Alles ist gut

Vision Wir schreiben das Jahr 2054. Die Ängste der besorgten Bürger haben sich aufgelöst, Rentenkassen sind wieder voll und im Nahen Osten blühen die Demokratien.
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Im Nachhinein betrachtet, erweisen sich sogenannte Probleme oft als Chance. Als ich mir als Kind das Bein brach, hatte dies zur Folge, dass ich meine Lehre frühzeitig und ohne Abschluss beendete; folgerichtig wurde ich vom Hof gejagt und mein Bruder übernahm den elterlichen Betrieb.

So gelangte ich zur Freiheit, dem Leben und den Dingen an der Peripherie meiner Welt. Ich hatte Glück. Es wird schon gut und richtig sein, sage ich mir, wenn erneut ein unvorhergesehener Zufall meine Pläne kreuzte, oder meine Sicherheit beeinträchtigte. Was nach positivem denken klingt, ist etwas anderes, nämlich die Demut vor den Zusammenhängen, die ein kleiner unbedeutender Mensch nicht im Ganzen erfassen kann. Der Tropfen im Ozean. Mehr geht nicht.

Wie die Ereignisse sich manchmal fügen? Just in dem Moment, als Deutschland die jungen Menschen ausgingen, rüttelten an Europas Grenzen Flüchtlinge mit klarem Ziel. Viele davon waren schlecht ausgebildet, zum Teil handelte es sich sogar um Analphabeten, aber die meisten waren ehrgeizig und vor allem dankbar auf sicherem Terrain leben zu dürfen. Die Dankbarkeit zahlte sich aus, für alle Seiten.

In Europa etablierte sich in wichtigen Fragen die direkte Demokratie, was wir hauptsächlich Griechenland zu verdanken haben. In der Folge der Restrukturierung des Landes, experimentierte die Athener Regierung mit allerhand unorthodoxen Methoden, die äußerst umstritten waren, aber letztendlich zum Erfolg führten. Dies wäre vermutlich ohne die Krise niemals passiert.

Infolge der dramatischen Entwicklung, zwischen arm und reich, ersetzte man das Geld in Europa und installierte ein gerechtes Punkte-System. Die Währung existiert nur noch für den Außenhandel. Wer heute besonders viel und schwer arbeitet, was einst als ultimatives Qualitätsmerkmal eines Menschen galt, bekommt heute nicht mehr Punkte, als der sozial engagierte Mitbürger. Selbst für Nächstenliebe und Toleranz kann man mittlerweile DEKAs sammeln, und es wird einem kein religiöser Hintergrund mehr unterstellt, wenn man sich humanistischen Traditionen anschließt. Mensch sein, lohnt sich wieder.

Im Nahe Osten verschwand der religiöse Einfluss in der Politik. Heute regieren ehemalige Flüchtlinge, die in München und Paris studierten, in Syrien und im Irak. Mit der Demokratie kam der Wohlstand und damit sind zwar neue Probleme verbunden, doch für Religion hat man keine Zeit mehr. Lediglich Saudi-Arabien weigert sich im Orient noch Menschenrechte zu akzeptieren, da jedoch kein Land mehr auf das Erdöl angewiesen ist, hält sich der Schaden, den die Scheiks anrichten können, in Grenzen.

Miroslav Nemec, unser neuer Präsident, sagte zu seinem 100. Geburtstag, dass er nach seiner politischen Karriere wieder Tatort Filme drehen will. Die Punkte spendet er einer Stiftung, die sich um Menschen kümmert, die ihr Glück weder sehen noch verstehen.

13:24 29.08.2015
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