem wirklich - erst recht nicht denen, für die sie angeblich auf die Straße gehen. Und mir erscheint es billig, sich auch noch zum Fürsprecher dieser Menschen zu machen. Vielen geht es nur um eines - um sich selbst. Das verdient keinen Applaus.

PFM 03.01.2010 | 14:30

Früher nannten sich Frauen gern mal "Frau Doktor" oder "Zahnarztfrau", um sich ein ansehnliches Profil zu zulegen.

Das war meines Wissens nach in der bürgerlichen Szene.

Heute nennt sich die emanzipierte, linke Dame von Welt "Partnerin des Terrorismusverdächtigen Sowieso". Ist das nicht putzig?

Grüße vom PFM, Mann einer Hartz4Empfängerin und Vater einer faulen Schülerin sowie auf der Suche nach einer klangvolleren Profilgeberin.

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rahab 03.01.2010 | 15:05

da gibt es also einerseits diese leute, welche einfach nicht zu schätzen wissen, wenn ihr kiez endlich mal aufgewertet wird. und andererseits diese leute, welche sie aufhetzen - und dann später außenminister werden? - na. dann ist die welt ja noch in ordnung. und dass mir keiner ans gewaltmonopol rührt!

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tiefscharf 03.01.2010 | 15:10

Fast gut erkannt, denn es gibt immer die, die den "Aufstand" bejubeln, um dann später ihren Profit - natürlich erst nach der nötigen Distanzierung - daraus zu ziehen. Diese können sich den aufgewerteten Stadtteil dann auch leisten. Der Rest hat sich derweil so ins Aus geschossen (oder geworfen, gezündelt, whatever), dass sie dieses zarte Pflänzchen neuer Bürgerlichkeit nur noch stören würden. Es geht immer nur um Eines - was ist Deins und was wird Meines. Amen.

Anne Roth 03.01.2010 | 15:16

Hallo PFM,

du hast den entscheidenden Teil überlesen: da steht 'vor allem bekannt als..'. Ich habe mir das nicht ausgesucht, dass ich nach der Festnahme von Andrej als Terrorist öffentlich vor allem so wahrgenommen wurde. Das reicht soweit, dass mir Leute bis heute begeistert über irgendwelche Details der Stadtforschung berichten. Andrej ist Stadtforscher - ich nicht.

Inzwischen, nach zweieinhalb Jahren, lässt es nach, dass ich vor allem als 'die Freundin/Frau von dem Stadtsoziologen' identifiziert werde.

Wenn es aber nunmal so ist, und ich dazu als Kollateralschaden dieser Terrorismus-Ermittlung nicht die Freiheit hatte, mir auszusuchen, ob ich gern möchte, dass mein Leben vor allem davon bestimmt wird, dann habe ich auch kein Problem damit, mich auch so zu beschreiben.

Die Alternative wäre, still in der Ecke zu sitzen und die Kinder zu hüten. Liegt mir nicht. Und warum ich die Aufmerksamkeit nicht nutzen soll, erschließt sich mir nicht.

derDonnerstag 03.01.2010 | 15:19

"Soziale Auseinandersetzungen mit Hilfe von Gewalt zum Verstummen bringen zu wollen funktioniert nicht - und was sonst ist denn der Versuch stärkerer Repression."

Ich dachte ja erst, mit "Gewalt" sei das Abfackeln von Autos gemeint. Bis ich dann darauf kam, dass damit die Fahndungsbemühungen der Polizei gemeint sind.
Merke: "Linke" Gewalt ist keine Gewalt, da sie ja per se der guten Sache dient. Kollateralschäden nimmt man da gerne in Kauf.
Siehe hier: www.youtube.com/watch?v=WBZLEKdN2eE

Deshalb ist auch die Unterscheidung zwischen linken Überzeugungstätern und "Trittbrettfahrern" so wichtig.
Meiner bescheidenen Meinung nach lässt sich diese Unterscheidung so trennscharf leider aber nicht vornehmen. Soll heißen: wer gerne Krawall macht, bedient sich zur Begründung gerne linker Floskeln und wer tatsächlich irgendwie links ist, macht vielleicht gerne mal was kaputt.
Die strunzdumme Autonome in diesem Video hat es auf den Punkt gebracht: "Es hat 'ne Bedeutung, aber dann irgendwie auch doch nicht."
www.youtube.com/watch?v=VIRB8ZW_yoM

PFM 03.01.2010 | 15:31

Frau Roth, wovon jemand zu profitieren gedenkt ist natürlich jedem selbst überlassen. Ich mache mir nur Gedanken, in stillem Gedenken an Frau Schwarzer.

Warum soll eine Zahnarztfrau nicht auch von ihrem Mann profitiert haben? Hat sie doch das gleiche Recht wie Sie, oder vielleicht doch nicht? Als Frau wäre mir vielleicht die Wahl der Kindererziehung ( seit wann genau sitzen Mütter eigentlich still in Ecken rum? DAS ist die einzige Alternative zum Reden-schwingen?) näher als die Schwarzfahrerei auf der Monatskarte meines Mannes.

Ich erinnere lediglich an die Nähe zu längst überkommen geglaubten Gesellschaftsstrukturen. Aber vermutlich irre ich mich, und je nach Zielstellung sind die selben Mittel mal gut und mal diskriminierend.

PFM 03.01.2010 | 15:39

Nö nö mf, ich lese hier mit, seit Herr Augstein seine Familienverhältnisse aufdeckte und damit meine Aufmerksamkeit auf diese nette kleine Zeitung gelenkt hat. Von daher kenne ich die, sagen wir mal "Verschwörungsphantasien", die immer wieder über diese Plattform herein brechen vom stillen Mitlesen. Das ich nun auch zum Opfer dieser Triple-Nick-Mobbing-Dingsdabumsdas werden soll, finde ich nicht gerecht, nein.

Mit einzigartigen Grüßen
PFM

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chrisamar 03.01.2010 | 16:32

Mein Ottensener-Bekanntenkreis arbeitet.
Auch meine Freunde an der Schanze arbeiten.

Sie mögen keine Popper-Klamotten tragen. Das finden die albern.

Meiner Meinung nach, gibt es keine wirkliche, organisierte Gewalt. Das Autos brennen, gehört leider zum Alltag. Genau wie Vandalismus.

Einem politisch aufgeschlossenen Menschen zu kriminaliesen, aufgrund seiner Kleidung, oder weil er zur falschen vor seiner Haustür rumhängt...
Gefährliche Zustände.

Magda´s Beitrag finde ich interessant. Und auch glaube, dass hinter manchen Taten / z.B. Brandanschlägen auf Autos, vielleicht eine ganz andere organisierte Gewalt steckt, als die der Linken.

Und wenn es Rechte sind, die das machen?
Einfach so. Weil es den Linken Ärger macht?

Bis der Beweis der Schuld gefunden ist, verbieten sich öffentliche Schuldzuweisungen an einer Bevölkerungsgruppe.

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tiefscharf 03.01.2010 | 17:30

Fast

Die Wahrheit aber ist:

Die Autos werden von Linken in Brand gesetzt, die das nur tun, um den Rechten Ärger zu machen, weil diese so in Verdacht geraten, Autos abzufackeln, weil sie den Linken Ärger machen wollen. Aber auch die Rechten sind nicht wirklich die Täter. Eigentlich trägt die Bundestagsfraktion der Liberalen die Verantwortung, weil diese die Linken infiltriert haben, um diese anzustiften, Autos abzufackeln, damit die Rechten unter Verdacht geraten, die Linken in Verdacht bringen zu wollen... oder so .. na ja, so ähnlich .. irgendwie.

Ich mache es mir da deutlich einfacher. Für mich sind die Brandstifter einfach das, was sie sind - Brandstifter eben. Was ein Brandstifter oder Schläger wählt, welcher politischen Richtung er anzugehören meint, ist mir völlig egal.

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tiefscharf 03.01.2010 | 18:13

Re-Äh

Ich muss zugeben, dass ich mich ein wenig sträube, dem Begriff linker Gewalt zu folgen. Gewalt ist Gewalt. So einfach ist das. Dieses angeblich Linke ist doch nur ein Feigenblatt für eine sinnentleerte verzogene Bürgerlichen-Brut, die minderintelligent, wie sie nun einmal ist, Revolutionär spielen will oder eben auch nicht, weil der ganze Aufstand nur eine Möglichkeit darstellt, aus der Unbedeutsamkeit zu entfliehen. Ich fühle mich, wenn ich mich in derartigen Gegenden aufhalte durchaus bedroht; von gewaltbereiten Menschen aller Art. Die Bedrohung ist faktisch auch vorhanden, weil es eben Menschen gibt, die ihre Gewaltausübung mittels angeblicher politischer Orientierung rechtfertigen und das ist die schlimmste denkbare Brut, die sich mental einreiht in menschenfeindlich-selbstverliebte Verbünde aller Art. So leid es mir tut - ich neige selbst eher zu einer linken Weltsicht -, sehe aber in dieser "linken Gewalt" eben nur und ausschließlich Gewalt und befürworte auch, dieser mit allen regulären rechtstaatlichen Mitteln zu begegnen - also mit Haft und Schadensersatz. Sie ist nicht links oder rechts - sie ist einfach nur dumpf und dumm. Mit gleicher Geisteshaltung werden auch "Türken geklatscht" und "Verlierer abgezogen".

Nos Nibor 03.01.2010 | 19:24

Als ich in dem Alter war, wie wahrscheinlich die Mehrzahl der Autoanzünder heute, hielt ich individuellen Terror für sinnlos und folgenlos dazu. So lassen sich gesellschaftliche Verhältnisse nicht verändern, im Gegenteil, sie erfahren dadurch ungewollte Stabilisierung. Dazu kam ein völliges Unvermögen, mich in die Motive und kausalen Ketten in solchen Köpfen hineinzudenken.
Ersteres meine ich auch noch heute. Das mit dem Unvermögen hat sich gegeben.
Bin ich jetzt ein Fall für §129a?
Danke für die Links mit Pelzig und Rether

Titta 03.01.2010 | 20:44

Ich finde die Frage von PFM nicht verwunderlich, nur die Formulierung zu polemisch. Ich hatte mich genauso über diese Profilbeschreibung gewundert. Ebenso wie ich mich über die Alternative des still in der Ecke sitzen und Kinder hüten immer wieder wundere. (Nicht als Polemik gegen Frau Roth zu verstehen, nur als Ausdruck meiner allgemeinen Verwunderung in der Sache.) Und wundern darf man sich ja noch. Oder?

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chrisamar 03.01.2010 | 22:15

Der Herr Schill lebt in Rio. Er ist Privatier. Udo Jürgens ärgert sich über ihn, weil Schill ihm die Corinna ausgespannt hat.
Ist natürlich in Hamburg passiert. Bei Familie Grassie in Rosengarten. Haben die dann auch alles brüh warm an die BILD verplappert. Warum auch nicht.

Fam. Grassie kennen Sie nicht? Der Senior hat mal Tipp-Ex erfunden.

Viele Grüße von hier aus nach Rosengarten! Zu Hans-Georg P. und den anderen!

Wer war Schill?
Er war der Wau-Wau einer Partei, mit der ein adoptierter Erbe einer Kette von Privatkliniken, dick ins Politik Geschäft einsteigen wollte.

Kokain
Schill konnte der Konsum von Kokain nachgewiesen werden.

Meiner Meinung nach, konnte man ihm das ansehen auch anmerken. Sein Handeln sein wirres Gelaber
( erinnern wir uns das Homo-Outing von Kusch Ole von Beust )lassen ebenfalls keinen anderen Schluss zu als das er ein "Nasensportler" ist / war.
In Rio hat er vielleicht nicht mehr so weite Wege zum Dealer. Ist vielleicht auch preiswerter da.

Schill seine ehemalige Partei werden auch in Verbindung mit den in Hamburg erstaunlich erfolgreichen Geschäftsleuten den "Osmanis" in Verbindung gebracht.

Im Grunde läuft alles in Hamburg auch ohne Schill weiter. Darum muss er sich in Rio jedenfalls keine Sorgen machen.

ronniegrob 03.01.2010 | 23:26

Erstaunlich, einen ganzen Artikel über die Thematik zu lesen, in dem kein Wort über die Dummheit der Aktionen steht. Oder hab ich etwas übersehen?

Ich glaube, dass diese Täter, wer auch immer sie sind, nichts mehr tun als Kosten und Ärger für die Allgemeinheit verursachen. Die Folgen eines abgefackelten Luxusautos, denn um solche handelt es sich ja meistens, wenn ich richtig informiert bin, sind nämlich:

1. Das vermeintliche Opfer, der Besitzer des Wagens, hat, anders als andere, ärmere Autobesitzer, eine hervorragende Versicherung, die ihm den längst erwünschten Neuwagen endlich finanziert

2. Die wahren Opfer, die Besitzer der angefackelten Wagen (oder Häuser, Fahrräder) neben dem abgefackelten Wagen, haben als ärmere Autobesitzer je nach Schaden potentiellen Ärger mit ihrer Versicherung

3. Die öffentlichen Kosten für die Feuerwehr, Polizei und was es auch immer sonst noch braucht, sind von der Gemeinschaft mit Steuergeldern zu tragen

4. Wird ein Luxusautobesitzer, dessen Wagen abgefackelt wurde, aus der Stadt oder aus dem Viertel wegziehen? Auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen? Eine Schrottkarre kaufen? Vielleicht. Vielleicht wird er aber auch einfach so weitermachen wie bisher oder etwas verängstigt in eine Gated Community ziehen

5. Die Versicherungskosten steigen für alle Fahrzeugversicherungen

6. Als weitere Folgen kann man noch die sinnlose Verursachung von Ärger und Stress, den Umweltschutzgedanken und die Gefahr für die Leben von Menschen und Tieren anführen

Natürlich ist es unfair und ungerecht, wenn falsche Täter verdächtigt werden. Sollten sie aber nicht im Sinne der Gemeinschaft gefasst und bestraft werden? Wenn nein, warum nicht? Oder anders gefragt: Kann mir jemand einen Sinn nennen, den es macht, Autos abzufackeln, ausser, dass damit vielleicht so pseudomässig wie durch die Abwrackprämie die Autoindustrie angekurbelt wird?

Sollten die Täter tatsächlich aus der linksextremen Ecke sein und meinen, sie würden mit diesen Aktionen ihren Ideen dienen, dann müssten sie ziemlich doof sein.

Also: Entweder sind sie das oder aber die Täterschaft kommt aus einem ganz anderen Bereich. Gibt es denn weitere Verdächtigungen oder wird tatsächlich nur notorisch die linksextreme Szene verdächtigt?

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felicitas 03.01.2010 | 23:41

Hi ronniegrob,

ich habe leider kein Hintergrundwissen darüber, aus welchem "Lager" die Personen kommen, die in Berlin und anderswo Autos abfackeln.

Die Spekulation, dass sie ebenso aus dem rechten Lager kommen könnten, ist mir zwar neu, aber durchaus möglich. Auch diese Leute leben unkontrolliert ihre Zerstörungswut aus, welche Ursache ihre aufgestaute Wut auch haben mag.

Im Nachbarblog "Die Dinge beim Namen nennen" geht es auch um brennende Autos und da habe ich schon ein paar Gedanken von mir zu diesem Thema geschrieben.

Reinkopiert:
Ich kann mich nicht wirklich in jemanden hineinversetzen, der öffentlich Dinge anzündet oder hochgehen lässt, die ihm nicht gehören.
Da wird eine Schwelle oder Grenze überschritten, die ich nicht teilen möchte.

Allerdings, da es schon einige Jahre her ist, kann ichs ja erzählen:
Damals hatte ich eine kleine Studentenbude, nur mit Waschbecken im Zimmer, Klo Treppe tiefer.
Zu essen gabs nur Bananen und Brot. Ich besaß nur das Nötigste, konnte mir keine Extras erlauben.
Ich fühlte mich eingeschränkt, arm und an den Rand gedrängt. Wenn ich Leute sah mit sehr guter Kleidung, schicken Autos und bester Laune, die sich selbstbewusst bis arglos rücksichtslos in der Straße bewegten, bekam ich Aggressionen. Ich musste längere Wege mit dem Fahrrad fahren, für den Bus hats nicht gereicht. Die Abgase, der Verkehrslärm, die Autos, die mich als Radfahrerin auch noch anhupten - da bekam ich einen Hass.
Ich tagträumte: täglich kam ich am Autohaus mit Riesen-Parkplatz voller glänzend polierter (für mich) protziger Neuwagen herum, meist in dunklen gedeckten Farben.
Ich stellte mir vor, wie ich diese mit Farbbeuteln bewarf, und wie dann die bunte zähe Farbe an den Windschutzscheiben und Fenstern kleben würde und kaum abzuwaschen sein würden.
Diese Gedanken taten mir gut. Ich kann Ihnen nicht sagen warum, es hellte meine Laune gleich auf.

Es ist immer beim Tagtraum geblieben, ich hatte nie den Wunsch oder die Absicht, das wirklich in die Tat umzusetzen.

Aber vielleicht kann ich dadurch vielleicht doch ein klitzekleines Stück in jemanden einfühlen, der Aggressionen gegen Statussymbole entwickelt, die ihm wie aus einer anderen Welt entgegenschreien.

Ob ich damals deshalb psychosoziale Betreuung benötigt habe? Keine Ahnung.
Vielleicht hätte mir ein mitmenschlich wärmeres und freundlicheres Umfeld geholfen, in dem Leute, die viel mehr besaßen als ich, bereit gewesen wären, mir etwas abzugeben, in meiner damaligen marginalen Situation.
Ich hätte es als demütigend empfunden, für Almosen betteln gehen zu müssen oder mich "betreuen" zu lassen.
Kann Therapie und Sozialhilfe wirklich die menschliche nachbarliche und kollegiale Gemeinschaft ersetzen?
Werden dadurch gerechtere Verhältnisse geschaffen?
Oder werden vielmehr Leute, die aus vielerlei Gründen am Rand der Gesellschaft leben, durch Therapie und Sozialhilfe "ruhiggestellt", um sich nicht mit ihnen und ihrer Situation auseinandersetzen zu müssen?

Wie gesagt, ich finde den Denkansatz, dass Leute sehr viel tun, um sich gegen Veränderungen zu sperren, richtig.
Aber liegt die Fähigkeit, sich zu verändern nicht auch bei den Profiteuren der derzeigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation?

Natürlich sind die Autozündler nicht automatisch "Linke" und natürlich gibt es für eher linksdenkende Menschen bessere Methoden ihre Ziele durchzusetzen.
Es kommt mir aber zu einseitig vor, lediglich den aggressiv Ungezügelten und Straftätern ihre "Lebensuntüchtigkeit" vorzuwerfen.
Vielleicht können Sie vielmehr am allgemeinen Leben erster und zweiter Klasse nicht mehr teilhaben.
Weil es ihnen verwehrt oder zumindest erschwert wird.

LG Feli

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chrisamar 04.01.2010 | 00:01

@ ronniegrob

Die Täter

Wenn es wirklich Horden von Linken gibt, welche nachts durch die Großstädte hetzen Feuer legen, warum fasst man die nicht?

Es wurden in Hamburg sogar Hubschrauber eingesetzt. Kreisten nachts lustig über Hamburgs Villenviertel. Aber nicht lange. Von wg. zu laut.

Die Linken sind doch alle doof. Das wissen wir ja von uns selbst und können es in den Medien auch täglich lesen.
Die aller dümmsten Linken, sind doch die jungen Linken.
Wenn die so doof sind Autos abbrennen. Dabei aber nie ertappt werden können, wie doof sind denn die, die gegen die Ermitteln?

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Ehemaliger Nutzer 04.01.2010 | 00:13

Rad fahr ich immer noch und die guten Klamotten, schicken Autos - ich ergänze luxuriöse Lofts und Villen - habe ich den Leuten nie geneidet und tu's auch heute nicht.
Fuchtig werde ich allerdings bei Sprüchen wie: "Sozial ist, was Arbeit schafft" oder "Leistung muss sich wieder lohnen" oder bei einem Autoaufkleber, die Krönung des asozialen Schickimicks: "Eure Armut kotzt mich an". Bei einem so beklebten Auto überkamen mich auch Verunstaltungsgelüste.
Aber ich bin nun mal ein Born der Milde, der kein Wägelchen trüben könnte und kein
www.youtube.com/watch?v=Ibjtq3LSm4Q

Anne Roth 04.01.2010 | 00:45

Hallo Titta,

wenn in der Profilbeschreibung mehr Platz wäre, hätte ich das auch gern ausführlicher gestaltet. Ich habe angefangen zu bloggen, weil ich in der Eigenschaft der 'Freundin von..' etwas erlebt habe, das dann der Ursprung meines Blogs wurde. Genauso seltsam wäre vielleicht, wenn ich das dann anonymer als "Ich schreibe, weil ich als Freundin von jemandem, der verdächtigt wurde, Terrorist zu sein, von Überwachung betroffen war." vorstellte, oder? Nun ist es so, dass viel mehr Menschen Andrej kennen als mich. Und ich ohne das Verfahren wahrscheinlich nicht zu bloggen begonnen hätte. Es gefällt mir nicht, dass mein 'Freundin von'-sein überhaupt irgendeine Rolle spielt, aber in diesem Fall ist das ja gewissermassen der Grund, warum mir das alles passiert ist.

Sicher könnte ich das in der Profil-Beschreibung einfach weglassen, und nur schreiben, dass ich mich mit Terrorismus-Diskursen, Datenschutz und Überwachung beschäftige. Dann käme es eben in regelmäßigen Abständen hinterher: "Ach, Du bist die Freundin von _dem_. Warum verschweigst du das?"

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reflexione-galore 04.01.2010 | 00:59

@Meisterfalk: Schon wieder so ein schönes Bild! Hier geht dat eine Grautier so gelassen dem Sonnenschein im Hintergrund entgegen. Ich interpretieren mal: Die Bäume werden durch (abgestorbene Baum-) Balken umrundet beschützt, d.h., die Dickhäutigen können ihre dünnes Fell, bzw. ihren Pöter nicht mehr an der dicken Rinde der originale schubbern und werden depri. Demnach wandert der erste wie o.b. in die Sonne ;o)

Anne Roth 04.01.2010 | 01:07

Hallo ronniegrob,

in dem Artikel steht alles mögliche nicht, was da auch noch hätte stehen können. Das ist aber bei allen Texten so. Das Schöne am Internet im allgemeinen und Blogs im besonderen ist ja, dass Du einfach den Text schreiben kannst, der Dir anderswo fehlt.

Ich habe hier geschrieben, was mir wichtig war, und das war nicht die Bewertung des Auto-Anzündens. Wobei ich ja auch dazu aufgerufen habe, politische Botschaften intelligent und verständlich zu gestalten, was sehr indirekt auch als Meinung zu dieser Frage verstanden werden könnte. Aber auch nicht als dezidierter Kommentar dazu gemeint ist.

Wie beschrieben weiß ich nicht, wer die Autos anzündet. Ziemlich sicher bin ich mir, dass es unterschiedliche Leute mit unterschiedlichen Motiven sind. Und, wie beschrieben, dieser Meinung sind ja auch Polizei und Verfassungsschutz, wobei da dann die Gemeinsamkeiten aber vermutlich auch schon wieder aufhören.

Und was den Sinn des Abfackelns angeht: ohne mir die Meinung der Autofahrerin im rosa Pulli im zu eigen machen zu wollen, habe ich den Eindruck, dass sich manches der 'Normalbevölkerung' offenbar ganz gut vermittelt.

Titta 04.01.2010 | 01:16

Hallo Anne Roth,

danke auch für ihre nochmalige Erklärung in der Sache. Schon nach der ersten hatte sich meine Verwunderung weitestgehend gelegt. Mein Kommentar zielte auch weniger in Ihre Richtung, denn Ihnen ist ja unbenommen, sich so im Profil zu beschreiben, wie Sie es für gegeben und richtig erachten.

Meine Bemerkung zielte vielmehr auf die Reaktionen, die auf PFMs Kommentar folgten, die ich als zu harsch und barsch empfunden habe.
Die Assoziationen mit der Zahnarztfrau sind mir auch gekommen. Den Bezug, der hergestellt wird zwischen (früherer) bürgerlicher Welt und linker Welt heute, fand ich bedenkenswert. Und die Polemik von PFM wird doch gerade durch die Informationen, die er in seinen zugespitzten Grüßen über sich selbst preisgibt, gemildert. Dies wollte ich gesehen und goutiert wissen.

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chrisamar 04.01.2010 | 08:16

@ Cassandra
Danke für den Film.

Offensichtlich erwarten viele Menschen, dass die Ungerechtigkeiten bei der Verteilung des Deutschen Bruttosozialproduktes in Form von Gewinnen Gehältern endlich gestoppt werden.
Das denken wir wahrscheinlich alle.

Warum geschieht das nicht?
Haben die Entscheidungsträger Angst, dass die Ihrer persönlichen Sekretärin dann die Raten für die Eigentumswohnung nicht mehr zahlen können?
Haben die Angst, sich keine Bonzenautos mehr leisten zu können?

Und es geht auch an die Auto-Industrie. Warum machen die sich keine Gedanken, dass ihre Luftverpester bei einem sehr großen Teil der Bevölkerung nicht mehr erwünscht sind? Jedenfalls dann nicht, wenn das Ding nicht in der eigenen Garage steht?

Autofreie Zonen in Deutschlands Innenstädten, wäre doch ein wünschenswerter Zustand. Also weg damit!

Zum Bekennerschreiben im Film:
Da wurden keine Privatwagen angezündet.

Wie organisiert politisch motiviert die Tat war wissen wir nicht.

Auch nicht, ob das Bekennerschreiben echt ist. Glaube ich nicht mal...

Die Sympathien in dem betreffenden Viertel scheinen unter den Bewohnern eindeutig zu sein.
Sie fühlen sich verhöhnt.Wenn die Angeber sich in ihren Strassen breit machen. Parkplätze gibt es wohl auch nicht genug...

Hubschrauber
Bin ich die einzige hier, die Hubschrauber schon startend, landend fliegend erlebt hat?
Und das auch noch nacht? Und mit Beleuchtung?

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felicitas 04.01.2010 | 09:17

@ titta,

okay, wenn der Nico das so sieht!

Ich entscheide lieber selber, ob wann, wo und zu welchen Waffen ich greifen möchte.
Denn ich glaube, schon wenn du mit einem "Messer im Sack" in der Stadt herumläufst, bewegst du dich ganz anders, als trügst du nur deine nackte Menschlichkeit.

Und eine Waffe, ob nun potentiell als Bedrohung im Hintergrund oder ganz reell offen sichtbar als Pistole in der Hand, birgt immer die recht wahrscheinliche Option, auch zum Einsatz zu kommen.
(linke oder rechte Hand, mir sowas von egal)

LG Feli

dame.von.welt 04.01.2010 | 09:32

@PFM #03.01.2010 um 13:30
Die dame.von.welt nennt sich übrigens dame.von.welt. Das nur am Rande und damit Sie sich weder beim 'Schwarzfahren' noch bei der Suche nach Ihrer 'Profilgebung' vertun.

@Anne Roth
Vielen Dank für Ihren Spitze recherchierten Artikel.
Hier noch ein ergänzender link, auch zu dem SPON-Video:
www.brennende-autos.de/#impressum

In Berlin brannten, gezählt seit irgendwann in 2007, 494 Autos.

ronniegrob 04.01.2010 | 10:24

Ich habe mir die Frau im rosa Pulli nun auch angesehen und möchte mir ihre Meinung auch nicht zu eigen machen. Findet sich nicht für fast jede Aussage ein Bürger, der normal aussieht und diese unterstützt? Wenn man lange genug danach sucht? Also die "Bild"-Zeitung findet immer wieder solche. Ich würde gerne wissen, ob die Frau auch dann "vollkommenes Verständnis" hat, wenn es ihr Auto trifft.

Mich interessiert viel mehr, was denn genau die Gründe für das Abfackeln der Fahrzeuge sein könnten.

Kann mir jemand einen vernünftigen Grund für das Anzünden von Fahrzeugen nennen?

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rahab 04.01.2010 | 11:23

vielleicht ist es angezeigt, zwischen einem 'nachvollziehbaren' und einem 'vernünftigen' grund zu unterscheiden? woran sich die frage anschließen könnte, wie aus 'nachvollziehbarem' ärger, unmut etc. eine 'vernünftige' handlung entstehen könnte.

das spiegel-teil trägt dazu nicht bei, beginnt es doch mit dem sattsam bekannten diktum vom "plumm-plumm-ritual der extremen linken" (oder so ähnlich - ich habe es mir jetzt nicht noch mal angehört). dazu möchte die frau im rosa pulli vielleicht nicht gehören - aber, wer weiß, wir wissen ja nicht, was alles von dem, was sie sagte, nicht zu hören war.

das spiegel-teil zeigt mir allerdings, wie es aussieht, wenn medial politik gemacht wird. mehr aufklärungswert hat es nicht.

das G-wort kommt übrigens, wenn ich richtig zugehört habe, nicht vor. das ist ja auch ein schwieriges wort. beim aussprechen kann sich da schon mal die zunge verheddern...
wie auch der vorgang, den es beschreibt, kein einfacher ist. der allerdings der betrachterin die frage aufdrängt, weshalb gewalt gegen sachen zuweilen mehr aufmerksamkeit bekommt als gewalt gegen stadtteilbewohner. schließlich ist auch das verrotten-lassen von häusern gewalt und mieterhöhungen+modernisierungszuschläge können ihre gewaltförmigkeit auch nur schlecht verbergen.

auch ich bezweifle, dass brennende autos darauf eine 'vernünftige' antwort sind. ich bezweifle auch, dass es 'vernünftiger' wäre, die domizile derer abzufackeln, welche häuser verrotten lassen. frage mich allerdings, welche instrumente bleiben. enteignung?

derDonnerstag 04.01.2010 | 13:40

@Rahab
Geht es bei dem Konflikt denn darum, dass Häuser verrotten? Ich dachte, es geht eher darum, dass Häuser modernisiert werden, zahlungskräftigere Mieter angelockt werden und die Mieten steigen.
Wenn jemand tatsächlich Häuser verrotten lässt, hätte ich gegen Enteignung nichts einzuwenden, auch nichts gegen Hausbesetzung.
Steckt der Hausbesitzer allerdings Geld in die Modernisierung seines Hauses, damit es eben nicht verrottet, sollte es ihm auch gestattet sein, höhere Mieten zu verlangen, meine ich. Unnötige Luxussanierungen sind ein anderer Fall. Nur wo fängt das an?
Ich finde ja, es ist Aufgabe der Wohnungspolitik, dafür zu sorgen, dass Wohnviertel möglichst sozial durchmischt sind. Gentrification lässt sich aber schlecht gesetztlich verbieten.
Das Abfackeln von Autos kann sie vielleicht aufhalten, weil Leute, die sich eine teure Wohnung leisten können, meist auch ein dickes Auto fahren und sich dieses nicht gerne anzünden lassen. Andererseits würde ich nicht so weit gehen, ein gesetzlich verbrieftes Recht auf billigen Wohnraum in Innenstadtnähe zu fordern. Berlin ist da ja die ganz große Ausnahme. Insofern haben die Autoabfackler in gewisser Hinsicht ein Luxusproblem.

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rahab 04.01.2010 | 14:00

mein lieber DerDonnerstag - da wir nicht wissen, wer die abfackler sind, ist es schlecht möglich, genauer zu bestimmen, was deren problem nun eigentlich ist.

im übrigen empfehle ich einen blick auf die von dame.von.welt etwas weiter unten verlinkte karte. vielleicht wird dann auch der zusammenhang von verrotten-lassen und (luxus-)modernisierung etwas klarer.
und dann müssten wir uns wohl die betroffenen gebiete einzelnen vornehmen. um herauszufinden, welches die zusammenhänge von verrotten-lassen und geld in modernisierung stecken, sind.

ich wundere mich sowieso, weshalb nicht die luxus-karossen im grundewald brennen. und weshalb in x-berg die einen armen den anderen armen die ollen drahtesel klauen.

derDonnerstag 04.01.2010 | 15:55

@Rahab
"da wir nicht wissen, wer die abfackler sind, ist es schlecht möglich, genauer zu bestimmen, was deren problem nun eigentlich ist."

Ach so, und wieso machst Du Dir dann Gedanken darüber, ob das Abfackeln von Autos eine vernünftige Antwort auf die Modernisierung von Wohnungen ist???
Ich freue mich jedenfalls schon, wenn die Täter endlich dingfest gemacht werden, dann halten die Verschwörungstheoretiker hier vielleicht ihre Klappe - und wenden sich neuen Verschwörungstheorien zu.

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rahab 04.01.2010 | 17:51

huch, DerDonnerstag-herzelchen, welch ein ausbruch! jetzt auch noch gegen verschwörungstheoretiker? und das alles nur, weil ich versuche, zwischen nachvollziehbar/erklärbar und vernünftig zu unterscheiden? tz!

wahrscheinlich wäre es tatsächlich hilfreich, menschen, welche bei verschiedenen (womöglichen gar unterschiedlichen?) anlässen anderer leute autos anzünden, würden gefaßt. dann würde nämlich endlich diese methode à la rat knarrpanti aufhören, welche nach der melodie geht: den täter - in diesem fall linke, links-extreme - haben wir, die tat werden wir schon noch finden. allerdings könnte dann der fall eintreten, dass du dir einen neuen feind suchen müßtest.

derDonnerstag 04.01.2010 | 19:03

Kapierst Du den Widerspruch wirklich nicht?
Mit Verschwörungstheoretikern meinte ich übrigens eher einige andere Kommentatoren hier.
Ich finde es einfach drollig, wie z.T. dieselben Leute behaupten oder andeuten, es seien bestimmt Rechte, die mit dem Abfackeln von Autos die von Natur aus guten Autonomen diskreditieren wollten und dann darüber quatschen, welche (linken) Ziele mit dem Abfackeln von Autos erreicht werden können. Wenn Du das logisch findest, ist das Dein Problem.

rehse06 06.01.2010 | 15:41

Brennende Autos wurden in München nicht gesichtet, aber gestern Nacht gab es Gewalt gegen Autos, diesmal tatsächlich von festgenommenen Linke, die auf einem Punk-Konzert gewesen sein sollen. Aber diese Gewalt könnte die Staatsgewalt doch leicht eindämmen. Sie müsste nur sichtbar sein, aber leider müssen sie erst gerufen werden. Mir gehört kein Luxusschlitten, aber Gewalt gegen Autos ist genauso bekloppt und sinnlos wie Gewalt gegen andere Sachen. Aber es wird den Idioten in diesem Land einfach zu leicht gemacht.