Presse trifft Presse

Re:publica Fake News sind das beherrschende Thema der diesjährigen Re:publica. Das Onlinemagazin "Motherboard" lädt zum Ratespiel
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Presse trifft Presse
"Lügenpresse" meets Werkstattpresse – bei der Gameshow über Fake News
Foto: re:publica/Jan Zappner (CC)

Wir leben im Zeitalter der Halbwahrheit. Lügen werden in sozialen Medien durch Klicks belohnt. Fake News, gesteuerte Propaganda und Hasskommentare bestimmen die Berichterstattung im und über das Netz. Es ist also kein Zufall, dass sich die Digitalkonferenz Re:publica in diesem Jahr das Motto „Love out Loud” gegeben hat. Dass es sich dabei nicht um ein bloßes Lippenbekenntnis handelt, zeigt die Liste der Vorträge: Statt nur zu diskutieren, sollen Lösungen gefunden werden.

Motherboard, das Technologie- und Wissenschaftsportal von vice.de, geht die Sache ganz anders an: das Magazin lud am Dienstag zum munteren Fake-News-Raten. Stattgefunden hat die Spielshow direkt neben dem Hauptgelände der Re:publica im labore:tory. Dieser Zukunftsspielplatz, als Schnittstelle zwischen Kultur, Technologie und Gesellschaft angelegt, versteckt sich in einem ehemaligen Kühlhaus. Auf vier Etagen herrscht ein Gewusel aus Virtual- und Augmented-Reality-Projekten zum Ausprobieren, Kunstinstallationen und Workshops. Die Besucher treten in Interaktion, lassen sich inspirieren. Mit Virtual-Reality-Brillen kann man hier einen Tauchgang durch ein Korallenriff erleben oder sich das Konzentrationslager Auschwitz von innen anschauen.

Im Kühlhaus ist es sehr warm. Felix Jaehns Sommerhit Ain’t Nobody tönt aus versteckten Boxen und Kissen sind einladend auf dem Boden verteilt – das perfekte Setting für einen entspannten Spielenachmittag. Die Veranstaltung „Lügenpresse™ meets Hyraulikpresse: eine Gameshow über Fake News" funktioniert so: Mehreren Kandidaten werden zum Teil unglaublich klingende Geschichten in Form von Facebookposts präsentiert. Diese reichen von einer hinterhältig blinzelten Hillary Clinton über Julian Assange und seine persönlichen Kontakte mit Playmate Pamela Anderson zu einem Nutella-Glas, das angeblich einen Brand in einem Flüchtlingsheim ausgelöst haben soll – allesamt falsch, aber mit einer unglaublichen Reichweite.

Leider verhindert

Bei der Wahl, ob es sich bei den Neuigkeiten wirklich um die Wahrheit handelt und welches Medium die Neuigkeit in die Welt gesetzt hat, liegen die Kandidaten meistens daneben. Zu gut getarnt sind Fake News und unverhältnismäßigen Überspitzungen in der digitalen Welt. Das Quiz basiert auf einer umfassenden Datenanalyse zu Fake News im deutschsprachigen Raum, die stattfand, als „man noch nicht brechen musste, wenn man das Wort gehört hat“, erklärt Motherboard-Redakteurin und Gameshow-Masterin Theresa Locker. Rund 2.000 Facebookposts von verschiedenen deutschen Medien, unter anderem auch von ihrer Heimatseite vice.de, hat das dreiköpfige Team auf ihren Wahrheitsgehalt analysiert.

Die Lügen stehen also in den Startlöchern. Die Hydraulikpresse „Modell Lügenpresse“ soll dann zum Einsatz kommen, wenn ein Spieler die falsche Antwort gibt. Denn jeder Spieler erhält fünf Leben in Form von Knetfiguren. Gibt er eine falsche Antwort, soll die Figur in der Hydraulikpresse landen. Leider fehlt etwas Entscheidendes: die Hydraulikpresse. Etwas traurig wurde zu Beginn der „Show“ eine knapp ein Meter hohe, rote Werkstattpresse, die so viel sei verraten, während der gesamten Show nicht zum Einsatz kommen wird, auf ein kleines Podest gehoben. Die echte Hydraulikpresse sei leider verhindert, erklärt Motherboard-Chefredakteuer Max Hoppenstedt. Ersatz sei schon auf dem Weg, werde aber leider erst zur zweiten Runde am Abend eintreffen. Bis dahin wird im Netz fleißig für Fake-News-Nachschub gesorgt.

Dieser Beitrag enstand im Seminar "Onlinejournalismus" der Akademie Mode & Design

14:11 10.05.2017
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