Anne

langjährige Abonnentin
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RE: Willkommen | 13.02.2009 | 00:31

Ich habe heute mein Abonnement mit folgendem Begleitschreiben gekündigt:
"Leider muss ich mein langjähriges Abonnement kündigen. Ich kann die alte und die neue Zeitung nicht zusammenbringen. Zu sehr erscheint mir das Ganze als eine „feindliche“ Übernahme. Ich verweise auf meine Kommentare zu Ihrem Artikel „Willkommen“; den ersten davon gebe ich noch einmal wieder. Es tut mir sehr leid. Ich werde den alten Freitag sehr vermissen."
Der heutigen zweiten Ausgabe des "der Freitag" habe ich entnommen, dass die gedruckte Ausgabe von 14.000 auf 80000 erhöht wurde. Wenn man das mit dem alten Freitag gemacht hätte, hätte man auch erreichen können, dass er mehr gelesen wird. Man sieht daran, dass allen Versicherungen zum Trotz der alte Freitag Herrn Augstein überhaupt nicht erhaltenswert war.

RE: Willkommen | 11.02.2009 | 21:40

Ich habe auch noch technische (?) Probleme: ich wollte noch einmal alte Kommentare lesen und finde sie nicht mehr. Wo sind z.B. die Beiträge vom 8.2.?

RE: Willkommen | 11.02.2009 | 18:48

Also gut, ich versuche es: Als erstes mal das rote Frei zurück! Das wäre eine vertrauensbildende Maßnahme. Dann: eine bessere Bezahlung für die Redakteure. Sie müssen ja in einem Abhängigkeitsverhältnis trotzdem gute Arbeit leisten können Von den freien Mitarbeitern ist zu lesen, sie müssten auf eigene Kosten recherchieren und alle Spesen selbst zahlen und bekommen dann 1,3 Cent pro Zeichen, das macht bei einem zweispaltigen Artikel von 4000 Zeichen so etwa 50 Euro. Sie sollen also aus Idealismus für die Vision von Herrn Augstein arbeiten. Das kann keine Grundlage für eine gute Zeitung sein. (Siehe http://www.mediencity.de/Ueberleben-und-leben-lassen-bei-Jakob-Augsteins.5467.0.2.html)

RE: Willkommen | 11.02.2009 | 14:39

Es ist sehr schwierig geworden, die Kommentare im Zusammenhang zu lesen, sie sind gewissermaßen schon im Papierkorb gelandet. Dabei wurden viele grundsätzliche Sachen gesagt. Einen Beitrag, der mir besonders gut gefallen hat, der mir sehr zutreffend erscheint, füge ich deshalb noch einmal unten an. Er ist von Ta.Pa. Darin wird auch klar, dass es kaum möglich ist , eine konstruktive Wunschliste aufzustellen, so gut ich das Engagement von S.E. auch finde. Beim dem neuen "der Freitag" ist etwas ganz Grundsätzliches geschehen, eben wie Ta.Pa. schreibt "eine Neuausrichtung mit Zielgruppenwechsel". Es wäre ja auch möglich gewesen, dass für den bestehenden Freitag Geld in die Werbung investiert worden wäre. Aber das ist nicht geschehen. Dabei war der Freitag einfach zu wenig bekannt. Das haben wir gemerkt, wenn wir Probeabonnements verschenkt haben, die weitergeführt wurden, und wir bekamen Dank dafür, auf diese Zeitung aufmerksam gemacht zu haben. - Es ist keine Kontinuität zwischen altem und neuem Freitag da. Der alte Feitag war mit der Nummer 5-2009 erledigt. Es wird nicht mehr weitergezählt. Es kann auch nichts wirklich mit der alten Belegschaft ausdiskutiert oder gemeinsam entwickelt worden sein. In kürzester Zeit ist der alte Freitag durch etwas Neues ersetzt worden, ein Selbstverwirklichungsprojekt des Herrn Augstein. Für das, was den alten Freitag ausgemacht hat, das große Engagement der Autoren, das doch nur in einem selbstbestimmten Rahmen vorstellbar ist, kann da eigentlich kein Platz mehr sein. Ta.Pa. schrieb am 08.02.2009 | 11:36 Uhr Immer wieder das gleiche Schema. Es langweilt! Junges innovatives Team stellt sich einer mutigen spannenden Aufgabe. In diesem Fall: Die Hebung eines ihrer Meinung nach verstaubten linken Wochenblattes auf Weltniveau, kaschiert unter dem beliebten Wort Rettung. Am besten noch ergänzen mit: Es werden Arbeitsplätze gerettet, gar geschaffen. Im ersten Schritt finden sich alle ein zum Brainstorming „Sowas richtig neues, frisches innovatives. Ja genau und die Zielgruppe wird auch gleich größer. Vernetzung, Web 2.0, Blog, Interaktion, die Leser schreiben ihre Beiträge selbst. Eine nie dagewesene Verzahnung zwischen Print und Internet. Ja, genial. So machen wir es. Youtube, Facebook und… eine internationale Kooperation - ja, mmmm? The Guardian, Super! Supertoll genau das ist es! Und ganz wichtig das design!!!! Ja Auf jeden Fall einen gewagten Schrifttyp. Ja! Und rot - nee. Rot ist out....(bitte dort weiterlesen, hier wirds zu lang)

RE: Willkommen | 09.02.2009 | 14:26

Ich habe einen alten Freitag aufgehoben –zum Glück, denn das pdf –Archiv ist offenbar abgeschafft? Mein Freitag ist vom 22.12. 2006. Auf der Titelseite ist ein wunderbares Bild: Straßenkinder aus Istanbul auf dem Diyalog Theaterfest in Berlin. Darunter steht: „Seid überzeugt, dass das Geheimnis des Glücks die Freiheit, das Geheimnis der Freiheit aber der Mut ist“. Mit diesem Perikles-Zitat möchten wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, glückliche Weihnachtstage und ein Neues Jahr voller Optimismus wünschen, wie er bei diesen Straßenkindern aus Istanbul zu spüren ist, die ihren Weg aus dem Elend suchen. Reportage dazu auf Seite 3“ Dafür habe ich den Freitag geliebt: Er hatte eine klare Identität, eine linke engagierte Haltung, die getragen wurde von einem eigenständigen, gleichberechtigten Team. Damit ist es jetzt vorbei. Im Impressum der letzen Freitagausgaben steht der Name Augstein gleich drei Mal: Er ist der Verleger, Mitglied der Chefredaktion und Geschäftsführer. Das Erscheinungsbild der neuen Zeitung „der Freitag“ kann nicht hervorgegangen sein aus einer gemeinsam erarbeiteten Lösung mit den alten Autoren des Freitag. Warum sollten sie auch das Gegenteil von dem als zukunftsweisend beschließen, was diese Wochenzeitung so ansprechend und einzigartig gemacht hatte. Statt Straßenkindern sind auf dem neuen Titelblatt nichtssagende Politikerköpfe abgebildet. Das Schriftbild ist dem der taz, der Frankfurter Rundschau und anderen angeglichen. Das schöne programmatische rote „Frei“ ist weg .Die Botschaft ist : „Auf in die neue Beliebigkeit!“ Im Inneren der Zeitung finden sich zwei mal 1000 Quadratzentimeter digitaler Ramsch: Was will mir der deutsche Reichstag unterm Abendhimmel sagen – warum die übergroße Abbildung einer Alkoholikerdarstellerin? Ich empfinde das als Anmache. Ich möchte mich nicht durch so etwas durchlavieren müssen, um an die Inhalte zu kommen. Und auch diese werden sich ändern. Sie werden nicht mehr im Kontext eines gleichgerichteten Engagements stehen, sondern im Blick auf die Bedienung diverser Kundeninteressen ausgesucht werden. Engagement für zeitpolitische Fragen, wie man es im alten Freitag vermittelt bekam und das einem mit der Zeitung verbunden hat, kann nur unter gleichberechtigten Bedingungen möglich sein. Herr Augstein hat die Zeitung gekauft. Er kann damit machen, was er will. Es ist seine Spielwiese. Den Freitag, wie er war, wird es nicht mehr geben, nicht deswegen, weil er sich „ändern muss um sich treu zu bleiben“ (o.ä)., sondern wegen der veränderten Machtverhältnisse. Es ist ein großer Verlust, ich bedaure das sehr und bedanke mich für die vielen Jahre engagierter Berichterstattung des alten Freitag.