Abrechnung mit der Extremismustheorie

Rechts oder Links? Links bedeutet immer ein Mehr an Emanzipation. Freiheit und Gleichheit. Rechts besteht auf einen Rückschritt oder auch "nur" den Erhalt des Status Quo.
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Karl Marx fasst einmal seine Gedanken zusammen „mit der Lehre, daß der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“ Ein anderer geistiger Vater linker Moralvorstellungen ist Bakunin er meinte: "Wir sind überzeugt, daß Freiheit ohne Sozialismus Privilegienwirtschaft und Ungerechtigkeit, und Sozialismus ohne Freiheit Sklaverei und Brutalität bedeutet."

Daran zeigt sich, dass linke Praxis nur darauf ausgelegt sein kann zum einen den Menschen ein menschliches Leben zu ermöglichen und auf der anderen Seite die Ideale von Freiheit und Gleichheit in die Tat um zusetzen. Oft wird Links mit Stalin, also dem absoluten Machtanspruch eines Staates über die Individuen gleichgesetzt. Das ist keines Wegs der Fall. Nach den vorgegangen Definitionen für eine linke Moral zeigt sich, dass sowohl Stalin als auch Hitler gleich reaktionär und damit nicht links waren. Dies nur um einige Verwirrung zu beseitigen.

Hingegen strebt Rechts niemals wirklich Gleichheit und Freiheit an. Es wird eher die Ungleichheit betont, vor allem auf kultureller Ebene. Von einem Nazismus der Kleinigkeiten kann man auch sprechen. Auch ist augenscheinlich, dass der Faschismus nie anstrebte den Individuen mehr Kompetenz zu kommen zu lassen, also ihnen mehr Freiheit zuzubilligen. Darin liegt schonmal ein zentraler Unterschied.

Und noch etwas zur Gewaltfrage: Natürlich ist es vollkommen egal mit welcher Farbe sich ein Diktator anmalt und unter welchem Banner sein Massenmord stattfindet. Gewalt als politisches Konzept kann nur in die Barbarei führen. Ein Satz den hoffentlich viele unterschreiben würden. Jetzt frage ich mich aber, wenn doch diese Gewalt das Faktum ist, dass zur Gleichsetzung von Links und Rechts und ihrer Ablehnung führt, warum nicht die Gewalt des Bestehenden ebenso abgelehnt wird. Tausende sind immer noch vom Hunger bedroht (weltweit). Deutsche Waffen und Soldaten sind gerne unterwegs. Ganz zu schweigen von der aktuellen Abschottungspolitik, die nur über Gewalt funktioniert. Ich würde jeden akzeptieren, der jede Form von Gewalt kritisiert, aber sich da exemplarisch die "politischen Ränder"rauszunehemen und diese politische Gewalt als ihre Gemeinsamkeit anzuerkennen vergisst, dass auch die bürgerliche Mitte nicht frei von Gewalt ist.

Mal im ernst: Wer von denen, die das linke Gedankengut mit dem rechten gleichsetzen hat jemals etwas von Rosa Luxemburg, Kropotkin oder auch Ernst Bloch gelesen? Ich würde behaupten recht wenige. Bildet ein eigenes Urteil, dann kann man beurteilen. Ablehnung und Kritik sind legitim und in der konkreten Situation können sie auf jeden Fall wichtig sein, aber eine Gleichsetzung ist einfach albern und zeugt von Unkenntnis.

Es handelt sich mehr um einen kurzen Kommentar, der als Diskussionsgrundlage dienen soll. Immerhin ist es sehr ermüdend, als linker Mensch immer mit denselben Vorurteilen konfrontiert zu werden. Eben um diese Vorurteile zu durchbrechen und im Speziellen die Extremismustheorie anzugreifen habe ich die für mich offensichtlichsten Unterschiede versucht deutlich zu machen.

00:07 28.03.2016
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