antithese

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RE: Feuerpause für Aleppo? | 21.02.2016 | 13:50

Ich finde Ihren Artikel, Herr Herden, durchaus aufschlussreich und informativ. Versucht man aber aus dem Dargestellten ein Resümee zu ziehen, das nicht resignativ oder zynisch oder sonstwie hoffnungslos ist, dann drängt sich mir eine andere Perspektive auf.

Sie sprechen von einem "asymmetrischen Krieg", weil es kleine, nicht staatlich organisierte und kontrollierte Kampfgruppen und staatliche Akteure gibt. Aber ist es deswegen gleich ein "asymmetrischer Krieg"? Ja sicher, die Kampfgruppen und die Interessen sind heterogen und unübersichtlich.

Auf der Suche nach den Möglichkeiten einer Lösung eines solchen Konflikts, bzw. den Schwierigkeiten genau dahin zu kommen, erscheint doch aber viel mehr eine alte Symmetrie wirkungsmächtig zu sein: die Symmetrie der Blockkonfrontation, die wir aus dem Kalten Krieg kennen.

In Syrien stehen sich die Interessen der USA/des Westens und Russlands gegenüber (wie auch in der Ukraine). Und in all den uns bekannten Stellvertreterkriegen aus der Zeit des Kalten Krieges, gibt es natürlich immer noch ein drittes Element, das der lokal vor Ort kämpfenden Parteien und deren Interessen.

Keine der vor Ort schlachtführenden Parteien und Kombattanten ist zur Lösung der Konflikte in der Lage, nicht kurzfristig im militiärischen Sinn und schon gar nicht langfristig im politisch-gesellschaftlichen Sinn.

Es wird auf sehr lange Zeit keine Lösung geben, wenn nicht die beiden symetrischen Kombattanten USA/Westen und Russland eine gemeinsame - für beide Seiten tragbare - Strategie entwickeln und daraus gemeinsam handeln, sich auf ein gemeinsames (Minimal-)Ziel verständigen. So lange hier unterschiedliche Interessen und Ziele verfolgt werden, wird nichts gelingen.

Die Lösung kann daher nur auf Verhandlungen zwischen diesen beiden Mächten liegen.

Die Verhandlungen mit dem Assad-Regime, dem IS, Al-Nusra, YPG, YPI, PYD, PKK, Islamische Armee, Ahrar al-Scham, HNC, FSA bietet in der Tat zu viele lose Enden, die sich so nicht zusammenführen lassen. Hier braucht es ein Autorität, die integrierend zu wirken bereit und in der Lage ist. Das gelingt mit keinem Mandat, wenn der symmetrische Kalte Krieg nicht beendet wird. Hier sind Verhandlungen gefragt - alles andere ist Ablenkung vom eigentlichen Konflikt.

RE: Feuerpause für Aleppo? | 21.02.2016 | 13:41

Ich finde Ihren Artikel, Herr Herden, durchaus aufschlussreich und informativ. Versucht man aber aus dem Dargestellten ein Resümee zu ziehen, das nicht resignativ oder zynisch oder sonstwie hoffnungslos ist, dann drängt sich mir eine andere Perspektive auf.

Sie sprechen von einem "asymetrischen Krieg", weil es kleine, nicht staatlich organisierte und kontrollierte Kampfgruppen und staatliche Akteure gibt. Aber ist es deswegen gleich ein "asymetrischer Krieg"? Ja sicher, die Kampfgruppen und die Interessen sind heterogen und unübersichtlich.

Auf der Suche nach den Möglichkeiten einer Lösung eines solchen Konflikts, bzw. den Schwierigkeiten genau dahin zu kommen, erscheint doch aber viel mehr eine alte Symetrie wirkungsmächtig zu sein: die Symetrie der Blockkonfrontation, die wir aus dem Kalten Krieg kennen.

In Syrien stehen sich die Interessen der USA/des Westens und Russlands gegenüber (wie auch in der Ukraine). Und in all den uns bekannten Stellvertreterkriegen aus der Zeit des Kalten Krieges, gibt es natürlich immer noch ein drittes Element, das der lokal vor Ort kämpfenden Parteien und deren Interessen.

Keine der vor Ort schlachtführenden Parteien und Kombattanten ist zur Lösung der Konflikte in der Lage, nicht kurzfristig im miltiärischen Sinn und schon gar nicht langfristig im politisch-gesellschaftlichen Sinn.

Es wird auf sehr lange Zeit keine Lösung geben, wenn nicht die beiden symetrischen Kombattanten USA/Westen und Russland eine gemeinsame - für beide Seiten tragbare - Stratgie entwickeln und daraus gemeinsam handeln, sich auf ein gemeinsames (Minimal-)Ziel verständigen. So lange hier unterschiedliche Interessen und Ziele verfolgt werden, wird nichts gelingen.

Die Lösung kann daher nur auf Verhandlungen zwischen diesen beiden Mächten liegen.

Die Verhandlungen mit dem Assad-Regime, dem IS, Al-Nusra, YPG, YPI, PYD, PKK, Islamische Armee, Ahrar al-Scham, HNC, FSA bietet in der Tat zu viele lose Enden, die sich so nicht zusammenführen lassen. Hier braucht es ein Autoriät, die integrierend zu wirken bereit und in der Lage ist. Das gelingt mit keinem Mandat, wenn der symetrische Kalte Krieg nicht beendet wird. Hier sind Verhandlungen gefragt - alles andere ist Ablenkung vom eigentlichen Konflikt.