RE: Realpolitisches Drehbuch | 18.04.2016 | 08:29

Irgendwo habe ich gelesen, dass es im "Fall Böhmermann" um die Verteidigung der Freiheit der Kunst geht, aber wenn zu behaupten irgendjemand wäre ein Ziegenficker und das als Kunst gilt ist ja schon irgendwas verkehrt.

Und nein damit will ich nicht behaupten, dass Erdogan eine vernünftige Person wäre, aber trotz seines diktatorischen Kurses, seiner Kurdistan-Politik paktiert man trotzdem mit ihm.

Aber sobald ein Herr Böhmermann angezeigt wird ärgern sich alle. Das ist einfach lächerlich

RE: Abrechnung mit der Extremismustheorie | 04.04.2016 | 11:26

"Außerdem war Klein- und Kleinststaaterei in der Vergangenheit eher die Wurzel von Unruhen als deren Lösung."

Ja klar. Es geht um kleine Kommunen, die mit einander verbunden sind. Ich denke dabei entweder an die Modelle die vorrangig von der CNT im spanischen Bürgerkrieg erprobt wurden oder aber an eine Räterepublik mit imperativem Mandat.

"So wirklich frei von Schubladen denken, sind weniger Menschen, als man denkt und als die Betroffenen selbst denken."

Hat niemand das Gegenteil behauptet ;) Trotzdem bleibt das Zerschlagen dieser Schubladen eine zentrale Aufgabe.

"Diktat der Verständnisvollen" "Sozialarbeiterromantik"

Was soll das denn sein? Meinst du die Fortschritte nach 68? Du willst da wahrscheinlich nicht wissen, wie es vorher war.

So lange nicht jeder Mensch in gleichem Maße seinen Lebenslauf frei wählen darf kann man nicht von Freiheit sprechen. Dabei bleibe ich :)

RE: Abrechnung mit der Extremismustheorie | 04.04.2016 | 11:17

Man kann die Entstehung der bürgerlichen Gesellschaft nicht auch von der sich eigenständig entwickelnden kapitalistischen Wirtschaftsweise entkoppeln.

Das Problem ist doch: Was tust du wenn du deinen Plan verwirklichen kannst. Wie weit gehen Menschen um ihren Plan umzusetzen?

Es kann nur darum gehen das Leben der Menschen konkret zu verbessern und nicht eine neue abstrakte Idee zu erschaffen. Schaut man sich die Geschichte an ist es ein reines Abschlachten für diese oder jene abstrakte Idee. Staatliches Recht, Religion, oder Nation. Aber auch Freiheit oder leninsche Sozialismus. Und deshalb müssen die Menschen auch selber bestimmen, was ihnen richtig erscheint, sonst geht das ganze nur wieder von vorne los -.-

RE: Was tun wir hier eigentlich? | 01.04.2016 | 17:46

Minderung trifft es eher ja ;) Mir ging es zentral darum, dass wenn die Lage etwas größer denkt die Situation gar nicht so schlimm ist, sondern linke Opposition immernoch sehr stark statt findet.

RE: Das doppelte Handicap | 31.03.2016 | 14:35

Ich denke es wäre schon einmal eine Verbesserung, wenn man einfach den Geflüchteten mehr Freiraum und Privatsphäre zur Verfügung stellen würde.

Zudem würde ich behaupten, dass es auch in Deutschland nur wenig Sensibilität dafür gibt, dass solche Probleme überhaupt auftreten. Deshalb bleibt Aufklärung natürlich essentiell. Auf allen Seiten.

RE: Was tun wir hier eigentlich? | 31.03.2016 | 12:55

"Ach, AfD-Wählern durch die Blume Inhumanität zu unterstellen ist aber vollboah in Ordnung, wa?"

Och nein wirklich durch die Blume? Das ist wirklich nicht ok. Das sollte man schon klarer formulieren.

RE: Was tun wir hier eigentlich? | 31.03.2016 | 12:51

Hmm ich sehe das anders. Sehr oft musste man als oppositionelle Kraft nicht nur gegen "das System" (erstmal ein leerer Begriff der aber zu füllen wäre), sondern auch gegen den Zeitgeist rebellieren. 68 ist dafür doch das beste Beispiel. Und wo ist das Problem auch hier zu kämpfen? Aufklärung bedeutet sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, um der selbstverschuldeteten Unmündigkeit zu entgehen. Daran muss man auch ansetzen auch wenn man damit alleine steht. Und dann wieder mehr werden, andere überzeugen das war die Idee der Frankfurter Schule.

Ich lese sehr viel Resignation aus dem Text, aber die halte ich für fehl am Platze. Die Opposition überall wird ja auch stärker. In Frankreich gibt/gab es enorm große Demonstrationen gegen Milderungen von Sozialgesetzgebungen, die in die Hunderttausende gehen. Die StudentInnen bauen da Barrikaden und die Verhältnisse hat man wohl seit dem Mai 68 dort nicht mehr gehabt. In England wird gerade das Konzept Antifa entdeckt, in Amerika kommt ein Präsidentsschaftskandidat gut an, der vom Sozialismus spricht daneben sehen wir, dass es wieder eine wirkliche antirassistische Bewegung in den USA gibt. In China gibt es immer mehr Streiks das wäre früher nicht mal denkbar gewesen und die Anzahl der Aufstände gegen Staaten ist heute so hoch wie noch nie.

Natürlich gibt es auch die Kehrseite: Trump, Le Pen und Petry. Aber nicht den Blick darauf versteifen, sondern auch sehen, dass die Welt auch im progressiven Umbruch liegt. Dahingehend liegt wirklich eine Situation, wie in Weimar vor. Der Kampf ist nicht entschieden und jetzt aufzugeben wäre fatal.

Und noch etwas zur Situation hier in Deutschland: Der zivile Ungehorsam wirkt kraftlos? Nein das denke ich nicht. Die Blockade als Mittel greift immernoch bei Naziaufmärschen. Es hat sich in der Praxis eigentlich nicht viel geändert, nur hat sich die Diskusion und ihr Fokus einfach verschoben. Und das Errichten der symbolischen Flüchtlingsgräber war ja wohl eine symbolisch extrem Kraftvolle Geste.

Vor allem in Zeiten wo die rechte Seite erstarkt müssen die Bemühungen verstärkt werden eine linke Opposition als Gegengewicht zu bilden.

RE: Abrechnung mit der Extremismustheorie | 31.03.2016 | 12:33

Ich denke die Diskusion in wie fern nun man in seinen Entscheidungen durch die soziale Situation determiniert ist, ist auch einfach zu komplex um hier diskutiert zu werden. Das ist immerhin eine Frage die in den Sozialwissenschaften immernoch umstritten ist.

Deine Kritik am Konzept des "Wirs" finde ich gut. Zeigt sich finde ich am meisten, wenn irgendjemand mich versucht in eine nationalistische Gruppe zustecken.

"ausbuchstabieren und klar machen, wer dieses ominöse „Wir“ dann tatsächlich ist." Ja klar. Kennst du das Konzept der Kommune? Wenn ein Problem vorliegt setzt man sich zusammen und arbeitet eine Lösung aus. Dabei sollte jeder teilnehmen können, der von dem Problem betroffen wird. Im kleinen versteht sich das am besten. Wenn ein Mehrfamilienhaus feststellt, dass das Treppenhaus zu dreckig ist treffen sich alle Menschen, die in dem Haus wohnen und sprechen über Lösungen.

"Über die Notwendigkeit eine Gleichheit der grundlegenden materiellen Absicherung waren wir ja bereits einig. Darüber hinaus sehe ich in der Betonung der Ungleichheit aber keinen Nachteil, sondern einen Vorteil."

Gut, wieder zurück zur Ausgangsfrage. Ja in der Betonung der Ungleichheit kann auch ein Moment der Freiheit liegen. Die Punk-Szene ist dafür das beste Beispiel. Gleichheit bedeutet im Groben Gleichheit in den Optionen, die man hat. Viele Meschen haben heute keine Wahl, weil die zu arm sind oder weil sie in ein Stereotyp gepresst werden.

Wenn Reichtum einem Menschen Möglichkeiten gibt, als einem anderen empfinde ich das schon einmal als ungerecht. Daneben ist dann der Reiche (in der Regel) freier, als der arme Mensch, weil er schlicht mehr Möglichkeiten hat sein eigenes Leben zu gestalten.

Das zweite hängt auch mit der angesprochenen Kritik am Konzept von den meisten "Wirs" zusammen. Vorallem in der Abgrenzung zu "Ihrs". Gleichheit bedeutet für mich: Es gibt keine Deutschen oder Franzosen, Schwul oder Hetero, Mann oder Frau, sondern einfach nur Menschen. Und ja aich weiß, dass es de facto Männer und Frauen gibt, aber daraus zu ziehen, dass man sich auf eine betimmte Art zu verhalten hat schränkt die Freiheit massiv ein.

Was meinst du eigentlich genaus mit"Betonung der Ungleichheit"? Würde da gerne mal dein Konzept hören ;)

RE: Thüringen öffnet seine Arme für Refugees | 31.03.2016 | 00:03

Das halte ich für sinnvoll und es gäbe wohl keine Argumente gegen solch eine Luftbrücke, die nicht die Menschlichkeit über Board werfen würde.

RE: Abrechnung mit der Extremismustheorie | 30.03.2016 | 23:58

Ja ich halte den Text für recht richtig, nur vergisst er, dass Gruppendynamiken natürlich existieren. Das einzelne isolierte Individum gibt es genauso wenig, wie die Gruppe als aktiv handelndes Subjekt.

Ich denke ich habe recht klar gemacht, dass ich nicht von einem metaphysischen Gruppekonzept ausgegangen bin, sondern als Zusammenwirken von individuellen Handeln diese Gruppen definiert habe.