Kommentare von Antje Schrupp

Antje Schrupp 01.06.2015 | 22:18

@Marlen Hobrack - Ich finde es interessant, dass Sie partout keine Unterscheidung zwischen "Dem Anderen" und "Dem Zweiten" machen möchten :) _ Meiner Analyse nach ist genau das das Problem bei dem Ganzen (vielleicht DAS Problem der "abendländischen" Kultur generell), dass sie nicht in der Lage ist, das Andere eben als Anderes zu denken, ohne es sofort in eine Hierarchie (Erstes_Zweites) zu bringen. Es kann nicht Verschiedenes geben, sondern es muss immer eines das Normale_Richtige sein und das Andere eben - das zweite. Worauf ich hinaus will ist (und das geht in der Tat weit über das Männer-Frauen-Dingens hinaus) ist, dass wir eine Kultur brauchen, die Differenz anders denkt. Ich fange dabei eben bei der Geschlechterdifferenz an, aber man kann es auch auf alle möglichen anderen Unterschiede übertragen.

Antje Schrupp 01.06.2015 | 19:00

@Maren Hobrack - Ja, meine Interpretation ist die andere als die "übliche", aber das ist ja auch irgendwie der Sinn von Texten, das darin andere Thesen formuliert werden, als die die überall sonst auch schon stehen. Ich versuche ja eine Antwort auf die Frage, warum die herkömmliche Art, das zu interpretieren, offenbar nicht zu dem gewünschten Erfolg führt.

Simone de Beauvoir schreibt übrigens gerade nicht vom "anderen" Geschlecht, sondern vom "zweiten" Geschlecht. "Le deuxième Sex" heißt ihr Buch im Original, das "andere Geschlecht" heißt nur die deutsche Übersetzung, die hier vom französischen abweicht. Was sie analysiert ist die Unterordnung und Nachrangigkeit des Weiblichen im Vergleich zum Männlichen. Ich finde - aus den Gründen, die ich in dem Artikel schreibe - den deutschen Titel problematisch, weil das Problem damit eben verschoben wird. Das Weibliche ist in der patriarchalen Kultur eben gerade nicht als "Anderes" (Gegenüber, Differenz) zum Männlichen anerkannt, sondern gilt als etwas, das unter_hinter dem Männlichen steht, was eben etwas anderes ist.

Antje Schrupp 31.10.2011 | 18:20

Hallo Katrin,
es freut mich sehr, dass du unseren Diskurs hier nochmal aufnimmst und weiter zur Debatte stellt.
In vielen Punkten gebe ich dir völlig recht, ich finde es auch gut, wenn Frauen, die Lust dazu haben, Sachen zu machen und an Orte zu gehen, die traditionell "männlich" konnotiert sind, das tun, und ich finde, sie sollten jede feministische Unterstützung dafür kriegen. Allerdings beobachte ich gerade einen Trend dazu, dass Frauen zunehmend die Lust daran verlieren - und das finde ich bedenklich, weil es nicht reicht, sich "Frauennischen" einzurichten (dazu habe ich hier kürzlich einen Vortrag geschrieben - www.antjeschrupp.de/das-heimliche-fest)

Der Weg dazu geht aber mmn nur darüber, dass das Unbehagen, das (viele) Frauen an diesen Orten empfinden, zu einem politischen Konflikt machen. Nicht, um Geschlechterklischees zu reproduzieren, sondern gerade um sie aufzubrechen - weil auch manche Männer ähnliches Unbehagen fühlen, sie könnten ja von der Kritik der Frauen inspiriert sein.

Trivialisierung ist im Übrigen nicht dasselbe wie Abwerten. Sondern es bedeutet, die Wichtigkeit von bestimmten institutionellen Ritualen zu hinterfragen. Um Abwertung geht es dabei ganz und gar nicht, sondern eher darum, die Sachen an einen angemessenen Ort zu rücken.

Also: Ich will ganz und gar nicht Frauen, die dieses oder jenes tun, diffamieren, denn ich bin ganz entschieden dafür, dass jede Frau tun sollte, was sie will und für richtig hält. Worum es mir geht, das ist, den politischen Konflikt zu thematisieren, der sich darin zeigt, dass mehr Frauen als Männer bestimmten politischen Organisationsformen skeptisch gegenüberstehen. Also um eine kritische Bilanz der bisherigen Gleichstellungspolitik und der "Frauen-rein-in-die-Männerinstitutionen"-Bewegung, mit denen wir ja nun schon ein paar Jahrzehnte Erfahrung haben.