Meeres-Plastik für Gourmets

interfilm Festival Drei Geschichten veranschaulichen die Blockade von Verantwortung durch Hörigkeit
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Die gesellschaftliche Verantwortung für den Planeten Erde ist ein zeitgeschichtlich neues Phänomen. Früher konnte man über den Landkreis kaum hinausdenken, doch heute sind Globalisierung, Artenschwund und Umweltverschmutzung weithin wahrnehmbar und diese Phänomene nehmen die Menschwelt nun zusehends in die Pflicht, sich antikapitalistisch zu verhalten, obwohl dies im vorherrschenden neoliberalen Programm gar nicht vorgesehen ist.

Die gesellschaftliche Hörigkeit eines neoliberalen Programms freilich kann derart konträr zu gesellschaftlicher Verantwortung stehen, dass gar nichts mehr geht und ein politisch aktives Weiterkommen nicht möglich ist. Denn die Hörigkeit unterdrückt jeden Innovationsversuch und lähmt die Verantwortung. Willkommen also in der Normalität des Paradox. Einerseit, andererseits und da paßt etwas nicht zusammen. Die Folge ist Stillstand.

Drei Geschichten sollen die Blockade von Verantwortung durch Hörigkeit veranschaulichen:

1, Stell Dir vor, auf Erden ist das Wasser alle. Also richtig alle. Aus dem Hahn kommt nichts mehr. Auch nicht bei der High Society. Was wird passieren?! Man ignoriert es, nimmt es nicht wahr. Nur ein Hausmeister merkt es, er will putzen, hat aber kein Wasser, er warnt Kinder am Elfmeterturm, nicht ins Becken zu springen, doch sitzt am Ende in der Kneipe beim leeren Drink. Es ist nichts im Glas. Da sich aber alle andern Anwesenden fröhlich zuprosten mit leeren Gäsern, wird auch er am Ende der kollektiven Lüge folgen und genüsslich am leeren Glas nippen. - Der Kurzfilm "El Agua" läuft beim 35. interfilm Festival im Umweltfilmwettbewerb 2 Urban Nature.

2, Neulich in der Fabrik: Das Einheits-Lachen soll die Mitarbeiter motivieren. Alle singen das offiziell gültige Ha Ha Ha der Hörigkeit. Auch im Rundfunk ist es zu hören, denn alle sind über dieses Lachen glücklich und verbunden. Dann will eine Frau rebellieren. Sie stimmt eine andere Tonlage an. Und bringt das gesamte System der Hörigkeit zum Kippen. Dies ist die Geschichte des Kurzfilms "Ha ha ha" aus dem interfilm Festival Programm "Body Talk - Tanzfilme", denn, ja, es ist ein Tanzfilm! Er zeigt die Hörigkeit als Totalität, Verantwortung und Eigeninteresse dürfen gar nicht erst aufkommen.

3, Wenn nun im folgenden Filmbeitrag zu sehen ist, dass man mit Pastik aus dem Meer wunderbar kochen kann, trifft die gesellschaftliche Verantwortung auf paradoxe Weise auf den vorherrschen Hörigkeitsmodus des Nichtwahrnehemwollens. Dann essen wir halt das Plastik aus dem Meer! Das ist zwar unappetilich, aber im Modus des verantwortungslosen Weiterso konsequent .

Eingebetteter Medieninhalt

"Baked Fish" läuft bei interfilm im Umweltfilmwettbewerb 1 Man & Beast und auch beim Online Award EYES WIDE OPEN, dem Wettbewerb mit Filmen über Umwelt und Gerechtigkeit. 9 kurze Filme sind bis zum 7. November im Rennen!

21 Kurzfilm konkurrieren in den beiden Programmen des Umweltfilmwettbewerb um das Preisgeld der Heinrich Böll Stiftung. Insgesamt werden auf dem interfilm Festival vom 5. - 10. November in 10 Berliner Kinos über 450 Kurzfilme gezeigt.

Zum interfilm-Umweltfilmwettbewerb
Zum Programm Body Talk - Tanzfilme

10:10 14.10.2019
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